Dokumentation eines Papiers von »enfants perdus« zur Kritik der »28 Thesen zur Klassengesellschaft«

»Die Unterentwicklung der revolutionären Theorie
auf der ganzen Welt ist die erste Unterentwicklung,
die jetzt überwunden werden muss.«

(Situationistische Internationale 10/1966)

ENFANTS PERDUS beginnen hier mit einer Kritik der »28 Thesen zur Klassengesellschaft« des KOSMOPROLET (2007). Über dessen Initiatoren, die »Freundinnen & Freunde der klassenlosen Gesellschaft«, war in PHASE2 vom Herbst 2007 zu lesen:

»Es handelt sich hier um eine undogmatische Sammlungsbewegung über die Gräben der alten Arbeiterbewegung und Linksradikalen hinweg, mit dem Ziel, eine revolutionäre Praxis zu entfalten, aber ohne Parteigründungsambitionen. Diese Erscheinung ist noch auf Berlin beschränkt. Im Editorial des Kosmoproleten wird aber eine Kontaktaufnahme mit FrankfurterInnen, FreiburgerInnen und SchweizerInnen angedeutet, so dass durchaus noch etwas mehr Staub aufgewirbelt werden könnte.

Die Schwierigkeit besteht dabei in einem Spagat zwischen der unbedingten Anerkennung der Niederlage des ersten Ansturms des Proletariats im Nationalsozialismus (1830–1939) und dem Willen, nicht den Kopf hängen zu lassen (triste Zeiten, über den Globus verstreute Kommunistinnen etc.), sondern lieber seinen Teil zu tun für die Erfindung der Zukunft. In den Begrifflichkeiten der jüngsten Geschichte ausgedrückt, ist das der Widerspruch zwischen einer sich zunehmend der deutschen Volksgemeinschaft andienenden Bewegungslinken und der adornitisch-antideutschen Fundamentalopposition, die allerdings häufig in die Hypostasierung ihrer eigenen Ohnmacht verfällt. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft beziehen daher eine doppelte Stellung einerseits gegen unmittelbare Praxis, also die Illusion, es gäbe bereits irgendwelche Bewegungen, die offen für revolutionäres Gedankengut wären und andererseits gegen die deutsch-romantische Neigung, sich im Angesicht der geschlossenen Totalität in Untergangsstimmung zu versetzen und in selbst gebastelter Theorie einzurichten. Derlei polare Gegensätze und ihre Auflösung machen die Schwierigkeit aus. Es ist immer besser, von den Trennungen auszugehen, um sie dann zu vereinen zu suchen. Gegenwärtig spalten sich die Linken in einen praktischen und einen theoretischen Flügel auf, so daß Kopf und Hand getrennt erscheinen: Theorie und Praxis schließen sich heute in erstarrter Opposition gegenseitig aus. Auf der einen Seite der blinde Aktivismus, der immer nur sich selbst und nie die Gesellschaft in Bewegung bringt, auf der anderen Seite ein trockener Akademismus: Man lese nur die Druckerzeugnisse der studentischen Linken, wohne ihren gespenstigen Vortragsversammlungen bei und man versteht auf der Stelle woher die Feindschaft gegen Theorie ihre Nahrung bezieht. Solche Widersprüche durchziehen die Thesen – nur den zwischen Mann und Frau bzw. Vernunft und Sinnlichkeit wollen sie nicht sehen. Ebenso prägt der Versuch einer Vereinigung dieser Widersprüche den Stil. In diesem Fall ist die Auflösung einfach die, dass gesagt wird, man solle denkend handeln und handelnd denken: Wer nicht begreift, kann nicht wirklich handeln, und wer nicht handeln will, wird auch nicht begreifen.
Es ist unmöglich, den Text vollständig zu referieren, man liest ihn daher besser selbst.«

ENFANTS PERDUS stellt diesen Text bei Gelegenheit des »radikal«-reformistischen und unverhohlen anti-»antideutschen« Kongresses des »ums Ganze«-Spektrums in Frankfurt im November 2007 zur Verfügung zusammen mit dem ersten Teil (zur Vorbemerkung) einer Kritik an den 28 Thesen des KOSMOPROLET .

Die weiteren kritischen Randglossen zu den folgenden neuralgischen Punkten der KOSMOPROLET-Thesen können ab Januar auf diversen websites weiter verfolgt werden, z.B. auf theoriepraxislokal.org

  1. Zur Vorbemerkung:
    In diesem, hier als Printfasssung verbreiteten, ersten Punkt wird auf den in der Vorbemerkung des KOSMOPROL gesetzten Selbstanspruch eingegangen und bei aller Würdigung gezeigt, dass er nicht eingelöst wird sondern stattdessen neo-operaistische Nostalgie und bakuninistische Trennung von der Klasse zur Folge hat bzw. legitimieren soll.
  2. Die weiteren kritischen Punkte der 28 Thesen sind dann vor allem:

  3. Das Problem der Klassenambivalenz des modernen Proletariats, dessen Teil wir sind.
  4. Das Verhältnis von objektiver ökonomischer Tendenz (Krisen-, Katastrophenentwicklung) und Subjektivität im Fetischismus von Lohnarbeit/Kapital als »automatischem Subjekt«.
  5. Die Aufgabe von Konkretisierungen des ökonomischen und politischen Übergangs, der Transformationsformen aus der kapitalistischen in eine communistische Produktionsweise weltweit, - was erneut das Verhältnis von »Minimalismus« und »Maximalismus« oder Reform und Revolution aufwirft.
  6. Die Thematisierung oder Verdrängung des revolutionären Begehrens, des Systems der Bedürfnisse und der radikalen Bedürfnisse in der Spannung zu den Scheinlösungen der Entfremdungen, die vor allem aus der modernen »Alltagsreligion« hervorgehen und mehr oder weniger barbarisch ausschlagen.
  7. Die entscheidende Frage der theoretischen Praxis und der Praxis insgesamt, wie sie vermittelt werden können, - was zugleich die Frage communistisch-revolutionärer Selbstorganisierungsformen zur Association freier und selbstbestimmt produzierender Individuen ist.

Wir möchten gleich andeuten, dass alle diese Streitpunkte das aktuelle Problem einer communistischen Parteinahme in der realpolitischen Kapital-und Staaten-Konstellation auf Basis des fertigen und krisenhaft weiterprozessierenden Weltmarkts markieren, und dass sie von der gefährlichsten, im historisch bereits eingetretenen Bruch der Zivilisations- und Revolutionsgeschichte durchbrechenden »anti«-kapitalistischen Alltagsreligion, dem modernen Antisemitismus, als der letzten universalen geschlossenen Weltanschauung, untrennbar sind.

Wo die 28 Thesen diesen Gesamtzusammenhang ausblenden oder fragmentarisieren, wo sie es fertigbringen, von der kapitalistischen Alltagsreligion im allgemeinen überhaupt nicht und vom modernen Antisemitismus im besonderen kaum zu sprechen sowie um die aktuell am gebieterischsten für alle Communist_innen sich stellende Parteinahme für »den Juden unter den Staaten«: Israel, herum einen großen Bogen hinein in die schlechteste Abstraktheit zu machen, dann verstellen sie sich selber den Weg zu der eingeforderten kollektiven cosmo-proletarischen Debatte und neo-communistischen Kritik, dem angepeilten geschichtstheoretischen und praktischen Terrain: dem zu erneuernden »Klassenkampf als Schluss, worin sich die Bewegung und Auflösung der ganzen Scheisse auflöst« (Marx über Zweck und Ziel der Kritik der politischen Ökonomie).

1. Zur Vorbemerkung:
Die gefesselten Worte

Zu Recht setzen die freundinnen&freunde der klassenlosen gesellschaft den Anspruch höher als alle jene Amts- und sub-akademischen Konfusionsräte, die reformistisch-aktionistisch »radikal« ums Ganze schleichen wie die Katze um den heissen Brei. Die 28 Thesen gehen aufs Ganze. Sie kündigen eine materialistische Historisierung der Begriffe »Proletariat«, »Klassenkampf«, Revolution« an. Damit versuchen sie auszubrechen aus der erstarrten Landschaft des Linkskommunismus. Doch bleibt diese »Skizze« einer neuen Klassenkampfszenerie halbherzig, sie drehen schon vor der Öffnung der Begriffe selber ab: »Ein offener Begriff ist offenbar ein unbestimmter, also keiner.« verkünden sie (These 12). »Verbreitet ist auch die abgeschwächte Auffassung, Klasse sei ein Verhältnis und darum nicht objektiv bestimmbar. Aber Verhältnis von was?« fragen sie richtig. Begriffe selber bezeichnen gerade Verhältnisse, so dass begriffliche Erkenntnis deshalb nur offen sein kann. So wiedie prozessierenden Widersprüche, deren bewusstmachende Bewusstseins-Ausdrücke sie sind; dass Begriffe diese Widersprüche öffnen können und sollen – gerade da, wo diese stillgestellt = verdinglicht, d.h. ungeschichtlich gesind. Nur durch die Arbeit des Begriffs können wir – natürlich immer nur auf Basis unserer praktischen Erfahrungen in den wirklichen Widersprüchen des prozessierenden gesellschaftlichen Seins selbst – die Fetisch-Gestalten auflösen, die objektiv an-sich-Seiendes und subjektiv für-uns-Seiendes zu einer ununterscheidbar identisch scheinenden Naturhaftigkeit unserer gesellschaftlichen Konstruktionen (wie Wert&Warenproduktion) mystifizieren. So nimmt sich die weiterprozessierende Klassenteilung der menschlichen Gesellschaft aus: falscher/verkehrter aber realer Schein. Paradox im Begriff einer »klassenlosen Klassengesellschaft« festgehalten, kann der Klassenwiderspruch, das Verhältnis Lohnarbeit/Kapital, welches die Totalität der heutigen Weltgesellschaft bestimmt, in seine unzähligen Erscheinungsformen hinauf (nämlich in seine konkreten Daseinsformen hinein) erkennbar gemacht, geöffnet werden: ein Begriff ist ein offener, öffnender oder es ist keiner.

Die Anstrengung des Begriffs kann dadurch zugleich »zeigen, woher die Vorstellungsweise von Spiesser und Vulgärökonom stammt, nämlich daher, dass in ihrem Hirn sich immer nur die unmittelbare Erscheinungsform der Verhältnisse reflektiert, nicht deren innerer Zusammenhang. Wäre letzteres übrigens der Fall, wozu wäre dann überhaupt eine Wissenschaft nötig?«, so Marx. Durch die Bestimmungen - des Einen durch sein Anderes in alle Richtungen und unabschliessbar so – können die Widersprüche klargemacht werden, ihre blind-naturwüchsigen Bewegungsformen (gesamtgesellschaftlich heute: die kapitalistischen Produktionsverhältnisse und alle Überreste vorhergegangener Produktionsweisen) können dadurch nicht nur permanent besser begriffen sondern auch praktisch experimentell so ergriffen werden dass wir sie in den Menschen und den Produzierenden gemäße, vernünftige Bewegungsformen (d.h. in eine communistische Produktion und Verteilung, geplant zwecks Befriedigung unserer individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse und zu keinem anderen Zweck) transformieren können.

Alles andere läuft auf Obskurantismus, Fatalismus, Mystifikation hinaus. Die öffnende Arbeit des offenen Begriffs, der Bestimmungen als Denkausdrücken der historischen Verhältnisse im materiellen Lebensprozess einer Gesellschaft, kann nicht auf der Ebene der unmittelbaren Erfahrungen (des Empirismus), der bloßen sinnlichen Gewissheit allein geleistet werden, nähmen auch noch so viele »Massen« arbeitender oder arbeitsloser Menschen an diesem »Erfahrungsgrund«-Erkenntnisprozess teil. Die »Ausweitung« kosmo-proletarischer »Kommunisierung« allein kann den Selbstorganisierungsprozess und qualitativen Sprung von der Klasse-an-sich zur Klasse des Bewusstseins nicht ersetzen und führt ihn auch nie spontan herbei. Hier hilft nicht noch so wertvolles »Produzentenwissen«, auch nicht »Produzentenmacht« an sich (die ebenso in Fetischformen befangen sind wie die Grundform aller Proletarität: der Lohnfetisch), der Glaube an die Selbstregenerierungskraft der Klasse und die Hoffnung auf einen neuen Internationalisierungs- und Vernetzungs-Schub, weder das Setzen auf eine »Avantgarde« von aussen noch auf eine »kollektive Aktion« als Propaganda der Tat und Erkenntnisblitz in »der Revolte« kann bewirken, dass die längst anstehende communistische Umwälzung das Werk der Gesamtarbeiterin selber ist – weder die Hassliebe radikalreformistisch regulierenwollender Staatssubjekte (»linker Regierungen«) kann diese Selbsterziehung einer entscheidend hinreichend starken treibenden Minderheit innerhalb »der ungeheuren Mehrzahl« zum Begreifen der konkreten Totalität ersetzen noch der kollektiv-anarchistische oder linkskommunistische »Wille« als GlaubeLiebeHoffnung in der Theorie plus »militante Untersuchung« in der Praxis.

Unabdingbar ist die selbsttätig organisierte Arbeit der theoretischen Praxis, anstatt »irgendeiner Art Proletkult. Es handelt sich dabei um ‚Dialektiker gewordene Arbeiter’, wie sie es massenweise werden müssen bei der Ausübung der Macht der Arbeiterräte.« - so zogen schon die Situationisten das Fazit aus den räte-communistischen Erfahrungen der bisherigen proletarischen Revolutionsanläufe und insbesondere dem Mai 1968 in Frankreich. »Die Räteorganisation wird man letzten Endes nur durch die Kohärenz ihrer Theorie und ihrer Aktion beurteilen können sowie durch ihren Kampf um die vollständige Abschaffung jeder Macht, die ausserhalb der Arbeiterräte weiterbesteht bzw. versucht, sich ihnen gegenüber zu verselbständigen.« (S.I. Revue N°12/1969, dt.Bd.2:407)

Die 28 Thesen verweilen lange beim historischen Gestaltwandel, dem Verschwinden und Abschleifen des Massenarbeiter-Milieus und der sukzessiven Integration der alten Arbeiterbewegung(en) und sehen dabei eine kontinuierliche Entwicklungslinie, »Logik der Klassenkämpfe« zu sich kommen. Der epochale Geschichtsbruch scheint für sie aus dieser Optik der Kontinuität der »Einbindung« in die klassenlose Sozialstaatsgesellschaft ganz eingeebnet. Überraschend suggerieren sie dann in mystischen Allmählichkeit das Gegenteil: Die Zusammenschau sieht gegen Ende gleichsam aus wie der tendenzielle Fall des Bösen in der Klasse. Sogar die Existenzkämpfe betriebsfixierter Lohnsklaven für den Erhalt »ihres Standorts« sind da gutzuheissen, und ab der Gewerkschaftsthese (23), die »den Maximalismus«(warum nicht gleich »Revolutionarismus«) in die Schranken weist, hüpft der Wertungsakzent auf den Proletkult-Pol. Schliesslich »sich dann Duckmäuser in Rebellen, und Leute, die nie eine Zeile Marx gelesen haben, werden auf einmal die besten Kommunistinnen.« Auf einmal, wie mit Zauberschlag.

Es muss Selbstaufklärungsbemühungen geben, sogar eine Praxis der Theoriebildung auf Seiten der Proletarisierten selbst, ganz ohne den Mythos von der plötzlichen »Revolte«. Doch wo blieben dann die erfahrenen Experten und Piloten der »Subversion«, jene »versprengten Unzufriedenen« Freundinnen, Freunde und heimlichen LiebhaberInnen des eigentlichen Proletariats, die von den Thesen immer nur als an ihrer schicksalhaft ihnen auferlegten Trennung von der Klasse schwer Leidende dargestellt sind?

Dem Spontaneismus, Empirismus und Historismus entspricht die durchgängige Methode der Kantianischen Erkenntnistheorie, die das Erbe der deutschen, idealistischen Linken ist – vom sozialdemokratischen Kathedersozialismus und auch vom linkskommunistischen Dietzgen- und Pannekoek-Vermächtnis her. Das Klassen-Wesen bleibt ihnen allen ein unerkennbares Ding-an-sich. Auf der Ebene von Wesen und Substanzialität der kapitalistischen Widersprüchlichkeit werden diese Kategorien immer noch als unwandelbare »Dinge« fixiert (»Essenzialismus«, »Substanzialismus«) anstatt davon auszugehen: »Das Wesen ist in den Erscheinungen.«, Substanz ist »die absolute Formtätigkeit.« (Hegel)

Die Kritik der politischen Ökonomie von Marx treibt diese reellen Widersprüche über ihre mystifizierende System-Kristallisierung in der Hegelschen Wissenschaft der Logik hinaus in eine Praxis der Theorie des Klassenkampfes: »Hegels Dialektik ist die Grundform aller Dialektik, aber nur nach Abstreifung ihrer mystischen Form, und dies gerade unterscheidet meine Methode.« (Marx 1868)

Der neue Prolet als Retro-Spektakel?

Die 28 thesen trennen die Erscheinungsformen der historischen Arbeiterbewegung von dem, was sie weniger als »Begriff« denn vor allem als Bild fixieren, das »nicht hinfällig« sein soll:

In diesem Bild ist die Selbstbezeichnung als der »Kosmoprolet« aufschlussreich. Männlich konnotiert, eine Selbstverortung gegen die zuletzt doch widerwillig eingeräumte »Vielfalt der Orte proletarischer Realität«, die sie als Momente einer Klasse zu denken versuchen. Damit dementieren sie endlich selber ihre Abwehr der Klasse als »offenen Begriff«.

Wenn sie aber so eingestehen müssen, dass die Begriffe durch und durch historisch und gerade damit nicht hinfällig, nur bewusstmachende Ausdrucksformen von Kategorien als Daseinsformen, Existenzbestimmungen der von Menschen gemachten Geschichte sind, so rufen sie – nicht begrifflich-kategorial sondern bildlich-spekulativ, eben als unterschwelligen Mythos noch einmal den knackigen revolutionären Arbeiter an, beschwören das operaistische Ideal von »der Klasse«, welche die »Subversion«, und »Revolte« verkörpern soll – genau nicht durch kollektive Arbeit-des-Begriffs, sondern durch Selbstgenügsamkeit des »Produzentenwissens« und der »Produzentenmacht«, nicht durch Selbstorganisierung zur Klasse-des-Bewusstseins, sondern durch »die Hoffnung, dass auf ein Jahrhundert der antiimperialistischen Mythologie eine neue Ära des proletarischen Internationalismus folgt« (These 20), nicht durch kollektives Aneignen und Weitertreiben der Kritik der politischen Ökonomie, Kritik der libidinösen Ökonomie, d.h. aller Formen des gesellschaftlichen Fetischismus, sondern durch eine Selbstlüge über »den von allen geteilten Erfahrungsgrund, … aus dem die kommunistische Kritik hervorgeht« und durch die entsprechende Selbstberuhigung, »dass die Rechtfertigung der Verhältnisse heute mehr Anstrengung bedarf als ihre Ablehnung«. Das wäre schön.

Mythos und Mob

Das Frage ist keineswegs die diffuse »Ablehnung des Kapitalismus«, des »Neoliberalismus«, »der Globalisierung« etc. durch alle möglichen Kapitalismuskritikerinnen von Müntefering bis Sloterdijk oder eben des »Kleinen Mannes« mit dem Palituch um den Hals. Es geht auch die Verkürzung der kritischen Theorie durch die Thesen an der viel schwierigeren, härteren, komplexeren Aufgabe der kollektiven Anstrengung des Begriffs vorbei, wenn es heisst:

»Die Widersprüche der Gesellschaft, welche die kritische Theorie auf den Begriff zu bringen versucht, werden von allen erfahren und von vielen insgeheim erkannt.« (These 28) Dieses Vielen zugeschriebene Geheimwissen, diese augenzwinkernde Vereinnahmung oder Einvernehmlichkeit arbeiterischer »Solidarität« im Sinne eines Wir-Gefühls … Dagegen »lesende Arbeiter« mit ihrem theoretischen Sinn, die »Köpfe zum Generalisieren auf den Schultern haben« (Marx). Sie werden so mit allzu spürbarem antiintellektualistischen Ressentiment als »akademistisch« abgetan und tendeziell zu verkopften Aussenseitern und Störern stigmatisiert. Der mystische »Erfahrungsgrund« einer Erkenntnis-insgeheim outet sich auch hier zuletzt als der Mythos von »der Aktion«, die wie eine gigantische Detonation den Verblendungszusammenhang der Klasse(n) auflösen soll. Eine ausserordentlich schlichte Spontaneitätstheorie, kalter Kaffee des klassischen Operaismus, in dessen Nostalgie die 28 Thesen sich zuletzt flüchten. Der beste und inbrünstigste Wille vom erhabensten Standpunkt aus aber hat weder den leninistischen Partei- noch den antileninistischen Rätekommunismus zum Erlöser der Klassengesellschaft gemacht. Er musste wiederholt die konformistische Revolte, die barbarische Regression ohnmächtig über sich ergehen lassen, die er bagatellisiert bzw. ignoriert. »Mitunter« werden genau die »besten« GefühlskommunistInnen »im richtigen Augenblick« die schnellsten, besten Wendehälse der Opportunität, ganz weil sie empiristisch, pragmatistisch drauf sind und sonst garnichts sind. Der »gesunde Klasseninstinkt« des echten Proleten verliert auch nicht seine Vieldeutigkeit und Wandelbarkeit, wenn er kosmo-intuitiv daherkommt (Hasskarikaturen und Strohpuppen von »USrael«-Schweinen&Parasiten werden weltweit umhergetragen; das Palituch ist mittlerweile geradezu das kosmopopulistische Akzessoire geworden).

Die »Solidarität« der Klasse schlägt dann »mitunter« ebenso atombombenblitzschnell in die klassenlose Solidarität der Prolet-Arier um – von der neuen WM-Volksgemeinschaft aller Sportfreunde bis zur Intifada-Solidarität aller Vertriebenen und dem arischen Frontstaat aller Völker gegen den Imperialismus etc.

Die 28 Thesen sprechen von der geschichtlichen Katastrophe auch wieder nur relativierend, funktionalistisch. Platt vereinfachend, im simplifizierenden Erklärungskontext des »Vorhabens« seitens »des Sozialstaats« mit dem Ziel, die Arbeiterbewegung, das Proletariat in diesen »einzubinden«, zum Zweck der Konstruktion eines Volksstaats, »hinter dem« natürlich die Bourgeoisie steckte (These 5).Sie sprechen nicht vom historischen Resultat einer Arbeiterbewegung, die vor dem Antisemitismus versagt hat, dem NS zum Opfer fiel und dabei in der ungeheuren Mehrzahl beiden zur Mittäterin und Zuschauerin sich hergegeben hat, womit das gesamte communistische Projekt schliesslich zur Disposition gestellt wird. Wodurch die überkommene Vorstellung von der Klasse, ihrer Revolution, usw. in der Tat seit einem halben Jahrhundert hinfällig wurde. Aus dieser gebrochenen Geschichte-zur-Katastrophe hin nehmen die 28 Thesen stillschweigend zumindest die kommunistische Arbeiterbewegung, das revolutionär gesonnene Proletariat heraus; und sie nehmen »die kommunistischen Kritiker« wiederum aus der Klasse heraus.

Heimliche Dreifaltigkeit?

Das Kneifen der 28Thesen vor der Benennung der wirklich entscheidenden Aufgabe von kritischer Theorie und Praxis der neo-communistischen Elemente im neuen Weltproletariat: der Selbstorganisierung zur Klasse-des-Bewusstseins, wirkt sich regressiv auf alle weitertreibenden Kritikansätze aus. Gegen die Kritik 1.) des »radikalen« Regulationsreformismus der Staats- und Substaatslinken wie 2.) der theoriefeindlichen, wenngleich linksakademisch gesäugten begriffslos-bewegungslinken Post-Struk/Post-Op-Manageria. Mit diesem siamesischen Zwilling ideologischer Staatsapparate gehen die Thesen eine »insgeheime« Verbindung ein, so dass sie als Trilling erkennbar werden: Was den antitheoretischen Affekt betrifft und die auffällige Schmerzvermeidungshaltung, nicht dem tatsächlich eingetretenen Bruch der Arbeiterbewegungskontinuität ins Auge sehen zu können. Die Schmerzgrenze ist durch den Popanz von»den Antideutschen« markiert, die der um staatstragende Einheit ringenden Linken als projektive Fremdkörper, Spalter und Zersetzer im Dienste einer fremden Klassenmacht »alles kaputtmachen« wollen.

Der Standpunkt/Subjekt-Objekt

Was die 28 Thesen von jenen staatstragenden Linken und staatsgetragenen »Subversiven« unterscheidet, ist ihr Standpunkt-Denken – nicht aber die abstrakte »Kommunismus«-Vorstellung, welche die fällige weltgesellschaftliche Transformation konkret nicht zu denken und nicht zu diskutieren wünscht. Der leere Attentismus ist ihre Geschäftsgrundlage.

»Der kommunistische Standpunkt«, er »will« alles. Alles was tatsächlich nicht ein Ideal ist, sondern Resultat der wirklichen Bewegung, die den bestehenden Zustand aufhebt: Er will das Proletariat aufheben, das Geld überwinden, den Staat abschaffen usw. Der Standpunkt.

Er sieht nur »Menschen und ihr Werk«, Er »kritisiert« vor allem »den Kapitalismus« als »die totale Vergesellschaftung«! die man der »vollständigen Atomisierung« der armen Menschenmonaden dualistisch gegenüberstellt. Die gigantische Proletarisierung der Welt resultiert aber genau in einer überreif herausgebildeten weltgesellschaftlichen Gesamtarbeiterin, in ihrer freien und zugleich erzwungenen Association. Von Marxens wiederholtem Hinweis: »da haben wir den kapitalistischen Communismus! nie gehört.« Die Anklage des bösen kalten Kapitalismus ausgerechnet am Umschlagpunkt zum möglichen, mit Willen und Bewusstsein subjektiv zu schaffenden nicht mehr kapitalistischen Communismus, der auch kein »roher«, vorkapitalistischer oder nachholend-staatskapitalistischer mehr ist, weil er endlich bewusst die weltgeschichtliche Vergesellschaftung vollendet, verrät die Triebrichtung und Wunschlandschaft der gesamtlinken Seele, deren gefühlsbegründeten Standpunkt auch noch die neo-operaistischen KritikerInnen (einstweilen noch gegen den Staat) mit den postoperaistischen Kritisierten (längst Bestandteil des Staats) teilen: die bewegungslinke Vergemeinschaftungsideologie.

Er, »der kommunistische Standpunkt« nämlich, ist es, den die vermeintlich getrennt von der übergroßen Mehrheit der Proletarisierten sich glaubenden »kommunistischen Kritiker« mit der Linken (die in keiner der 28 Thesen kritisiert, überhaupt einmal als integraler Flügel der bürgerlichen Gesellschaft endlich communistisch-revolutionär zur Disposition gestellt wird) gemeinsam haben. Und mit der Klasse, deren geheimes Wissen sie beschwören: »Erfahrung«, praktisch-arbeiterischer Gefühlshaushalt, kosmoproletarischer Common Sense.

Soviel zum Standpunkt.

Die letzte Repräsentation

Der Kosmoprolet wird so zum spektukalären Bild, als nicht organisierte, nicht theoretisierte, als imaginierte Repräsentation dessen, was das Proletariat tun sollte: sich befähigen, »im richtigen Augenblick das Richtige zu tun«, »vor Ort das Richtige für das Ganze zu tun, aus Erkenntnis, nicht aufgrund von Weisungen eines allwissenden revolutionären Headquarters.«(These 28) Aus Erkenntnis eines die Gesamtkonstellation einigermaßen überschauenden communistischen Headquarters im Klassenkrieg?

Tatsächlich: ohne revolutionäre Organisation der Cosmo-Communist_innen, ohne Headquarter einer zur »Partei im großen, welthistorischen Sinne« (Marx) werdenden Weltgesellschaftsklasse der Proletarisierten im Weltbürgerkrieg für eine klassenlose Gesellschaft wird die Transformation nicht gelingen (vgl. Anfang der These 14). Es bleibt nur das Kriterium für revolutionäre Association, ob dieses Headquarter Teil und Kopf der Arbeiter_innenklasse selber ist, Übernahme des gesellschaftlichen General Intellect, nicht aber, ob es als Werk der Gesamtarbeiterin ebenso »hinfällig« wäre wie als getrennter Apparat einer Repräsentation, eines selbsternannten Teils, der über die Gesellschaft erhaben ist.

Das gegenwärtig gehypte Bild vom »Aktivisten/der Aktivistin« und das recycelte Bild vom Neo-Wobblie verstellt genau das, worauf es ankommt: die Selbstorgansierung aller communistoiden und diffus proletarisch-revolutionären Elemente zur theoretischen Praxis zum Zweck ihres Weitertreibens:

»Sobald diese Theorie ein wenig bekannt geworden ist – vorausgesetzt dies geschieht inmitten der Zusammenstöße, die den öffentlichen Frieden stören – und noch bevor sie genau verstanden wird, wird die überall latente Unzufriedenheit durch die bloße unbestimmte Existenz einer theoretischen Verurteilung der Ordnung der Dinge verstärkt und verschlimmert. Und danach können alle Proletarier zu Strategen werden, indem sie anfangen, mit Wut den Krieg der Freiheit zu führen.” (Guy Debord)

Vive la Commune

Es ist ein Unterschied zwischen einer informellen Hierarchie einerseits, die Spontaneismus, Politikabstinenz, Ökonomismus predigt und die substaatliche »Ausweitung der Kommunisierung« betreibt, und andererseits dem historisch unabgegoltenen, von der Klasse selbst praktisch-konkret neu zu erfindenden Strukturprinzip der Commune (Pariser Kommune 1871):

»Die Prinzipien der Commune … werden sich immer und immer wieder durchsetzen, bis die Arbeiterklasse befreit ist.« (MEW 17:637)

In einer Diskussion der Internationalen wurde Marx’ Fazit folgendermaßen protokolliert:

»Über die Commune habe es viele Missverständnisse gegeben. Sie könne [jedoch] zu keiner neuen Form der Klassenherrschaft führen. Wenn die bestehenden Verhältnisse der Unterdrückung durch die Übergabe der Produktionsmittel an die Arbeiter beseitigt würden, (…) werde auch die einzige Basis der Klassenherrschaft und der Unterdrückung beseitigt. Aber bevor eine solche Veränderung vollzogen werden könne, sei eine Diktatur des Proletariats notwendig, und ihre erste Voraussetzung sei eine Armee des Proletariats. Die arbeitenden Klassen müssten sich das Recht auf ihre Emanzipation auf dem Schlachtfeld erkämpfen. Aufgabe der Internationalen Arbeiter Association sei es, die Kräfte der Arbeiter für den kommenden Kampf zu organisieren und zu vereinen.« (MEW 17:437)

Vor dieser wissenschaftlich-communistischen Realistik werden auch noch die letzten Mohikaner des Voluntarismus – ob friedlich-schiedlich-staatsreformerischer Diskursmacht, ob heimlich-unterirdischer Piloten der Revolte – kopfscheu und weisen entschieden »den Zentralismus« des Parteibildungsprozesses des Proletariats, dessen unabdingbar antistaatlich-politische Übergangsformtätigkeit Marx nur ausgesprochen hat, empört zurück. Hier geht die Entrüstung übrigens durch sämtliche Segmente der Linken und Exlinken im allgemeinen »demokratischen Wunderglauben« (so Marx) gegen Theorie und Praxis des materialistisch-historischen Communismus, wie er von Marx über Benjamin bis zu den Situationist_innen unbeirrbar die revolutionäre Zerschlagung der Staatlichkeit im Ansatz als Commune-Paradigma immer wieder aktualisiert hat, wenn der Weltbürgerkrieg sich ins nächste Stadium zu verschärfen begann.

Der vollstreckbare Dialog minimal und maximal

In den neuen Zyklen der Krisen- und Katastrophenhaftigkeit der Produktionskonkurrenz für den Weltmarkt sind die Proletarisierten verloren, wenn sie »Kommunisierung” und Vernetzung zwar auf »eine Vorwegnahme der freien Menschheit” orientierter Assoziationen bloß als »Freiraum”-Bewegung, als Bewegung um der Bewegung willen missverstehen anstatt im situationistischen Sinne als »Stützpunkte”-Strategie. Für das Maximalprogramm einer weltweiten Commune-aus-Communen ist das Minimum proletarischer Selbstorganisierung gerade angesichts der sich abzeichnenden neuen Weltkonstellation konkret zu aktualisieren.

»In Erwägung, dass das einzige Ziel einer revolutionären Organisation die Abschaffung der vorhandenen Klassen auf einem Weg ist, der keine neue Teilung der Gesellschaft mit sich bringt, nennen wir jede Organisation revolutionär, die konsequent auf die internationale Verwirklichung der absoluten Macht der Arbeiterräte hinarbeitet, so, wie sie durch die Erfahrungen der proletarischen Revolutionen dieses Jahrhunderts skizziert worden ist.

Eine solche Organisation bietet eine einheitliche Kritik der Welt, oder sie ist nichts. Unter einheitlicher Kritik verstehen wir eine Kritik, die sich sowohl global gegen alle [Verhältnisse in den] geografischen Zonen richtet, in denen sich verschiedene Formen der sozio-ökonomischen getrennten Mächte etabliert haben, als auch global gegen alle Aspekte des [entfremdeten] Lebens.

Eine solche Organisation erkennt Beginn und Ende ihres Programms in der totalen Entkolonisierung des Alltagslebens; sie zielt also nicht ab auf die Selbstverwaltung der bestehenden Welt durch die Massen, sondern auf ihre ununterbrochene Umwandlung. Sie enthält die radikale Kritik der politischen Ökonomie sowie die Aufhebung [le dépassement] der Ware und der Lohnarbeit.

Eine solche Organisation lehnt jede Wiederherstellung der hierarchischen Verhältnisse der herrschenden Welt innerhalb ihrer selbst ab. Die einzige Grenzbedingung der Beteiligung an ihrer totalen Demokratie ist die Anerkennung und die Selbstaneignung der Kohärenz ihrer Kritik durch alle Mitglieder: diese Kohärenz muss einerseits in der kritischen Theorie im engeren Sinne und andererseits im Zusammenhang zwischen dieser Theorie und der praktischen Aktivität bestehen. Sie kritisiert radikal jede Ideologie als eine von den Ideen getrennte Macht und als Ideen der getrennten Macht. Sie ist also zugleich die Negation jedes Fortlebens der Religion sowie des gegenwärtigen gesellschaftlichen Spektakels, das von der Masseninformation zur Massenkultur jede Kommunikation zwischen den Menschen monopolisiert – und zwar über die einseitige und bloß passive Wahrnehmung der Bilder ihrer entfremdeten Tätigkeit. Sie löst jede ‚revolutionäre Ideologie’ auf, indem sie sie als die Signatur des Scheiterns des revolutionären Projekts aufdeckt, als das Privateigentum neuer Spezialisten der Macht und als den Betrug einer neuen Repräsentation, die sich über das proletarisierte wirkliche Leben erhebt.

Da die Kategorie der Totalität für die moderne revolutionäre Organisation der letzte Maßstab ist, ist diese schlussendlich eine Kritik der Politik. Schon in ihrem Sieg muss sie es ausdrücklich auf ihr eigenes Ende als getrennte Organisation absehen.«(Minimale Definition der revolutionären Organisationen
(Situationistische Internationale, Paris, Juli 1966. Veröffentlicht in: ‘internationale situationniste’ 11/Okt.1967)

In These 16 heißt es über »die konkrete Bedeutung« der Rätemachtnotwendigkeit: Ihr Werk sei »die Abschaffung der Warenproduktion und folglich des Proletariats«. Hier werden die Situationist_innen jedoch nur halbiert, verkürzt zitiert. Die ganze revolutionäre Übergangsperiode – keineswegs eine »Übergangsgesellschaft«, gar eine vorgeschaltete »sozialistische« vor der »kommunistischen«, wie sie Marx fälschend als Konstruktion unterstellt wird (These 14, vgl. dagegen klar MEW 19: S.18-21),bedarf noch anti-staatlicher, -politischer, -ökonomischer wie ästhetischer Sphärenumwälzungsformen, die eine communistische Produktion und Verteilung zum tatsächlichen Werk der gesellschaftlichen Gesamtarbeiterin selbst werden lassen in ihrer gesamten ungeheuren Mehrzahl. Es ist eine Umwälzungsaufgabe in sämtlichen überkommenen Sphären der Reproduktionstotalität, die im Weltmaßstab von den Situationisten schon sehr klar in den Blick gerückt worden ist: es handelt sich bei dieser Übergangsperiode im Massenmaßstab um »die Entscheidung, den Raum nach den Bedürfnissen der Macht der Arbeiterräte, der anti-staatlichen Diktatur des Proletariats, des vollstreckbaren Dialogs vollständig zu rekonstruieren. Und die Macht der Räte, die nur dann effektiv sein kann, wenn sie die Totalität der bestehenden Bedingungen verändert, wird sich, wenn sie anerkannt werden will und sich selbst in ihrer Welt wieder anerkennen will, keine geringere Aufgabe stellen können.« (Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. These 179)

Von dieser dem sozialen Inhalt nach revolutionären Klassendiktatur – der Form nach »der totalen Demokratie der Arbeiterräte« (Guy Debord), generalisierten Selbstverwaltung der Commune-aus-Communen (Marx, S.I.) zwecks Selbstaufhebung der Klassenherrschaft überhaupt, von der Form des Gemeinwesens »das schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr« sein darf und kann – von dieser materialistisch-anarchocommunistischen Effektivität dürfen die vom Proletariat »Getrennten« mit der Klasse nicht sprechen. Denn wirklich die Totalität der bestehenden Bedingungen formbestimmend zu verändern ist die Sache von Spontaneisten und Ökonomisten nicht. »Das alles ist Geschichte.«

Die Trennungen der Gesellschaft und zwischen den Menschen, deren Aufhebung sie zum Hauptmotiv und Ziel communistischer Revolution erklären und gegen die »totale Vergesellschaftung« der kapitalistischen Produktionsweise einklagen, hier werden sie als Trennung der heimlichen Avantgarde zunächst von der völlig »integrierten« Klasse oder dann wieder von »dem Proletariat, das für seine Selbstaufhebung bereits weltweit kämpft« (These 28, Schluss), wieder festgeklopft. Der Grund für diese Trennung als Dreh- und Angelpunkt alles weiteren Geschichtsverlaufs bleibt dunkel: irgendwann löse sich die - vom Proletariat getrennte – »historische Partei«, die selbstgeschaffene »Avantgarde« als »freie Assoziation, welche … schon in ihrem Bestehen eine Vorwegnahme der freien Menschheit ist«, »im klassenbewussten Proletariat« auf: nur, wo kommt das »dann« plötzlich her? Offenbar aus der Erziehungstätigkeit, Bewusstseinsvermittlung jener von ihm die ganze Zeit getrennt gebliebenen Avantgarde namens »eine freie Assoziation«. vielleicht eine gewaltfreie Art Angkar (so hiess Pol Pot’s anonyme »Die Organisation« 1975-79, die ebenfalls ihr insgeheimes Selbstverständnis als »Kommunistische Partei« erst sehr spät bekanntgab):»Was die über den Globus verstreuten Kommunistinnen und Kommunisten eint, ist nicht die Zugehörigkeit zu einer formalen Organisation, gar Weltpartei. Auch die kommunistische Selbstetikettierung der Einen oder des Anderen ist unwesentlich.« (These 28)

Man feiert also die irgendwie abstrakt »freie Assoziation«, egal ob sich selbst und einander die Mitglieder dieser Gemeinschaft nun communistische Kriterien setzen oder nicht, ob sie sich theoretischer Praxis befleissigen oder nicht – Hauptsache sie »nehmen eine freie Menschheit vorweg«, irgendwie. D.h.: als »Linke_r« ist mensch antinationalistisch, antirassistisch, antisexistisch, antikapitalistisch und so weiter, und vor allem »praktisch«, kompatibel für jede nette linke WG. Hierin ist die Disposition zur konformistischen Revolte bereits angelegt. Zur Scene muss erstarren, was sich - wie die gesamte Linke es seit jeher tut – als grundsätzlich und von vornherein etwas anderes als das Proletariat, zu dem ihre Angehörigen doch allemal zumeist gehören, definiert.

Indes soll eines Tages das von ihnen getrennte Proletariat eines sein, »das für seine Selbstaufhebung bereits weltweit kämpft«, und das wäre der Tag der Auflösung der historischen Partei in ihm. Bereits?! Wann wäre das, ohne den langen, weltbürgerkriegsartigen Weg einer Selbstorganisierung zur Klasse-des-Bewusstseins?

Der verschämte Voluntarismus revolutionärer Ideologie

Die Abgrenzung gegen »die falsche Alternative von leninistischer Selbstanmaßung und arbeitertümelnder Selbstverleugnung« wird subjektivistisch, sodass sie am kleinsten gemeinsamen Nenner beider, dem Voluntarismus, kleben bleibt. »Eben dieser ‚Voluntarismus’ ist das richtige Moment des Leninismus«, den sie gegen die von Marx schlicht festgestellte historische Notwendigkeit ins Feld führen, dass »es nicht darauf ankommt, was dieser oder jener Proletarier sich einstweilen vorstelle, sondern darauf, was das Proletariat historisch zu tun gezwungen sein werden.« (Marx-Paraphrase in These 25) Marx bezeichnet damit nicht mehr und nicht weniger als die »Notwendigkeit bei Strafe des Untergangs«, sich zur gesellschaftlich bewusst handelnden Klasse für den Communismus zu organisieren. Die Neuentdecker des Voluntarismus Lenins – im Zweifelsfall immer gerne gegen Marx – verfälschen dieses Postulat in einen angeblichen »deterministischen Geschichtsoptimismus« und bürden diese geschichtstheoretische und kategoriale Dummheit dem ungekannten Marx auf. Die Modalkategorie Notwendigkeit ist eine »Wenn… - dann…«-Notwendigkeit, das Gegenteil von Determinismus. Den guten Leninschen Voluntarismus aber wollen sie noch nichtmal mehr in Form und Klasseninhalt des demokratischen Zentralismus - wie ursprünglich in Lenin’s Konzeption vorgesehen - retten, erfahrungsgemäß droht der Zentralismus dann einfach nur informell.

Sie finden offenbar gerade das »geheime Bruderschaft«-Prinzip daran voluntaristisch brauchbar, vor welchem Marx in der Internationalen Arbeiter Association als vor dem Organisationsprinzip von »geheimen Gesellschaften« warnte, »die man im Gegenteil bekämpfen muss (…) weil diese Gesellschaften, statt die Arbeiter zu erziehen, sie autoritären und mystischen Gesetzen unterwerfen, die ihre Selbständigkeit behindern und ihr Bewusstsein in eine falsche Richtung lenken. Geheime Gesellschaften würden den Charakter der Internationalen Arbeiter Association verletzen; ihrer können sich die Karbonari bedienen; sie dienen nicht den Interessen der proletarischen Bewegung.« (Sept.1871, MEW 1/:655)

Da angeblich von Lenin’s »elitärer Parteikonzeption um seine Wahrheit gebracht«, so die antiautoritären VoluntaristInnen, erneuern sie kurzerhand den Voluntarismus des Machertums in Gestalt ihres mystischen Subjekts der Theorie, Organisation und Praxis der Revolution, wie gesagt: des »Standpunkts«, ex negativo: »Der moderne kommunistische Standpunkt ist keiner, der äusserlich an die Klasse herantritt (…)« Nach diesem Dementi der eigenen beklagten Trennung von der Klasse wird »der Standpunkt« positiv und zeigt was Er alles weiss und kann: »Er weiss vielmehr seinen subjektiven Beweggrund zum Kommunismus objektiv zu deuten, ihn rational und systematisch in seiner Gesellschaftlichkeit zu verstehen [Also: der Standpunkt weiss, versteht und erklärt Sich systematisch selbstreferenziell, da Sein Beweggrund nicht etwa objektiv-an-sich gesellschaftlich, sondern apriori subjektiv ist: Kant’s »Erkenntnisvermögen apriori«], eine Gesellschaftlichkeit allerdings, die Er vorerst nur in abstracto mit allen anderen Proletariern teilt und Dessen Wissen darum unwirklich bleibt.« Also die Unio mystica von Elite und Masse, Avantgarde und Klasse, »unsichtbaren Piloten« und »Volk« …: das Standpunkt-Wissen um »die kollektive Praxis des Klassenkampfes«, um das Pseudokonkrete, das ganz einfach der »diesseitige« Gegenstandpunkt zum »Jenseits eines abstrakten Citoyen-Standpunkts« sein soll.

Anstatt die Abstraktionen als vernünftige, verständige aus der gesellschaftlichen Praxis herauszuarbeiten als deren inneren Zusammenhang, um diesen dann durch Konkretionsarbeit zum Begreifen der Erscheinungsformen (konkrete Totalität) zu entwickeln, die wir im weitertreibenden Klassenkampf verändern können, wird hier die Abstraktion von vornherein als leere genommen, ein leerer Standpunkt, »dessen Wissen« unwirklich sei. Kantianisch wird die Kluft zwischen unmittelbarer empirischer Erfahrung, »Erkenntnisvermögen apriori« und unerkennbarem »Ding an sich« (gesellschaftliche konkrete Totalität) nicht überwunden, sondern bleibt in der Trennung zwischen »abstraktem theoretischem Standpunkt« und »konkreter Praxis des Klassenkampfes« hängen, es »bleibt die kommunistische Kritik auf sich selbst zurückgeworfen«, die sie nur durch »Intervention« von aussen, vom »Standpunkt« her, zu überbrücken versucht, um als Fremdkörper »innerhalb der Klasse Stellung zu beziehen«.

So ersetzt der Standpunkt-als-Kritiker die Menschen, denen die Ausbildung und Entwicklung der Kritik der Verhältnisse niemand abnehmen kann.

»In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, das ist Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen.« (2. Feuerbachthese) Menschen, Wahrheit und Denken haben die StandpunktvertreterInnen rausgekürzt. Diese antiontologische und damit antihistorische Operation rächt sich vor allem, wo es um das Denken der Ambivalenz der Klasse(n) geht, sowie darum, der Wahrheit einer gebrochenen, katastrophischen Geschichte des Menschen und des revolutionären Teils des Proletariats ins Gesicht zu sehen.

Dieser Text ist eine Spiegelung von theoriepraxislokal.org.

87 Kommentare zu “Dokumentation eines Papiers von »enfants perdus« zur Kritik der »28 Thesen zur Klassengesellschaft«”


  1. 1 Nachgefragt 25. Jan 2008 um 02:16

    «Begriffe selber bezeichnen gerade Verhältnisse, so dass begriffliche Erkenntnis deshalb nur offen sein kann.»

    Der Begriff «Baum» bezeichnet also ein Verhältnis?

    Das eigentlich Erstaunliche an diesem Text ist, dass er dort wo er explizit politisch wird, seine Banalität einem nahezu ins Gesicht schlägt und man sich fragt, ob der Schreiber alles falsch verstanden hat oder eben nur die betreffenden Stellen.

  2. 2 Nachgefragt 25. Jan 2008 um 02:57

    Um das auszuführen fehlen mir Zeit und Motivation, ich mache nur ungern den Lektoren für Stuttgarter Philosophie-Studenten und etwas anderes wäre eine «Kritik» an obigen Text käumlich. Deshalb müssen zwei Beispiele reichen:

    1. «»militante Untersuchung« in der Praxis.»
    Entweder hat der Autor keine Ahnung, was die Operaisten unter «militanten Untersuchungen» verstanden haben, oder aber er lügt sich die Thesen einfach zurecht. Es ist zwar nicht in den 28 Thesen, sehr wohl aber im Kosmoproleten folgende Passage - als Kritik auf die Praxis der militanten Untersuchungen - zu lesen: «Der Kommunismus lässt sich nicht durch Forschungsarbeit in einzelnen Betrieben aufdecken. Er wäre gerade die Bewegung, die die Schranken zwischen den verschiedenen Produktionsstätten niederreisst».

    2. «Der mystische »Erfahrungsgrund« einer Erkenntnis-insgeheim outet sich auch hier zuletzt als der Mythos von »der Aktion«, die wie eine gigantische Detonation den Verblendungszusammenhang der Klasse(n) auflösen soll.»
    Das ist nunmal Blödsinn, lässt sich doch in den Thesen nachlesen, dass eben keine Verallgemeinerung proletarischer Interessen den legendären Übergang zur «Klasse für sich» leisten könne, sondern nur «die Erkenntnis, keine [Klasse] mehr sein zu müssen» und entsprechend die Selbstaufhebung des Proletariats zu bewerkstelligen. Es ist unklar, warum der Autor eine Trennnung zwischen der sinnlichen Erfahrung und der Reflexion aufmacht und diese den «Freundinnen» unterjubelt. Dass er das tatsächlich macht, bestätigt er in seiner Behauptung, die «Freundinnen» würden damit (also mit dem was in Tat und Wahrheit nichts als eine Projektionsleistung des Autoren ist) kalten Kaffee der Operaisten aufwären, wo doch gerade die Kritik an der Verdrängung des Begriffs des «Klassenbewusstseins» durch die «Arbeitermacht» in der selben Zeitschrift zu finden ist.

    Es liessen sich noch unzählige schlichte Fehlleistungen und Projektionen des Autoren aufzählen. Ich will es mal bei diesen beiden belassen. Tatsächlich gibt es auch wenige Stellen wo von einem inhaltlichen Dissens gesprochen werden kann, der einer treffenden Kritik nahe kommt Dies namentlich bei der Beurteilung der Vorbedingungen der Konstitution der Klasse «an sich». Darüber kann auf der Grundlage des Textes leider nicht diskutiert werden, da die Fehler und böswilligen(?) Unterstellungen den Kern diese Kritik schlicht überdecken.

  3. 3 susanne 25. Jan 2008 um 16:51

    An dieser „Kritik“ trifft wirklich gar nichts. Der Versuch, ausgerechnet den „28 Thesen“ – die von anderer Seite natürlich wegen ihres Festhaltens an der Kategorie des Klassenbewusstseins als idealistisch, kritische Kritik etc. pp. abgewatscht wurden – irgendwie theoriefeindlich-bodenständige Arbeitertümelei anzudichten, ist schlichtweg lächerlich. Einen Anschein von Plausibilität kann sich dieses Unterfangen nur durch Fälschungen und Verdrehungen erschleichen. Dazu nur eines von zahllosen möglichen Beispielen:

    Die „Enfants“ behaupten:

    „Die 28 Thesen sprechen von der geschichtlichen Katastrophe [gemeint ist der Nationalsozialismus] auch wieder nur relativierend, funktionalistisch. Platt vereinfachend, im simplifizierenden Erklärungskontext des »Vorhabens« seitens »des Sozialstaats« mit dem Ziel, die Arbeiterbewegung, das Proletariat in diesen »einzubinden«, zum Zweck der Konstruktion eines Volksstaats, »hinter dem« natürlich die Bourgeoisie steckte (These 5).Sie sprechen nicht vom historischen Resultat einer Arbeiterbewegung, die vor dem Antisemitismus versagt hat, dem NS zum Opfer fiel und dabei in der ungeheuren Mehrzahl beiden zur Mittäterin und Zuschauerin sich hergegeben hat, womit das gesamte communistische Projekt schliesslich zur Disposition gestellt wird.“

    In den Thesen heißt es jedoch:

    „Hinter der irrwitzigen ideologischen Konstruktion, ‚der Jude’ habe als Bolschewist die deutschen Arbeiter aufgehetzt, um als Börsianer über die nationale Wirtschaft zu triumphieren, steht jedoch keine blanke Diktatur des Kapitals über die deutsche Arbeiterklasse als vielmehr das Vorhaben, diese in einen völkischen Sozialstaat einzubinden. So unstrittig es ist, dass sich die Gewalt des faschistischen Staates zunächst gegen die Arbeiterbewegung richtete, so unzweifelhaft ist es doch auch, dass er seine Massenbasis auf die Arbeiterklasse ausdehnen konnte. Als rassistisch privilegierte Aufseher über Millionen Zwangsarbeiter, als Fußtruppen des deutschen Vernichtungskriegs, als Nutznießer der ‚Arisierungen’ gingen erhebliche Teile des deutschen Proletariats in der Volksgemeinschaft auf, die sich folglich aus der Sicht ihrer Opfer nicht als Propagandalüge darstellte, sondern als die Hölle auf Erden.“

    Weiter ist vom „Versagen der Arbeiterbewegung“ die Rede und davon, dass die Volksgemeinschaft deren „Volksstaatsgedanken in mehr als einer Hinsicht zum Verwechseln ähnlich sah — weshalb die Anbiederung der Gewerkschaften an die neuen Machthaber auch keineswegs ein Ausrutscher korrumpierter Führer war. Ihre Begeisterung für den ‚Kriegssozialismus’ von 1914 war es, für staatliche Wirtschaftslenkung,
    Arbeitsdienst und nationale Einheit, was sich nun gegen sie selbst richtete“.

    Die vermeintliche Kritik an den „28 Thesen“ muss Gründe haben, die jenseits des vorgeblich verhandelten Gegenstands liegen; oder die „Enfants“ haben nicht gelesen, worüber sie sich mit prätentiösem Begriffspomp hermachen. Peinlich, peinlich.

  4. 4 kati 28. Jan 2008 um 18:58

    Kendra Briken, Sonja Buckel, Dietmar Flucke, John Kannankulam und Jens Wissel haben unter dem Titel “Kapitalismus ist nicht Kapitalismus – ist nicht Kapitalismus – ist nicht Kapitalismus
    7 Thesen zum Kongress »Ums Ganze – No Way out«” ebenfalls eine Kritik/Ergänzung zu den 28 Thesen verfasst, nachzulesen hier:

    http://www.links-netz.de/K_texte/K_briken_ugkongress.html

    oder zusammengefasst hier:

    http://schattenkontrastieren.blogspot.com/2008/01/kapitalismus-ist-nicht-kapitalismus-ist.html

    nur so, als ergänzung.

    ach ja, nachgefragt, das mit dem baum ist ja ganz großes kino: was für einen schönen begriff-begriff und verhältnis-begriff du hast. lies mal nochmal in ruhe durch und beherzige das alte motto aus dem komfor: denken, schreiben, lesen, denken, posten.

  5. 5 Nachgefragt 29. Jan 2008 um 01:51

    «was für einen schönen begriff-begriff und verhältnis-begriff du hast.»

    Erklärs mir doch einfach.
    Ich habe mich bisher kaum mit Begriff-Begriff-Brot-Begriff und dergleichen befasst.

    Der Onkel Verfasser schreibt ja:
    «Begriffe selber bezeichnen gerade Verhältnisse, so dass begriffliche Erkenntnis deshalb nur offen sein kann.»

    Also nix von «Verhältnis-Begriff» und «Begriff-Begriff».
    Aber erklär’s mir doch einfach, wenn du da durchblickst.

  6. 6 kati 29. Jan 2008 um 09:50

    ich mache nur ungern die lehrerin für dummschwätzer, etwas anderes wäre wohl eine vermittlung in dieser sache nicht.

    wenn du dich bisher kaum mit dem von dir “kritisierten” sachverhalt beschäftigt hast, wieso reißt du dann dein maul so [”peinlich”] auf? und du hast ja sowieso keine zeit, von motivation ganz zu schweigen, dewegen wäre das wohl auch vergebene liebesmüh dir da irgendwas näher zu bringen. frag doch mal deinen ortsansäßigen philosophie-professor, evtl. kann der dir ja weiterhelfen ;-) (mir konnte er es nicht, seine doktorant_in aber schon)

    knickknack-kati

  7. 7 Randnotiz aus FFM 29. Jan 2008 um 17:58

    Kurz zu Narodniks Kommentar, der ja bekanntlich auf seiner Seite ein rigides Zensursystem errichtet hat:

    Sätze von den entfants perdus wie: “Das Frage ist keineswegs die diffuse »Ablehnung des Kapitalismus«, des »Neoliberalismus«, »der Globalisierung« etc. durch alle möglichen Kapitalismuskritikerinnen von Müntefering bis Sloterdijk oder eben des »Kleinen Mannes« mit dem Palituch um den Hals.” müssen dutschkistisch-kurzianische Volkstümler wie Naronik schwer treffen, hat er doch innerhalb der letzten Monate nichts anderes produziert, als Elogen auf das populärste, kleinkarierte Kleidungsstück der zugehörigen Linken, das seit neuestem nicht nur von Hamas/Hizbullah etc., sondern auch von H&M bis “Bravo” gehypt wird. Getrost sollte man ihn nun also seiner selbstgewählten Idiotie des Landlebens und Fortführung seiner “anti”-”anti”deutschen Journaille für Volksaufklärung überlassen. Im “Kurzen Lehrgang” hieß es ja schon:

    “Helden, hervorragende Persönlichkeiten, können in die Lage von lächerlichen Pechvögeln geraten, die niemand braucht, wenn sie es nicht vermögen, die Entwicklungsbedingungen der Gesellschaft richtig zu verstehen, und wenn sie beginnen, sich den historischen Bedürfnissen der Gesellschaft entgegenzustemmen, da sie sich „Gestalter“ der Geschichte wähnen.

    Zur Kategorie gerade solcher Pechvögel, solcher trauriger Helden, gehörten die Volkstümler.” :)

  8. 8 Nachgefragt 29. Jan 2008 um 19:22

    Kati:
    Ich habe den Sachverhalt(?) nicht kritisiert, sondern lediglich nachgefragt. Anscheinend scheint das aber in deinen Kreisen, wo man halt locker mal den Professor fragen kann - tut mir leid, ich hab noch nie einen Vorlesungssaal von innen gesehen - bereits ehrrührig zu sein. Meine Kritik bezieht sich auf andere - ganz offensichtlich falsche - Stellen im Text.

    PS: Dass dein Professor einen geschlechtsneutralen Doktoranden hat, das finde ich sehr interessant. Kannst du mir mal dessen Telefonnummer vermitteln? Wenn du sonst schon nichts vermitteln kannst? Danke im Voraus.

  9. 9 M.o.P 29. Jan 2008 um 19:52

    Obwohl sie doch unter aller Kritik sind, so konnte es als strategische Intervention beim »Um’s-Ganze«-Spektakel noch durchaus als sinnvoll erscheinen, die 28 Thesen der Klassenfreund_innen einer Kritik zu unterziehen. Doch spätestens hier und dort zeigt sich, dass die damit verbundene Würdigung jener Thesen, , ein weiteres Weltanschauungsspektakel erzeugt.
    Es geht der »Kritik« nicht darum geliebt zu werden, sondern sie möchte widerlegt werden. Das wissen wohl auch die »enfants perdus«, so ist zu vermuten, zeigt doch ihr Text, dass sie das »Handwerkszeug« der »Kritik« zumindest im Modus der »Arbeit des Begriffs« beherrschen und des Weiteren, dass mensch für eine treffende und begrifflich genaue Kritik weder Philosophie studiert haben, noch aus Stuttgart kommen muss :-) .
    Dagegen äußert sich in den Kommentaren von »Nachgefragt« und »Susanne«, dass jene Thesen eben nicht kritisiert, sondern geliebt werden sollen. Werden sie das nicht, dann muss dies als Kränkung empfunden werden – und genau so fielen dann auch die Reaktionen aus. Damit zeigt sich deutlich die weltanschaulich religioide Funktion der 28 Thesen: Ähnlich wie das »Um’s-Ganze«-Spektakel bedienen sie das Bedürfnis einer neuen linken Sammelbewegung in der mensch sich so richtig heimelig fühlen darf; sie sind ein funktionaler Baustein, um an einer neuen linken Identitätsideologie zu basteln, wie auch schon die völlig unkritische und widerlich schleimig lobhudelnde Rezension des »Kosmoprolet« von zwei AdKlern ungewollt deutlich machte.
    In ihren Abwehrreaktionen versuchen »Nachgefragt« und »Susanne« die Kritik der »enfants perdus« zu blamieren, aber sie blamieren sich mit ihren trotzigen Äußerungen selbst, so wie sich auch jene Rezensenten des »Kosmoprolets« blamiert haben. (Das Schmankerl der Blamage des unbegriffenen Begriffs bei »Nachgefragt« heb ich mir für den Schluss auf.)
    Beispielhaft ist »Susannes« herumgepisse um den Themenkomplex des Antisemitismus und sie führt damit die Tradition der 28 Thesen fort. »Susanne« spart in ihrem defensiven Zitat gleich wieder die gemeinte Katastrophe, nämlich die Shoah, aus und überdeckt die Thematik »Antisemitismus« mit der Themenverschiebung hin zum Nationalsozialismus; sie historisiert also wiederum relativierend. Vor allem jedoch zeigt sie abermals selber am eigenen verteidigten Zitat, wie dieses den Antisemitismus funktionalisiert und analytisch eben doch loslöst von den Proletarisierten, aus der er wesentlich entspringt. Genau das aber war ein wesentlicher Kritikpunkt der »enfants perdus« an den 28 Thesen. (Kleine Anekdote am Rande: in einem Workshop in Berlin haben die Klassenfreund_innen doch tatsächlich behauptet, dass die Behauptung eines Zivilisationsbruchs mit Auschwitz und die Singularität der Shoah nicht stichhaltig seien, da doch schon im Ersten Weltkrieg Proletarier andere Proletarier_innen ermordet hätten. D.h. die 28 Thesen sind nur eine weitere Fortsetzung jenes Unsinns.) Zumindest die AdKler hätten dieses Verdecken der Antisemitismusproblematik in ihrer Rezension bemerken müssen, wussten sie es doch schon mal besser. Das kann entweder bedeuten, dass sie inzwischen hinter das von ihnen schon mal Gewusste zurückgefallen sind, dement geworden sind oder, dass sie zusammen mit den Klassenfreund_innen in den linken Heimathafen, der gerade gebaut werden soll, hineinfahren möchten.

    Zum Schluss das kleine Schmankerl zur »Frage« von »Nachgefragt«: »Der Begriff ›Baum‹ bezeichnet also ein Verhältnis?«
    Nehmen wir mal an, er würde kein Verhältnis bezeichnen, dann gäbe es keinen Unterschied zwischen dem Bezeichnenden und dem Bezeichneten. Auch wären alle Gegenstände, Sachverhalte, Personen im Begriff »Baum« enthalten. Alles wäre »Baum« und »Baum« wäre Alles, d.h. Alles mit Allem identisch und der Titel dafür wäre »Baum«. »Baum« wäre dann ein gleichermaßen schwachsinniger »Pseudo«-Begriff« wie z.B. der pantheistische »Gott«. Ob Felix Baum sich freuen würde, ob soviel Göttlichkeit seines Namens? Wer weiß?
    Selbstverständlich bezeichnet der Begriff »Baum« ein Verhältnis und sogar ein Verhältnis mehrerer Verhältnisse: Zunächst das Verhältnis der Bezeichnung »Baum« zu einem als »Baum« identifizierten Gegenstand (auch wenn jener nicht unmittelbar vor unserer Nase stehen muss). Dieser Gegenstand wiederum, muss sich durch gewisse Eigenschaften auszeichnen, die er mit anderen Gegenständen wesentlich gemeinsam hat, die ebenfalls als »Baum« zu bezeichnen sind. Damit steht »Baum« als ein Begriff zur Verfügung, der des Weiteren in einem Verhältnis steht zu Begriffen, die nicht als »Baum« zu identifizieren sind etc. Man sieht dann leicht, dass selbst in Bezug auf Begriffe, die doch dem Alltagsverstand »klar« sein müssen, Gegenstände auftauchen können, bei denen es nicht so »klar« ist, ob sie z.B. mit »Baum« bezeichnet werden können, weshalb man dann doch in solchen Fällen lieber eine Botaniker_in fragen sollte. Aber gerade im botanischen Bereich zeigt sich doch, dass Begriffe »offen« sind: so wird dort z.B. immer mal wieder gestritten, ob denn der »Schleimpilz« der Gattung »Pilz« oder doch der Gattung »Tier« zugehörig sei. Ich bin zwar kein Botaniker, kann mir aber durchaus vorstellen, dass es analoge Probleme auch in der Grauzone zwischen »Baum« und »Strauch« gibt.
    Warum sollen dann Begriffe, die viel weniger »klar« sind, wie »Baum« und die auch noch historisch-gesellschaftlichen Entwicklungen unterliegen, wie der Begriff »Proletariat« nicht »offen« sein? Aber weltanschauungslinke Freund_innen wollen sich lieber nicht begrifflich streiten, könnte doch ihr »Glaube« und die anheimelnde Freundschaft zur Disposition stehen.

  10. 10 Nachgefragt 29. Jan 2008 um 22:57

    Ist es tatsächlich blamabel, wenn man nicht die bildungsbürgerlichen Standarts drauf hat und dementsprechend nachfragt? In dieser Sache habe ich tatsächlich einfach nachgefragt und nichts weiter.

    Zum Rest:
    Du schaffst es tatsächlich einen so langen Beitrag zu schreiben und mit keinem(!) Wort auf die Vorwürfe bezüglich des fehlerhaften Inhalts der «Kritik» einzugehen. Du schwadronierst lediglich in der altbekannten Art des kritischen Kritikers vom «linken Heimathafen», der unbedingten «liebe» zu den Thesen und kommst dir dabei wahrscheinlich noch besonders originell vor. Was soll man denn dazu noch sagen? Das Feld ist abgesteckt, in Frankfurt und Stuttgart ist die Nestwärme mancherorts nicht zu verachten und meine Kritik (man höre und staune) an den 28 Thesen hat hier nichts verloren.

  11. 11 kati 30. Jan 2008 um 10:51

    lieber nachgefragt,

    jetzt hast du die m.o.p. gerade kennengelernt (und er hat dir das problem - im gegensatz zu mir - sogar dargelegt) und dann bleibt als reaktion nichts übrig als als dümmster antiintellektualismus, der sich nicht mal die mühe macht sich als antiakademismus zu tarnen (wie ich das immer mache).

    es ist im übrigen nicht mein professor (der personell haltlose studenten-vorwurf kam von dir), wie an anderer stelle angeführt nenne ich kein abiturzeugnis mein eigen. was mich nicht davon abhält gesellschaftskritik mehr als wissenschaft denn als folkloreveranstaltung zu betreiben.
    auch wenn es mir da nicht gefällt, ich dort nicht zu suchen habe und stets wenig nutzen davon hatte: ich habe, sogar wiederholt schon, universitäten von innen gesehen.

  12. 12 nachgefragt 30. Jan 2008 um 13:33

    Dann schreib halt nicht:

    “frag doch mal deinen ortsansäßigen philosophie-professor, evtl. kann der dir ja weiterhelfen (mir konnte er es nicht, seine doktorant_in aber schon)”

    Kannst du nebst dem Vorwurf des Antiintellektualismus nicht auch gleich noch den Antisemiten auspacken, oder wenigstens ein bisschen Holocaust-Relativierung? Dann hätten wir das gleich.

  13. 13 kati 30. Jan 2008 um 13:57

    antisemitismusvorwürfe sind nicht mein fachgebiet, funkenmariechen übernehmen sie!

  14. 14 M.o.P 31. Jan 2008 um 13:31

    @nachgefragt:
    du hast bzgl. meines Kommentars geschrieben: “Du schaffst es tatsächlich einen so langen Beitrag zu schreiben und mit keinem(!) Wort auf die Vorwürfe bezüglich des fehlerhaften Inhalts der «Kritik» einzugehen.”

    Ich halte die Kritik der “enfants perdus” eben nicht für fehlerhaft, sondern für plausibel und nachvollziehbar. Aus deinen und Susannes Ausführungen erschließt sich mir nicht, was denn “fehlerhaft” bei ihnen sein soll. Gerade an Susannes Kommentar hab ich herausgearbeitet, dass sie das Wesentliche der Kritik verdeckt, indem sie bei dem von ihr Zitiertem die Thematik von der Besonderheit der Shoah weg, hin zum Allgemeineren, dem NS, verschiebt.

    Bei deinen Ausführungen wird mir noch viel weniger klar, an welchem begrifflichen Maßstab oder an welchen rekonstruierten Sachverhalten du die angebliche “Fehlerhaftigkeit” bemisst. Das was du benennst, z.B. irgendwelche “Trennungen” die den Klassenfreund_innen “untergeschoben” würden, kann ich nicht nachvollziehen und es erscheint mir ebenso, wie das restliche Zeugs von Susanne, als “Blendgranate”, um die 28 Thesen vor Kritik zu schützen.
    Gerade da, wo Zitat gegen Zitat gesetzt wird, zeigt sich das Ablenkungsmanöver. Denn ein anderer wesentlicher Kritikpunkt der “enfants perdus” bestand ja gerade darin, die Inkohärenz der 28 Thesen aufzuzeigen. Es nützt also nichts Zitate zu finden, die das Gegenteil des Zitierten aussagen, denn das bestätigt doch jenen Kritikpunkt.

    Insgesamt handelt es sich bei euren Kommentaren m.E. also um übliche Abwehrstrategien, auf die ich deshalb kaum “inhaltlich” eingegangen bin, weil sie eben so durchsichtig sind. Und warum solche “Blendgranaten” geworfen werden, was ihre Funktion im Zusammenhang der linken Gemeindebildung ist, gerade darüber ist es doch wichtig nachzudenken, oder?

  15. 15 Nachgefragt 1. Feb 2008 um 02:57

    Ich diskutiere nicht darüber, wer hier mit wem eine «linke Gemeindebildung» betreibt und welcher Motivation dein Einsatz für den Text der «enfants perdue» geschuldet ist. Mit Nachdenken hat das nämlich sehr wenig, mit Spekulation und Projektion dafür um so mehr zu schaffen. Du hast ja deine «Urteile» hinsichtlich meiner Person* ohnehin gefällt, sonst würdest du nicht von «Blendgranaten» und «Abwehrstrategien» sprechen. Erstere werden schliesslich absichtlich geworfen um den anzugreifenden Feind(!) zu verwirren und zweitere sind strategische - und eben nicht inhaltliche - Überlegungen zur Defensive. Was soll ich da zu deinen «Gedanken» noch beitragen? Meine Einwände hättest du ohnehin im nu abgebügelt und wärst dir dabei wahrscheinlich auch noch sicher, in der Sache recht zu haben. Dein Gesprächsangebot zur «Funktion» der Thesen «im Zusammenhang der linken Gemeindebildung» kannst du also auch einfach stecken lassen und stattdessen noch ein bisschen mit den «enfants» kuscheln - wenn dir denn danach ist.

    Susannes Einwand hat ein Zitat aus dem Text zum Gegenstand, bei welchem nicht klar ersichtlich wird, ob es sich konkret auf die Shoa bezieht oder ob es um die «Hypostasierung der Krise» durch die Nazis ging, welche die kommunistischen Illusionen von der Einbahnstrasse zum Kommunismus zunichte gemacht haben. Plausibler ist meines Erachtens, dies so zu lesen, dass mit der «geschichtlichen Katastrophe» an der Stelle zweiteres gemeint ist und dabei würde das von Susanne aus den «Thesen» zitierte durchaus passen. Aber auch falls(!) das nicht so ist, dann müsstest du doch nachweisen, wieso aus ihrer Fehlinterpretation das Durchstreichen des Wesentlichen(!) der Kritik resultieren soll. Und fass das jetzt nicht als rhetorischen Kniff auf, führ das doch mal aus.
    - Es gibt in den Thesen übrigens auch einen Abschnitt der sich auf den Holocaust bezieht. Ich halte den allerdings für unzureichend… aber darüber wollen wir ein andermal sprechen.

    Ich unterstell den «enfants» keine unbestimmten Trennungen! Das zeigt einfach mal wieder deine ans Denunziatorische grenzende Diskussionsmethode. Ich habe ganz konkret erklärt, wo sie etwas auseinanderreissen, was so nicht auseinanderzureissen ist. Sie unterstellen den FdkG, dass diese von einer «Aktion» erwarten, dass sie «wie eine gigantische Detonation den Verblendungszusammenhang der Klasse(n) auflösen soll». Da reissen sie halt praktische Betätigung (im Arbeitskampf) und die Reflexion auseinander, ganz so als hätten die FdkG von einer blind sich durchsetzenden «Aufklärung der Praxis» gesprochen.

    Dass du auf meinen Einwand nicht eingegangen bist, dass die «enfants» den FdkG fälschlich die Praxis der «militanten Untersuchungen» unterjubeln, lässt darauf schliessen, dass du wenigstens da mit mir einig gehst. Richtig? Davon ist in den Thesen schlicht nichts zu lesen. Man mag es halt den Leuten offensichtlich nicht nachsehen, dass sie vom Operaismus die richtigen Momente retten wollen. Die Frage des Wieso würde wiederum in die Abgründe der Spekulation führen; Ich vermute einfach mal frecht, dass es was damit zu tun hat, dass man sich die politischen Schlüsse aus der «reellen Subsumation der Arbeit unter das Kapital» nicht durch die italienischen 70er und deren theoretischen Ausdruck madig machen lassen will.

    Ich bin ganz konkret auf deine Einwände eingegangen. Falls du was dazu zu sagen hast, dann mach es halt oder trag einen Einwand gegen die Thesen vor! Aber: Deine «Kritik» von wegen der Inkohärenz ist doch eine Nebelgranate erster Güte (die dir vielleicht unabsichtlich aus der Tasche gefallen ist). Denn die Konsequenz daraus ist doch, dass ich noch jeden konkreten Einwand widerlegen könnte und es dem Dialektiker vor dem Herren dennoch ein leichtes wäre über fehlende Kohärenz die Thesen zu verwerfen. Lass doch mal hören, worin die Inkohärenz genau besteht! Es gibt einige Stellen, die sich widersprechen aber das macht das ganze noch lange nicht inkohärent. Über die Widersprüche und unzureichenden Charakterisierungen in den «Thesen» können wir gerne mal sprechen, aber nicht auf grundlage des Textes der «enfants» - das macht schlicht keinen Sinn. Und darum habe ich meinen ersten Einwand auch formuliert: Eine Diskussion der Thesen halte ich für fruchtbar, aber der obige Text ist voll von Fehlern und Unterstellungen und darum unbrauchbar als Grundlage.

    *Ich habe keine Ahnung, wer sich hinter dem Pseudonym Susanne verbergen könnte und ich bin auch nicht aus Berlin, by the way.

  16. 16 M.o.P 1. Feb 2008 um 10:06

    @Nachgefragt: mit Selbstreflexion scheinst du es nicht gerade zu haben.
    Und bitte lies genauer…

  17. 17 Nachgefragt 1. Feb 2008 um 14:19

    Die Antwort erstaunt mich jetzt doch ein wenig.
    Oder doch nicht.

  18. 18 si tacuisses... 2. Feb 2008 um 22:53

    zunnächst einmal zu m.o.p.’s notorischem benennen der freundinnen und freunde der klassenlosen gesellschaft als klassenfreund_innen, ein zitat aus den thesen: “Klassenbewusstsein bestünde nicht in der Erkenntnis, eine Klasse zu sein, sondern darin, keine mehr sein zu müssen, die Revolution nicht im Sieg der Lohnarbeiter über die Bourgeoisie, sondern in der Selbstaufhebung des Proletariats.”
    wiederholt wird in den thesen gegen eine fetischisierung des proletariats als deus ex macchina der geschichte geschrieben. bei mop allerdings, für den begriffe ja offen sind, gilt dies nicht fürs proletariat. dieses im munde zu führen ist ihm das schibboleth, an dem zu erkennen, wen man ohne ansehung weiterer gründe niedermachen darf.
    “Gerade an Susannes Kommentar hab ich herausgearbeitet, dass sie das Wesentliche der Kritik verdeckt, indem sie bei dem von ihr Zitiertem die Thematik von der Besonderheit der Shoah weg, hin zum Allgemeineren, dem NS, verschiebt” schreibt er, der die arbeit des begriffs an enfant perdu zu loben weiss (bei der es sich aber offensichtlich um den üblichen akademischen bluff handelt), um sogleich im übernächsten absatz zu schreiben: “Insgesamt handelt es sich bei euren Kommentaren m.E. also um übliche Abwehrstrategien, auf die ich deshalb kaum “inhaltlich” eingegangen bin, weil sie eben so durchsichtig sind.” wobei dieses “kaum” eines der in der deutschen sprache üblichen tönungspartikel darstellt, um auf höfliche weise “gar nicht” zu sagen. denn herausgearbeitet ist da gar nichts. es wird nur behauptet. und wer diesen behauptungen nicht folgen mag, der leidet eben an einem erheblichen mangel an selbstreflexion, der will nur abwehren und dergleichen. “stimm mir zu oder du bist blöd!” es wird an keiner stelle vom mop anhand des von ihm “kritisierten” argumentiert, seine texte könnten auch ganz ohne diese auskommen und es wird auch noch klar gesagt, dass er gar kein interesse daran hat, darauf überhaupt einzugehen. beispielhaft für dieses willentliche aneinander-vorbei-reden mag diese stelle sein: nachgefragt bemerkt: “Du schaffst es tatsächlich einen so langen Beitrag zu schreiben und mit keinem(!) Wort auf die Vorwürfe bezüglich des fehlerhaften Inhalts der «Kritik» einzugehen…” und mop antwortet darauf: “Ich halte die Kritik der “enfants perdus” eben nicht für fehlerhaft, sondern für plausibel und nachvollziehbar. Aus deinen und Susannes Ausführungen erschließt sich mir nicht, was denn “fehlerhaft” bei ihnen sein soll.” die bitte war doch eindeutig, auf die vorwürfe einzugehen, die enfant perdu fehlerhaftigkeit bemerkten, also um eine bitte um argumentation anhand der vorwürfe. aber mop liegt mehr am bloßen meinen und dafürhalten. so gilt dann ein trockenes versichern gegen das andere. allerdings, mit arbeit am begriff, argumentation geschweigen denn kritik hat dies dann nicht im geringsten mehr etwas zu tun. und dann anderen dümmsten antiintellektualismus unterstellen… aber das war ja kati, nicht mop, egal, geist vom gleichen geiste…).
    wo wir uns schon mit formalien aufhalten; @offener begriff: quant à moi, begriffe zeichnen sich durch ihre bestimmtheit aus, was allerdings nicht heisst, sie ein für allemal in ihrem so sein festzustellen, da sie ihre innere bestimmtheit nur als moment der totalität in die sie eingelassen, erhalten. die angst, etwas durch bestimmung festzuhalten, als angst vor dem dogmatismus, äußert sich hier sodann als angst vor der erkenntnis selbst, die sich eben nicht der mühe der arbeit des begriffs unterziehen will, und vielmehr auf der eben der reinen verstandesbegriffe verharrt, wo tatsächlich für jedes a ein nicht a, als b, c, d, etc. gegeben ist, und stets die äußere beziehung eines gegenstandes, seine relationalität, das wesentliche ist (sprich offenheit). nie wird so zur negativen einheit, oder besser zur einheit mit seiner negativität vorgedrungen. und diese faulheit wird einem dann als “kritischer” dernier cri verkauft. (übrigens ist die totalität als keine fix und fertige sich vorzustellen, aber dies nur vorbeugend gesagt, man weiß ja nie…)
    wenn aber alle begriffe offen sind, also von vorneherein relational, i.e. - wenn man so will - relativierend, wie stets dann mit dem der shoa? honi soit que mal y pense.

  19. 19 M.o.P 3. Feb 2008 um 01:51

    @si tacuisses:
    das muss aber eine lustige Droge sein, die alles so in sich verkehren lässt…
    Du schreibst: »die bitte war doch eindeutig, auf die vorwürfe einzugehen, die enfant perdu fehlerhaftigkeit bemerkten, also um eine bitte um argumentation anhand der vorwürfe.« (si tacuisses)
    Wie sollte ich »Argumente« dafür angeben, dass die Vorwürfe für mich nicht nachvollziehbar sind? Dazu müsste ich doch schon wissen, worin die Vorwürfe denn genau bestehen. Ich müsste also eine Begründung übernehmen, für eine Behauptung (nämlich die Fehlerhaftigkeit), die ich aber gar nicht nachvollziehen kann.
    Die Begründungslast für eine »Fehlerhaftigkeit« liegt bei »Nachgefragt«. Der aber hat schon in seinem Auftaktkommentar, wo er eine angebliche »Fehlerhaftigkeit« behauptet hat, zu verstehen gegeben, dass er gar keine Lust hat zu begründen. Zur Erinnerung: »Um das auszuführen fehlen mir Zeit und Motivation…« (Nachgefragt) und »Darüber kann auf der Grundlage des Textes leider nicht diskutiert werden…« (Nachgefragt).
    Genau umgekehrt verhält es sich mit der von mir aufgezeigten Themenverschiebung, die Susanne vornimmt: ich habe den genauen Topos angegeben, an dem sie auftritt, nämlich der Verschiebung von der Katastrophe (Shoah hebr., Katastrophe) hin zum NS, die Susanne an jenem Zitat vornimmt. Dies ist aber keine Behauptung, sondern ein Nachweis.

    Apropos fehlender Argumente (kleine Auswahl):
    - »bei mop allerdings, für den begriffe ja offen sind, gilt dies nicht fürs proletariat.« (si tacuisses)
    - bzgl. der Arbeit des Begriffs bei den enfants perdus: »bei der es sich aber offensichtlich um den üblichen akademischen bluff handelt« (si tacuisses).

  20. 20 Nachgefragt 3. Feb 2008 um 02:13

    Ich habe exemplarisch* zwei konkrete Fehler aus der «Kritik» der «enfants» ausgeführt und sie - nachdem du sie nach eigenem Bekunden nicht verstanden hattest - nochmals ausführlich erklärt. Du aber behauptest einfach, ich hätte «nichts begründet». Das - für dich - ärgerliche nun an solchen Internetdiskussionen ist, dass man sie ganz einfach nachlesen und auf ihren Inhalt überprüfen kann. Also mal Hand aufs Herz: Ist dir das nicht wenigstens etwas peinlich, dich hier vor deiner Peer-Group zum Affen zu machen? Oder vertraust du auf die politische Blindheit mit der geschlagen ist, wer deiner ideologischen Kuschelgruppe angehört?

    *Da die ausführliche Befassung aufgrund der Fehlerdicht und des akademisch-gestelzten Duktus (a propos Nebelgranaten) keinerlei Sinn ergeben würde.

  21. 21 M.o.P 4. Feb 2008 um 09:20

    Ich hätte wohl nicht so gelangweilte Nachfolgekommentare geschrieben, wenn es mir um irgend eine Gemeinde ginge. Sondern ich hätte wohl, nachdem ich festgestellt hab, dass es dir an jeglicher begrifflichen Grundlage mangelt, weiter genüsslich Salz in diese Wunde von dir gestreut (z.B., dass du offensichtlich nicht weißt, was “erklären” bedeutet oder was eine Begründung ist, dass du keine Ahnung davon hast, was du schreibst, wenn du “ganz konkret” verwendest u.v.m.; zu letzterem ein wirklich wohlgemeinter Lesetipp: Hegel: Wer denkt abstrakt?). Aber ich bin kein Saddist.

    Meine Vermutung mit dem Interesse an linker Gemeindebildung scheint bei dir aber ins Schwarze getroffen zu haben, da du in fast jedem Kommentar in immer neuen Abwandlungen versuchst - auf sehr plumpe Weise - den Spieß rumzudrehen.

  22. 22 nachgefragt 4. Feb 2008 um 14:45

    Dass es in dir anscheinend ausschliesslich in philosophischer Terminologie denkt und du ganz offensichtlich nicht in der Lage bist Begriffe wie “konkret” im umgangsprachlichen Sinn zu verstehen, dass ist ganz alleine dein Problem. Dass du dieses Problem nun auch noch zur “Argumentation” aufbläst wie der Frosch seine Backen, sagt zum Inhalt nichts, zu deinem Ego alles - hoffen wir in deinem Sinne, dass es nicht platzt. Dass du versuchst ausgerechnet aus deinem Problem mir einen Strick zu drehen, das zeigt bloss mal wieder deutlich, wie sehr die jeder Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Mist entwöhnte akademische “Linke” auf den Hund gekommen ist. Da ist es dann auch bloss noch ein mittelmässiger Witz, dass du - der mir Hegel nahe legt - ganz offensichtlich von Logik nicht allzuviel verstanden hast; Dazu muss man sich bloss mal den Schluss ansehen, den du im letzten Abschnitt ziehst.

  23. 23 antikapl 4. Feb 2008 um 18:14

    Ich habe mir die “28 Thesen” nicht durchgelesen, da mir nach den ersten paar Sätzen klar war, dass sie wenig Originelles oder Wichtiges enthalten. Die hier vorgebrachte Kritik an ihnen fand ich hingegen schon lesenswert und großteils überzeugend. Ich finde, die Verfasser haben deutlich gemacht, dass Philosophie durchaus eine praktische Relevanz besitzt, wenn es um die Kritik oberflächlicher Positionen des Alltagsbewusstseins geht (ganz in der Tradition Sokrates’ halt).

    Ein paar Fragen/Krititpunkte habe ich allerdings schon.

    Was ich zu zunächst kritisieren habe, ist die Behandlung des Themengebiets Antideutschtum-Antisemitismus-Israel. Also der “Ums ganze Kongress” war doch nun wirklich nicht “Anti-Antideutsch”, sondern wurde nur von Antideutschen kritisiert - und das, wie ich finde, mit dummen Argumenten wie z.B. in dem “Jungle-World”-Text von Stephan Grigat, für den heutige linke Praxis ja anscheinend darin bestehen sollte, nach Heiligendamm zu fahren und dort eine Solidaritätskundgebung für die Außenpolitik der versammelten Staatsrepräsentanten abzuhalten.

    Die auch von dir beschworene “Parteinahme für Israel” halte ich mittlerweile für eine unkluge Reaktion auf den herrschenden Antizionismus. Sie folgt aus der Kritik an ihm doch überhaupt nicht und fügt ihr nichts hinzu. Das Wort “Parteinahme” impliziert zudem, dass es dabei ohnehin nicht um eine objektive Untersuchung des Geschehens, sondern um die Einforderung einer grundsätzlichen Haltung, die dieser Untersuchung vorausgeht, geht.

    Ebenso möchte ich mal bestreiten, dass der “moderne Antisemitismus” tatsächlich so fundamental für den derzeitigen Kapitalismus ist, wie du es darstellst. Den Rassismus und den Antiamerikanismus halte ich, aus deutscher bzw. westlicher Perspektive heraus (anderswo mag es anderes aussehen), derzeit für sehr viel wirkungsmächtigere affirmative Ideologien, die auf Abspaltungen basieren. Der Antisemitismus ist meiner Einschätzung nach natürlich noch vorhanden, und das nicht nur bei irgendwelchen Alt- und Neonazis, aber im Vergleich hat er ziemlich an Bedeutung verloren bzw., besser gesagt, wurde halt durch andere, ihm strukturell entsprechende Ideologien, ersetzt, die aber selbst kein Antisemitismus im eigentlichen Sinn sind.

    Der zweite Punkt aus Zeitgründen (mein Bus kommt gleich ^^) sehr knapp: Die Verfasser sprechen sinngemäß davon, dass es zur Revolution einer kollektiven Theoriebildung bedarf. Die Frage ist nun, wie diese Theoriebildung konkret auszusehen hat. Ich als philosophisch belesener Gymnasiast habe euren Text einigermaßen verstanden (hoffe ich), aber global gesehen kann ein guter Teil der Menschheit noch nicht einmal lesen und schreiben. Wie soll diese kollektive Theorieblidung also aussehen? Wie kann sie die kapitalistische bedingte Entfremdung von Wissenschaft und Menschen überwinden?

    Ich kritisiere also nicht dieses Prinzip an sich, sondern bezweifle seine praktische Durchführbarkeit.

  24. 24 si tacuisses 5. Feb 2008 um 01:26

    es ist ja wohl ein schlechter witz von jemanden lektüreempfehlungen bezüglich hegel zu lesen der selbst offensichtlich keine ahnung von diesem hat, bzw eine sehr eigenwillige lesart. offene begriffe kommen beim großen schwaben jedenfalls nicht vor. dies sei hier auch nur vorgebracht wegen der autoritären weise, in der das bisschen an erkenntnis, das jemand vermeinte aus dem pauken von philosophie gezogen zu haben, hier gegen andere in anschlag gebracht wird. wer nur in der lage ist der akademischen nomenklatur zu folgen, und sich der diskussion mit anderen verweigert, die sie nicht beherrschen, der hat letztenendes auch nichts in der philosophie beriffen. falls es irgendwann einmal doch eine revolution zum guten hin geben sollte, dann bestimmt nicht deswegen, weil alle revolutinäre hegel und marx gelesen hätten. weil das auch in der tat illusorisch wäre macht es sich die akademische eitelkeit in der elitären attitüde bequem, die sich so von der großen masse des ungebildeten pöbels zu unterscheiden weiß; ein unterschied der ja in zeiten der verallgemeinerten lohnarbeit, sprich proletarisierung, für solche leute auf eben diesen unwesentlichen unterschied zusammenschnurrt. derlei denkart muß natürlich (ho, ho, ich habe hier natürlich geschrieben! ist das schon biologismus?) annehmen, daß ohne studium der klassiker jedwede insurrektion - weil des geistes, der vernunft entbehrend, was nur durch studium zu erlangen - in barbarei münden muß. es kann keine revolution geben, weil dafür erst alle studieren müßten, was nie der fall sein wird, da klassengesellschaft (dies einzugestehen wird dann als kritische position wohl bezeichnet), und wenn sie dann doch stattfindet, dann ist es keine, weil diese unstudierten deppen eben nur zur barbarei taugen (u. a. weil sie wörter wie erklären und ganz konkret falsch verwenden). selbst ist man natürlich fein raus, da studiert und alles checkend, aber ach: “unserer sind zu wenige” um die geschicke der welt zu einem besseren zu führen.
    getoppt wird dies nur durch den noch schlechteren witz, etwas gar nicht gelesen zu haben, aber schon wissen wollen, wo der hase langläuft. antikapl. fand aber die kritik daran gut (ohne wissen zu können, ob sie überhaupt zutrifft), also von jemandem, der immerhin jenen text für wert befand gelesen zu werden, und sich auch der mühe unterzog eine mehrseitige antwort daran zu verfassen. an der uni oder auf dem gymnasium ist man sich nicht zu schade sich jeden langweiligen irrelevanten scheiß reinzuziehen und ihn dann mit hochgezogenen augenbrauen und gewichtiger miene zu diskutieren, aber hier, wo es keine noten oder scheine gibt, wird offen eingestanden, nö keinen bock, das haben doch andere schon gemacht, ist eh alles klar. was soll das klagen über den weltweiten analphabetismus (der übrigens zurückgeht, ohne daß dadurch die chance der revolution erhöht würde), über die trennung von wissenschaft und mensch, wenn man selbst, der ja lesen kann, es nicht tut (es geht hier um zwei texte von begrenztem umfang, die these und die kritik daran).
    was die kollektive theoriebildung (was immer das auch sein mag) betrifft: der rabaukenplausch auf dieser seite, von dem ich mich gar nicht ausnehme, ist doch immerhin in pädagogischer hinsicht von einem gewissen wert, da er zeigt, wie sie auf keinen fall geht.
    so, und da kommt meine tram…

  25. 25 axed back 5. Feb 2008 um 02:43

    m.o.p. wollte offensichtlich mit freund_innen der klassenlosen gesellschaft debattieren, aber da waren es freund_innen der hirnlosen gemeinschaft. too bad, & peinlich eigentlich fuer wen? m.o.p. wäre zu raten: mueh dich nicht weiter mit diesen theorieverächter_innen um begrifflich-kategoriales denken ab, love’s labour’s lost. wer sich wie „nachgefragt“ zu schlechterletzt hinstellt und selber heraustrompetet dass „konkret“ für ihn mit alltagsdenken, erfahrungs- und anschauungs-ebene, sinnlicher gewissheit und common-sense-vorstellungswelt schlicht zusammenfällt, dass andererseits die arbeit des begriffs, d.h. kollektiv-diskursive anstrengung die bestimmungen zu finden, um sie weiter zu öffnen und aufzuheben (als reflexionsbestimmungen nämlich wie Hegel das nennt, und es ist die bewegende achse aller dialektik wie Lukacs das nennt, ihr reeller kern wie Marx das nennt, ohne das wäre die kritik der politischen ökonomie soweit garnicht möglich gewesen), also revolutionäre theoretische praxis für ihn („nachgefragt“) nichts anderes bedeutet als = philosophie = akademie = abgehobene uni-„linke“ = feinde der arbeitenden klasse – - wer diese gleichsetzungen schaltet, disqualifiziert sich doch selber von einer revolutionären debatte. die/der merkt offenbar selber nicht, wie sehr sie/er doppelt und dreifach den verdacht der „enfants perdus“ bestätigt: wir haben es in dieser ecke nicht allein mit einem guten stück will-to-theory zu tun sondern zugleich mit einer portion schlechtem unmittelbarismus, auch als arbeiterismus oder „proletkult’“ bekannt. letztere fraktion versucht die angeblich gewollte debatte um die 28 thesen offensichtlich zu blocken, indem sie hier auf weblog-ebene die ernsthafte kritik der „enfants perdus“ als „philosophischen bluff“ abtut, ohne irgendeine argumentation, sie unter quarantäne zu stellen versucht und stattdessen einige ernsthafte leser_innen, die sich auf die enfants-perdus–kritik einlassen, persönlich anmacht.

    bleibt zu hoffen dass die wirklichen freund_innen der selbstaufhebung des proletariats (die noch immer so tun als hätten sie von den kritischen randglossen der „enfants perdus“ noch gar keine kenntnis) noch garnicht mitgekriegt haben, wie sie seit 1 woche auf diesem weblog von ihren falschen freund_innen kompromittiert werden indem diese lediglich herumprollen. gipfelnd jetzt zuletzt in der entwaffnenden auskunft, schliesslich seien „begriffe im umgangssprachlichen sinn zu verstehen“ – eine contradictio in adjecto, weil begriffliches denken und überhaupt jedes begreifen, jede subjektwerdung, eben genau die umgangssprachliche, d.h. common-sense-ebene des augenscheins, der „normalen“ alltagsdenke und des unmittelbaren empirischen dummlall zu überwinden voraussetzt, und weil dies nichts mit dem hängenbleiben in philosophischer kontemplation zu tun hat, die „nachgefragt“ unterstellen möchte, sondern umgekehrt erst die anstrengung des begriffs die passiv-kontemplative haltung des bewusstlosen objekts blinder verkehrsformen und „umgangs“-sprache des kapitalistischen alltagsüberlebens durchdringen und aufheben kann, eine anstrengung des begriffs die „nachgefragt“ hier penetrant als per se „akademisch“-„philosophisch“ diskriminieren möchte.

    fazit nach 1 woche herummobben: eine permanente antiintellektualistische ressentiment-reiterei hat es fertiggebracht, unter „nachgefragt“ ueberhaupt nix zu fragen sondern saemtlichen fragen aus dem weg zu gehen die von den „enfants perdus“ gestellt worden sind weil sie von den 28 thesen selber aufgeworfen werden.

    nur kurz und ganz nebenbei bemerkt: das attribut „intellektuell“ ebenso wie „akademisch“ ist längst ein popanz, weil klassenanalytisch „rein“ geistige arbeit — wo von ihr überhaupt noch die rede sein kann — dermaßen unreinlich geteilt und standardisiert worden ist, dass schon Brecht und Benjamin zurecht nur noch von den „kopflangern“ in ergänzung zu den handlangern der lohnsklaverei sprachen, spätestens seit Braverman’s untersuchungen die degradierung der white collar- und büroarbeit aufs blue-collar-niveau eigentlich weithin bekanntsein dürfte (man fragt sich, an welcher stelle des alltagslebens unsere klassenfreund_innen ihre beobachtungen machen, auf deren „erfahrungsgrund“ sie derart überheblich pochen, wenn sie sich einbilden, sie könnten bei proletarisierten und prekarisierten genoss_innen „die jeder Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Mist entwöhnte akademische Linke“ ausmachen, eine unglaubliche niederträchtigkeit und gemeinheit arbeiteristischen dünkels gegenüber den teilen der lohnabhängigenklasse, die sich wenigstens trotz aller gewöhnlichen alltagsüberlebensscheisse noch um die bildungselemente und theoretische praxis in der – mit verlaub: - eigenen klasse selber bemühen) und schon die situationistische analyse der „führungskräfte“ anfang der 1970er den mythos vom „intellektuellen“ restlos kaputtgemacht hatte, und das hatte im grunde schon Kracauer’s „Die Angestellten“ um 1930 und Adorno’s „Theorie der Halbbildung“ in den 1950ern besorgt. alle diese klassenanalytischen beiträge aber haben die uralte trennung und „erhabenheit“, „abgehobenheit“ der „intellektuellen“ von „der masse“ der „richtigen arbeiter“ und „dem einfachen volk“ längst beseitigt, diese trennung lebt allerdings als dünkel auf beiden seiten zäh und konservativ wie alle vorurteile fort, die kommunist_innen haben diesen dünkel zu bekämpfen, nicht noch zu kultivieren. worauf es ankommt ist die wirkliche bewegung: dass eine masse bildungselemente ins proletariat gepumpt werden, die früher bürgerliches bildungsprivileg gewesen sind, wer diese bildungselemente verachtet und abweist anstatt sich ihrer in communistischwer entwendung zu bemächtigen und zu befleissigen, wer die proletarische assoziation entlang der produktivkraft wissenschaft als „akademisch“ per se diskriminiert und bekämpft, befördert die rückständigkeit und die barbarei, eine revolte kann dann wieder nur konformistisch sein: im denkmist steckenbleibend wie im alltagsmist. zum alltagsmist der lohnabhängigkeit gehört längst im mmassenmaßstab ausbildung an fachhochschulen und universitäten in verschiedenen lebensabschnitten. offenbar nährt sich der antitheoretische affekt und der „antintellektualismus ohne intellektuelle“ aus der erfahrung und dem selbsthass in der zurichtung der eigenen arbeitskraft innerhalb dieser „ideologischen staatsapparate.“ so wie im bild vom „juden“ das eigene bürgerliche wie revolutionäre begehren abgespalten und negativ projiziert wird, so im bild vom „intellektuellen / akademiker“ der eigene anteil als virtuellem element einer klasse des bewusstseins, das heimliche begehren nach theoretischer mündigkeit und selbsttätigkeit. in den auffälligen ununterbrochenen projektionsversuchen der letzten woche hier gegen die „enfants perdus“ und denen die es wagen sie zu verteidigen, als angeblich „philosophischen“ und „akademischen ‚Linken’“ etc. bei ängstlicher vermeidung einer auseinandersetzung mit ihren klaren kritikpunkten , wird diese ranküne als motiv immer deutlicher , bis sie in dem antiintellektualistischen coming-out der letzten „nachgefragt“-äusserung offen durchbricht. Weil es ihnen darum geht und nicht um die diskussion der 28 thesen, wird auch unter keinen umständen „herausgelassen“, wo denn die angeblich eigene kritik an den 28 thesen ansetzt. offenbar geht es garnicht um diese diskussion sondern um die immunisierung der 28 thesen gegen alle, die nicht mitdiskutieren dürfen, eben weil sie keine „richtigen“ klassenangehörigen sondern feindliche „akademische intellektuelle“ sind. die reihen fest geschlossen!

    einerseits das permanente dementi einer verdrängung des linken antisem-antikap-syndroms die ganzen 28 thesen hindurch (noch nicht einmal in these 5 kommt das wort „antisemitismus“ geschweige denn der begriff der „alltagsreligion“ wenigstens pflichtschuldigst einmal vor, wird aber wie schon gezeigt ins „rassistische“ NS-phänomen verschoben, als „antisemitismus-der-vernunft“ ebenfalls nicht erfasst sondern als „irrwitzige konstruktion“ abgetan, die dann aber doch noch selber funktionalistisch rationalisiert wird: „hinter“ allem stehe „das Vorhaben“ der bourgeoisie, die deutschen arbeiter „einzubinden“, und ökonomistisch wird auch der proletarische antisemitismus reduziert auf „rassistisch privilegierte Aufseher“ und „Nutzniesser der ‚Arisierungen’“, basta. diese eindeutige operation kann jede_r dort wort für wort feststellen (und die gute „susanne“ hat es sogar selber nochmal zitiert!). andererseits parallel zu dieser ausblendung des wirklichen antisem-problems: ununterbrochene anspielungen und anpöbeleien aus offen antiintellektualistischer ranküne heraus.
    ja doch, „nachgefragt“ weiss es ja und hat es selber schon in unschön herausfordernder pose gesagt: dass antisemitismus und antiintellektualismus intim zusammenhängen, ist schon klar! aber einer bestimmten sorte anachronistischer neo-wobblies macht das gar nichts aus, sie finden es ja sogar gut, diese linkskommunistische tradition. was ansonsten dort kein thema sein darf – vor allem nicht nach der shoa – und was derzeit noch immer unterm label „die antideutschen“ erledigt, abgefertigt und abgedrängt wird, das kann als „intellektuellen“-hass um so offener ausgelebt werden, da sind alle wohlbekannten stereotypen und mobbing-methoden gegenüber dem vermeintlich „klassenfremden“, den „blutleeren“, parasitären“, „abgehobenen“ usw. elementen erlaubt. selbst der hervorragende theoretiker und praktiker der IWW, Daniel DeLeon, krankte an dieser massenparanoia und bei ihm klang es schon so: „Die ernsthaften Sozialisten sind überall auf der Welt damit beschäftigt, ihre Bewegung aus den Netzen des ‚Intellektuellen’ zu lösen, Hindernisse gegen seine Annäherungen aufzustellen oder mindestens Schutzgitter zu errichten, um seine schädlichen Einflüsse einzudämmen. (…) Selbstverständlich verwirrt ihn jede wichtige, praktische Frage, und infolgedessen schwelgt er nur in Abstraktionen ; natürlich stößt er auf Schritt uind Tritt auf Tatsachen, die, obgleich er sich einen ‚Intellektuellen’ nennt, er unfähig ist zu verstehen, und als Resultat dieser seiner Missverständnisse (…) ergreift ihn bösartiger Hass. (…) er ist immer bereit, die Interessen der Bewegung zu opfern, um seine eigene Missgunst zu sättigen. Worte und hohler Klang sind des ‚Intellektuellen’ Reich; er wendet geschickt die Tricks der Gaukler an, die ihre Worte doppelsinnig gebrauchen. Er spricht sich gescheit über alles aus, er unterschreibt alles; sobald er sich in einer Klemme befindet, schlängelt er sich wieder heraus. Natürlich wird der ‚Intellektuelle’ früher oder später erwischt. Aber gerade das ist der wunde Punkt! Sein verführerisches Getue täuscht oft die geübtesten Augen und Ohren und er richtet unermesslichen Schaden an, ehe man ihn ertappt.“ etc. – denn in der wobblie-ideologie ist der „intellektuelle“ der innere feind, und man muss ihn zu erkennen und zu entlarven verstehn: „- solch ein Sozialist hat keinen Begriff von der Bedeutung der Bewegung, und man kann ihn von Beginn an sicher als einen ‚Intellektuellen’ erkennen und als solchen behandeln. Dies ist ein unfehlbarer Test. Es ist unnötig abzuwarten bis er später die Sache verrät, er verrät sie heute schon.“ usw. usf. — laut professor dr.arbeiterführer DeLeon „muss man nun diesen ‚Mikroben-Intellektuellen’ gewähren lassen, so dass er sich entwickle, ehe man ihn ausrotten kann.“ - wo die bedingungen noch nicht reif genug seien. aber „wo der Kapitalismus das Stadium der vollsten Reife erreicht hat, sind die Bedingungen solche, dass man diese Plage sofort erkennen kann, und es sind auch die Mittel vorhanden, um diesen Mißstand sofort abzustellen.“ (aus: Daniel DeLeon: „Der Intellektuelle“ 1905, dt. in „Sozialistische Marksteine“ New York 1962, S.310ff) (wir müssen hier nicht erläutern, dass der DeLeonismus in den USA schliesslich auch an seiner eigenen sektiererei, seiner politik-abstinenz und seinem ökonomismus eingegangen ist – als „impossibilismus“ –, doch unverdrossen in seiner theoriefeindlichkeit und bornierten radikalikalisiert- ökonomistischen kosmoproleten-mythologie feiert sich der wobblies-kultus bis heute um so romantischer selber als wiedergänger von der traurigen gestalt.)
    die falschen freund_innen führen sich bisher hier gerade auf, als hätten sie DeLeon’s intellektuellenhetze zur direktive ihrer abwehr der enfants-perdus-kritik gemacht: anstatt sich irgend auf die auch nur entscheidendsten kritikpunkte der enfants-randglossen einzulassen, tun sie so, als hätten sie hier wieder mal ein paar solcher „mikroben“, solcher „akademischen“ und „philosophischen“ scheinlinken tuis „erwischt“, und mit denunziatorischer geste und in augenzwinkerndem triumph ziehn sie diese „ertappten“ fremdkörper am klassenkörper ins helle tageslicht (wir ersparen uns, hier auch noch die entsprechende passage aus A.H.s „Mein Kampf„ zu zitieren, um auch noch den letzten klassenfreund_innen heimzuleuchten worum es sich bei diesem ressentiment handelt). ja stimmt, werter „nachgefragt“: das haetten wir schon gleich abmachen sollen, warum auf dieser ebene nicht zu diskutieren ist.
    aber dafür wird euch hier partout nicht erspart werden, euch mit den wenigen, den klaren und immer wieder fast bis zur redundanz von den „enfants perdus“ vorgebrachten kritikpunkten an den 28thesen zu konfrontieren, vor denen ihr bisher so hartnäckig gekniffen habt.

    (die mail ist mir eh schon zu lang geraten, deshalb zähle ich die punkte später nochmal auf. es sei denn ihr kommt dem zuvor und geht selber endlich auf die „enfants perdus“ essentials ein. das dürfte euch schwerfallen, wahrscheinlich werdet ihr weiterhin kneifen und das anspielungs-, projektions- und abwehr-crescendo steigern. das kann tage dauern. oder ihr werdet einfach verstummen. savoir attendre.)

    nachgefragt habt ihr bis zur kenntlichkeit, jetzt seid ihr mit nachantworten dran, false friends.
    FdKG wake up.

  26. 26 antikapl 5. Feb 2008 um 10:31

    @ si tacuisses:

    Meine Güte, die kritisierten Stellen wurden doch jeweils zitiert. Die Kritik von Marx an Smith, Ricardo und Co. sieht man doch auch als richtig an, obwohl man doch nie eine Zeile von denen gelesen hat (vielleicht ist das bei dir anders, aber ich kenne nur sehr wenige Marxisten, die sich wirklich intensiv mit bürgerlicher Ökonomie beschäftigt haben).
    Der Anfang der 28 Thesen enthält doch tatsächlich nichts als Allgemeinplätze, die man als Communist einfach weiß. Dieser Jargon langweilt mich einfach mittlerweile. Und gerade diesen Jargon kritisierten die enfants perdu ja gerade. Ich werde die Lektüre aber trotzdem nachholen.

    Das Ding mit der Analphabetenquote war sicherlich ein wenig flappsig formuliert, aber ich hatte schlichtweg tatsächlich keine Zeit, das besser zu schreiben. Ich glaube jedoch, was ich ausdrücken wollte, ist angekommen.

    Der Verweis von dir und v.a. axed back, dass es nicht vom formalen Bildungsgrad abhängt, ob jemand fähig ist, sich kritische Theorie anzueignen, ist natürlich angesichts der Kritikabstinenz, die im “gebildeten” Milieu vorzufinden ist, schon richtig. Die kenne ich ja selbst zu genüge. Man muss sich nur mal ein paar Folgen vom “Philosophischen Quartett” anschauen, um zu erkennen, was da im Namen der Philosophie so alles an Dummheit verbreitet wird.

    Andererseits muss man schon auch auf die materiellen Beschränkungen, die die Theoriebildung erfährt, hinweisen. Es ist doch nicht nur so, dass es am mangelnden Willen zur kritischen Theorie liegen würde, dass sich die Leute damit nicht auseinandersetzen würden, sondern das wird eben zum einen durch den Bildungsapparat, zum anderen durch die Anstrengungen des Verwertungsprozesses doch massiv behindert. Ich kenne in meinem Umfeld genau eine Person, die kein Abitur hat und sich wirklich intensiv mit kritischer Theorie befasst (und damit uns anderen weit vorraus ist). Die hat aber relativ wohlhabende Eltern und hat es deshalb nicht nötig, ihre Haut zu Markte zu tragen.

    Dennoch gilt es natürlich zu versuchen, dieser objektiven Tendenz entgegenzuwirken und eben nicht in erzieherischer Manier, sondern wirklich alla Sokrates im Dialog (tschuldigung, das ich ständig mit Sokrates komme, aber mir fällt immer wieder auf, wie nah seine Methode, Alltagsbegriffe dialogisch zu zerlegen, der heutigen Vorgehensweise kritischer Theoretiker steht). Ich finde den Verweis darauf, dass diese “Anstrengung des Begriffs” wirklich die conditio sine qua non der Revolution ist, wirklich vernünftig.

    Hier könnte man natürlich einwenden, dass die Dummheit der Leute vielmehr emotional als rational bedingt ist und es daher vielmehr künstlerischer Intervention, die eben an eingeübten Verhaltensweisen kratzt als rationaler Intervention bedarf.

  27. 27 antikapl 5. Feb 2008 um 10:34

    PS: Die letzten 5 Absätze meines obigen Postings sind natürlich nicht nur an si tacuisses gerichtet, sondern sind eher nocheinmal allgemein auf die Frage nach der “Anstrengung des Begriffs” und ihren Bedingungen bezogen (nur, damit es nicht zu Missverständnissen kommt).

  28. 28 Nachgefragt 5. Feb 2008 um 16:00

    «schliesslich seien „begriffe im umgangssprachlichen sinn zu verstehen“»

    Lesen lernen.

  29. 29 si tacuisses... 6. Feb 2008 um 00:35

    @ antikapl:

    du schriebst: “Der Anfang der 28 Thesen enthält doch tatsächlich nichts als Allgemeinplätze, die man als Communist einfach weiß. Dieser Jargon langweilt mich einfach mittlerweile.” wenn dem so ist, um so besser für dich. aber vielleicht sind diese thesen ja nicht nur für leute verfasst, die kommunisten sind, oder für kommunisten die dies noch nicht so gesehen haben. meines wissens erfreut sich der topos der klassenlosen klassengesellschft nicht allzugroßer bekanntheit. man sehe sich nur die gespensterumzüge am ersten mai an, oder das, was landläufig in der linken unter klassengesellschaft noch gefaßt wird. nun, der topos ist wohl nicht neu, wie die freundinnen im editorial sogar offen zugeben, ist er von adorno geklaut. aber ein allgemeinplatz ist er wohl nicht. und das dieses resultat der geschichte, worunter auch das fällt, was man mit den schlagwörtern individualisierung, atomisierung und auch modernisierung umreißen kann, in seiner ganzen fatalen zwischlächtigkeit gefaßt, auch von der alten arbeiterbewegung mithervorgebracht wurde (dies alles dinge, die in den ersten thesen benannt werden) ließt man ja auch nicht allzuoft. eher hört die alte leier vom verrat der funktionäre, oder vom kapital, das über die menschen hinweg die gesellschaft so einrichtete, in der das proletariat nurmehr noch als geschichtsohnmächtiges objekt vorkommt. vielleicht ist das auch nicht neu, aber viele fallen vom einfachen konstatieren dieses sachverhalts ins andere exterm, und dichten flugs dem proletariat doch eine heimliche geschichtsmächtigkeit an, was die thesen, soweit ich sie überblicke, auch versuchen tunlichst zu vermeiden. ob das schon dialektik ist, sei dahingestellt. weite verbreitung findet diese vorgehensweise aber nicht…

  30. 30 antikapl 6. Feb 2008 um 13:35

    @ si tacuisses:

    Ja, sicher, da hast du vollkommen Recht. Ich wollte ja auch nur begründen, warum ich die Thesen nicht gelesen habe. Eine Kritik an den Thesen an sich war das ja nicht.

    @ nachgefragt:

    War das auf mich bezogen? Ich denke nicht.

  31. 31 Savo Vasic 7. Feb 2008 um 14:02

    Rauchzeichen aus dem Studentenmilieu: Und keiner schaut hin.

  32. 32 kati 7. Feb 2008 um 15:56

    ha!

    klassischer werbespam, der beitrag des genossen vasic da oben: kein inhalt, aber hauptsache link platziert.
    woher wird eigentlich ständig das futter für die verleumdungen “studenten” gezogen?

  33. 33 si tacuisses... 8. Feb 2008 um 00:05

    na vielleicht hiervon:
    “Ohne große Gefahr, uns zu irren, können wir behaupten, daß der Student in Frankreich nach dem Polizisten und dem Priester das am weitesten verachtete Wesen ist. Wenn auch die Gründe fur seine Verachtung oft falsche sind, die aus der herrschenden Ideologie stammen, sind die Gründe dafür, daß er vom Standpunkt der revolutionären Kritik aus wirklich verachtungswürdig ist und verachtet wird, verdrängt und uneingestanden. Die Befürworter der falschen Kritik können diese dennoch erkennen, und sich in ihnen.” und was für frankreich in bewegteren zeiten als den heutigen galt, warum sollte dies in der heutigen bleiernen zeit in einem land, das nicht wirklich eine revolutionäre tradition für sich in anspruch nehmen kann, nicht erst recht gelten. als in den 90ern auf einer streikvollversammlung der fu-berlin beantragt wurde, die forderung nach abschaffung des abiturs - als allgemeiner hochschulzugangsberechtigung - in eine resolution aufzunehmen, hat die übergroße mehrheit der dort versammelten, spontan und ohne zu zögern dagegen gestimmt. dabei hätte eine zustimmung auch nichts weiter bewirkt, so unrealistisch diese forderung doch gewesen war. aber mit dem abitur hat man doch schließlich etwas in der hand, das einem, wenn man auch sonst nichts darstellt, einen gewissen status verleiht, der einem vom pöbel abhebt. in der einbildung wenigstens, da ja immer mehr menschen mit diesem zertifikat ausgestattet werden, es selbst also schon längst entwertet ist als entrebillet in die höhere gesellschaft (von der proletarisierung der kopfarbeit, die übrigens auch in den thesen erwähnt wird, ganz zu schweigen). und diese selben leute machten dann morgens in der u-bahn eine “phantasievolle” aktion - die einschreibe-gebühren wurden gerade um 100 dm erhöht - und betteln die leute die gerade zur maloche fahren mit den worten “hasse ma’n hunni” an, auf abgeschmackte weise um solidarität bei denen werbend, deren chefs und vorgesetzte sie später werden wollen.
    aus dem kritisieren dieser charaktermasken, die das akademische milieu hervorbringt, wird dann - vielleicht aufgrund narzistischer kränkung - flugs der vorwurf der theoriefeindschaft geschnitzt, ähnlich der spießerargumentation: “so, so, du bist gegen den staat, aber sozialhilfe nimmst du dann doch gerne von ihm…” auf genossen vasic lasse ich jedenfalls nichts kommen, der im gegensatz zu c. norris bücher auch liest.
    die ganze diskussion auf dieser seite, vor allem was die partei der verlorenen kinder angeht, hat mit debatte nicht viel gemein. sie funktioniert, scheint mir, wie ein rorschach-test. da werden gewisse wörter gelesen, andere gesuchte wörter, nicht gefunden, und schon geht die assoziationsmühle los. verräterisch ist da ein satz wie: “noch nicht einmal in these 5 kommt das wort „antisemitismus“ geschweige denn der begriff der „alltagsreligion“ wenigstens pflichtschuldigst einmal vor”. mehr wird scheinbar auch nicht erwartet, als pflichtschuldig die signalwörter runterzuleiern, welche die richtige gesinnung anzeigen. dies ist auch schon im text von enfant perdu zu sehen. man beachte nur die zitationsweise an den thesen. da werden sätze auseiandergerissen, deren versatzstücke anschließend so wieder zusammengeschraubt, daß die ursprüngliche aussage gar nicht mehr erscheint, dafür aber ein ganz anderer text, den der autor selbst dort lesen wollte. wo dies nicht ganz hinhaut werden dann wörter mit gänsefüßchen markiert, zwischen einzelne zitierte wörter aus dem text eingeschoben oder an sie angefügt, so daß der eindruck entstehen muß, diese seien ebenfalls zitiert, aber mitnichten in den thesen zu finden sind. das grenzt an infamie. und dies von leuten, die beim gegener stets antiintellektualismus wittern, selbst aber das mindestmaß an intellektueller redlichkeit vermissen lassen.
    und dann, wenn man selbst mit seiner fälscherei nicht mehr weiter kommt werden autoritäten zitiert, oder auf sie verwiesen; nicht um im eigenen gedankengang, in dessen entwicklung etwas zu verdeutlichen, geschweige denn das dort zitierte diskutierend einzubetten in den eigenen text, sondern in der manier wie gläubige aus der heiligen schrift zitieren. heilige worte, an denen nicht zu rütteln ist, die per se wahr sind, die orthodoxie verbürgend. solcher autoritarismus, der mit zitatenschatz spektakulär den savant mimt und sich mit dem mäntelchen des intellektuellen drapiert, alles im dienste seines einmal angenommenen dogamas, ist wahrhaft antintellektuell.

  34. 34 Nachgefragt 8. Feb 2008 um 02:22

    Es ist bezeichnend, dass der in die Bresche springende Axed Back wie schon seine Vorredner in selber Mission nicht umhin zu kommen scheint, meinen Ruhm als Feind der Kritik und des Denkens überhaupt allen VerfechterInnen der 28 Thesen angedeihen zu lassen. Dass sein Lagerdenken in seinem eigenen freien Assoziieren wohl als manichäisches Weltbild erschiene und damit strukturell mit dem antisemitischen Denken «intim zusammmenhängt», würde er nicht mit Argumenten, sondern mit Zitaten (oder mindestens der Nennung) von Leuten wie Haury, Küntzel oder Enderwitz belegen. So ist dann auch das Wesentliche an seinem «Einwand» gegen das antiintellektuelle Überafallkommando «Nachgefragt» ein freies Assoziieren welches hier und da mit dem Verweis auf eine Autoriät des kritischen Denkens zusammengehalten wird. Immerhin neun kluge Männer dürfen im kurzen absurden Theater welches Axed Back hier aufführt eine Gastrolle bekleiden. Mir fehlte in seinem «who is who» der kritischen Grössen bloss noch Freud; nächstes mal an passender Stelle einbauen: «Den Wahn versteht nicht…» oder so. Wo jedes Argument vermisst wird, müssen anstatt schwere Geschütze in Form von «Signalwörtern» aufgefahren werden. Und da liest man dann in Anführungs- und Schlusszeichen und so doch zumindest suggestiv aus meiner Feder stammend folgende Attributierung des Genossen Axed Back und seiner Geschister im Geiste: «blutleer», «parasitär» und «abgehoben». Dass ich nicht im Traum je jemanden so bezeichnet habe, das spielt natürlich keine Rolle, über seine Assoziationskette hat Axed Back mir längst den zumindest latenten Vernichtungswunsch angedichtet und mir meinen Hass auf Juden und andere Objekte meines Wahns nachgewiesen. Mal im ernst: Glaubst du ernsthaft, dass jemand in diesem Assoziationszug mitfährt, der das Ticket nicht schon längst gelöst hat?

    Ein kleiner Treppenwitz der Geschichte der kritischen Denker:
    Dort wo der Mann inhaltlich was zum besten gibt und den Umstand, dass eine «Masse Bildungselemente ins Proletariat» gepumpt wird, geradezu als conidione sine qua non der Revolution bejubelt, da wird augenscheinlich, dass ausgerechnet diese mit Adorno grossgewordenen Linken wieder auf Lenin zurückfallen. Mit dem Unterschied natürlich, dass die Massenaufklärung nicht mehr die Kommunistische Partei, sondern der bürgerliche Bildungsapparat zu bewerkstelligen hat. Ich freu mich schon auf das erste Master in Revolutionstheorie, die eine oder andere Marketingagentur hat bereits Interesse angemeldet.

  35. 35 Nachgefragt 8. Feb 2008 um 02:33

    «das dürfte euch schwerfallen, wahrscheinlich werdet ihr weiterhin kneifen und das anspielungs-, projektions- und abwehr-crescendo steigern. das kann tage dauern. oder ihr werdet einfach verstummen. savoir attendre»

    Dass du damit eine self fullfilling prophecy ausgesprochen hast, dass dürfte dir selber bewusst sein. Hättest du einfach die Klappe gehalten, wäre die unsägliche Diskussion an der Stelle beendet gewesen. So wirst du dein Anspielungs-, Projektions- und Abwehr-crescendo steigern. Das kann tage dauern. Oder du wirst einfach verstummen. savoir attendre!

  36. 36 kati 8. Feb 2008 um 09:33
  37. 37 surfer 8. Feb 2008 um 11:45

    Wer ist denn die m.o.p.?

  38. 38 kati 8. Feb 2008 um 14:39

    wer will denn das wissen? ;-)

  39. 39 surfer 8. Feb 2008 um 18:59

    Oh, die Frage ist mir so ‘rausgerutscht, weil ich m.o.p.s
    (master of puppetz ? ) Beiträge so garstig fand.

    Mir haben die 28. Thesen gut gefallen, wollte wissen was andere dazu denken und bin so auf eurer Seite gelandet, die recht schnuckelig ist.
    Euren Negativen Nachmittag zum Thema “Was ist vernünftig” hätte ich
    gerne besucht. Hat jemand vielleicht die digitale Version von:
    -> Hegel, G.F.W. (1802): Wie der gemeine Menschenverstand die Philosophie nehme, dargestellt an Werken des Herrn Krug

    Enfant Perdu

    Verlorner Posten in dem Freiheitskriege,
    Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus.
    Ich kämpfe ohne Hoffnung, daß ich siege,
    Ich wußte, nie komm ich gesund nach Haus.

    Ich wachte Tag und Nacht - Ich konnt nicht schlafen,
    Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar -
    (Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven
    Mich wach, wenn ich ein bißchen schlummrig war).

    In jenen Nächten hat Langweil’ ergriffen
    Mich oft, auch Furcht - (nur Narren fürchten nichts) -
    Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen
    Die frechen Reime eines Spottgedichts.

    Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme,
    Und nahte irgendein verdächt’ger Gauch,
    So schoß ich gut und jagt ihm eine warme,
    Brühwarme Kugel in den schnöden Bauch.

    Mitunter freilich mocht es sich ereignen.
    Daß solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut
    Zu schießen wußte - ach, ich kann’s nicht leugnen -
    Die Wunden klaffen - es verströmt mein Blut.

    Ein Posten ist vakant! - Die Wunden klaffen -
    Der eine fällt, die andern rücken nach -
    Doch fall ich unbesiegt, und meine Waffen
    Sind nicht gebrochen - nur mein Herze brach.

  40. 40 M.o.P 12. Feb 2008 um 16:56

    »Garstig« zu reagieren dürfte schon mal angebracht sein, denn es war keinesfalls grundlos und inzwischen ist ja wohl mein Anfangsverdacht hinreichend bestätigt worden. Es ging den »Nachgefragts«, »susannes« und »si tacuisses« von vornherein darum, die 28 Thesen der FuFdKG vor der Kritik des »enfants perdus«-Textes abzuschotten und dafür sind die üblichen Finten eingesetzt worden: Themenverschiebungen, schlechte Abstraktionen und v.a. Personalisierung.

    Je mehr diese Leute geschrieben haben, um so stärker wurde mein geäußerter Anfangsverdacht erhärtet, was ich gerne noch einmal an zwei Punkten plausibilisieren möchte (evtl. verwende ich dafür ein paar Zitate, die, wie das beim Zitieren üblich, oh je!, aus dem Zusammenhang gerissen werden – aber »si tacuisses« liegt ja sicherlich schon auf der Lauer, um diese üble Zitierweise aufzudecken).

    1. Simulation und Personalisierung:
    Schon in seinem zweiten Beitrag eröffnet »Nachgefragt« mit einem Personalisierungsspektakel: »Stuttgarter Philosophie-Studenten« (Nachgefragt). Zweck der Übung war es wohl, schon von vornherein auf die Kritikformulierer_innen als Personen abzuzielen. Dieses Vorgehen ist ähnlich, wie das Töten des Überbringers einer schlechten Nachricht, mitsamt dem ganzen Fetischismus, der damit verbunden ist: als ob dadurch die Nachricht selbst erledigt wäre. Analog dazu ist der immer weiter getriebene Popanz von angeblichen »Student_innen« zu sehen (für das auch noch in ahistorischer und prosituationistischer Weise ein Situationistentext rekuperiert werden musste; die damalige Tragödie zw. 1966-68 wird durch die Rekupteration zur Farce). Dabei musste die Kritik der »enfants perdus« zuerst in die Simulation »studentisch« überführt werden, um dann in fetischistisch-personalisierender Manier die Wahrheitsfähigkeit der Kritik, welche die »enfants perdus« formuliert haben, davon abhängig zu machen. Ob die Kritik der »enfants perdus« wahr oder falsch ist, das wäre allerdings zu prüfen (dies blieb bisher aus; es wurden äußerlich angelegte Meinungen kundgetan, die auch noch in fetischistischer pars-pro-toto-Manier dafür herhalten sollten, die von den »enfants perdus« geäußerte Kritik in Gänze in Frage zu stellen). Ganz allgemein hängt die Wahrheit einer Kritik selbstverständlich nicht davon ab, wer sie formuliert; doch zeigt diese Taktik von »Nachgefragt«, »si tacuisses« und »Savo Vasic« wie manisch sie doch alles dafür tun, ein Abwehrspektakel vor den 28 Thesen aufzubauen, mitsamt den dafür notwendigen Zerrspiegeln (»Spektakel« von lat. speculum, der Spiegel; die damit zusammenhängende puerilisierende Spieß-Herumdreherei hatte ich ja schon mal benannt).

    2. Themenverschiebung und schlechte Abstraktionen:
    Auf »Susannes« Themenverschiebung habe ich schon ausreichend hingewiesen, schauen wir uns doch das Vorgehen von »si tacuisses« an. Ging es mir am Beispiel »Baum« (das nicht von mir eingebracht wurde, sondern das »Nachgefragt« zunächst in polemischer Absicht angeführt hatte, um danach so zu tun, als ob er ein ernsthaftes Erkenntnisinteresse verfolgt habe) darum zu zeigen, dass das bloße Wort »Baum« erstens gar kein Begriff ist, es aber zweitens zu einem werden kann, wenn es als ein Verhältnis z.B. zu Gegenständen, zu anderen Begriffen etc. reflektiert ist, wobei sich ein begrifflicher Prozess einstellt, wenn erst die Verhältnismäßigkeit eines Begriffs erkannt ist. Das hat übrigens nichts mit Relativismus zu tun, wie »si tacuisses« gleichmal unterschiebt und außerdem ist ein »Verhältnis« nicht synonym zu einer »Relation«, wie er meint (bei einer Relation sind die Entitäten die in Beziehung stehen nicht miteinander, mit ihrem jeweiligen Anderssein und mit sich selbst vermittelt, bei einem Verhältnis schon; Relationen sind insofern äußerliche Beziehungen). »si tacuisses« sieht von der Darstellung ab und verschiebt das Thema schlecht abstrakt auf die Frage, was ein Begriff selber sei; d.h. er zieht den Gegenstandsbereich ab und kleidet die Frage des Begriffs in eine – von ihm wahrscheinlich aus Uniseminaren mitgeschleifte – »blutleere« Formel. Selbstverständlich zeichnen sich Begriffe durch »Bestimmtheit« aus, wie »si tacuisses« sagt, nur vergisst er in seinem blasierten Positivismus dabei zu erwähnen, dass sie zunächst alltagsreligiös und fetischistisch bestimmt sind und es also der Kritik bedarf diese Bestimmtheiten zu hinterfragen. Nachdem er jener Darstellung einen fast schon postmodernen Begriffsrelativismus untergeschoben hat, verschiebt er unter dieser Voraussetzung das Thema ein weiteres Mal, um den von ihm konstruierten Begriffsrelativismus mit der Shoah in Verbindung zu bringen. Dabei hatte niemand behauptet, dass die Shoah ein Begriff sei; Shoah wird als Chiffre gebraucht, für die historische Katastrophe; Adorno spricht von der »Chiffre Auschwitz« und die »enfants perdus« übersetzten Shoah als »die Katastrophe«.

    Es ließe sich noch mehr anführen, z.B. das scheinheilige Einklagen von fehlenden »Diskussionen« oder »Debatten«, die ja von eben jenen Ressentimentschleudern von Anfang an torpediert worden sind. »si tacuisses« spricht inzwischen selbst meinen Anfangsverdacht offen aus: »vielleicht sind diese thesen ja nicht nur für leute verfasst, die kommunisten sind, oder für kommunisten die dies noch nicht so gesehen haben.« Man höre die Kirchenglocken. Es geht also um Mission und dafür kommt nun mal eine kritische Auseinandersetzung ungelegen; die 28 Thesen, die jenen Leuten wohl als Offenbarung gelten, müssen mit den genannten Mitteln vor Kritik geschützt werden. Die 28 Thesen haben wohl ihre missionarischen Eiferer gefunden.
    Eine wirkliche Kritik am »entfant-perdus«-Text steht jedenfalls noch aus.
    Wenn es so weit ist, werde ich mich wieder einklinken,
    bis dahin tschüss,
    eure m.o.p(pelkotze)

  41. 41 Hermann G. 13. Feb 2008 um 14:47

    Personalisierungsspektakel (…) Töten des Überbringers (…) Fetischismus (…) Popanz (…) ahistorischer und prosituationistischer (…) Farce (…) fetischistisch-personalisierender Manier (…) fetischistischer pars-pro-toto-Manier (…) manisch (…) Abwehrspektakel (…) Zerrspiegeln (…) puerilisierende Spieß-Herumdreherei (…) verschiebt das Thema schlecht abstrakt (…) aus Uniseminaren mitgeschleifte (…) »blutleere« Formel (…) blasierten Positivismus (…) alltagsreligiös und fetischistisch (…) postmodernen Begriffsrelativismus (…) Begriffsrelativismus mit der Shoah in Verbindung zu bringen (…) scheinheilige Einklagen (…) Ressentimentschleudern (…) als Offenbarung gelten (…) missionarischen Eiferer.

    Das Wesentliche aus obigem Beitrag.
    Bloss weil man eine Sache repetiert und mit allerlei schlimmen Attributen versieht, wird sie nicht wahrer.

  42. 42 gelangweilt 14. Feb 2008 um 13:43

    Nachgefragt etc.,
    meine Genossen sind anscheinend zu freundlich um es euch begreiflich zu machen: Wir wollen nicht endlos eure paranoiden Ideen von was die Unileute/Antideutschen/Philosophen sind sondern die Enfants Perdus-Thesen diskutieren. Ihr wollt das anscheinend verhindern. Warum?

  43. 43 Corto 14. Feb 2008 um 14:56

    @gelangweilt

    Wir wollen nicht endlos eure paranoiden Ideen von was die Unileute/Antideutschen/Philosophen sind sondern die Enfants Perdus-Thesen diskutieren. Ihr wollt das anscheinend verhindern. Warum?

    wie sollen sie das denn verhindern? “Wir” bzw Du willst diskutieren? Dann tus doch. Schließlich können die angeblichen Diskussionsverhinderer ja nicht verhindern das Du einen Beitrag zum Text schreibst.
    Das würde hier wohl schon weiterhelfen, weil es bisher einen solchen tatsächlich nicht gab.

    Zum Schluß noch was zur Form der Postings:
    die schenken sich nämlich nichts. Tatsächlich werden bestimmte Stilmittel von allen Kontrahenten verwendet. Der Vorwurf ein verblödeter Student zu sein auf der einen, die Unterstellung etwas aus Uniseminaren mitgeschleift zu haben auf der anderen.

    Klar, wo man sich nichts zu sagen hat spielt es vielleicht auch keine Rolle in welcher Form man das tut. Wer Interesse an einer Diskussion hat tut aber meiner Meinung nach sicher gut daran sich auf den geschriebenen Text zu konzentrieren und auf Spekulationen über Studium, Seminare uä zu verzichten.

  44. 44 axed back 19. Feb 2008 um 14:31

    das beste posting war von dem enfant perdu heinrich heine (dank dir surfer!!).
    „ich wachte tag und nacht .. wie in dem lagerzelt der freunde schar“ – aber anders als zu zeiten des genossen h. h. wurden die enfants perdus während der vergangenen 2 wochen nur hingehalten von dem geräusch — war es wirklich nur das schnarchen oder sollte es doch noch sowas wie das crescendo von etwas anderem gewesen sein? — aus der ecke der falschen freundinnen &freunde der freundinnen&freunde der klassenlosen gesellschaft, und nicht nur genoss_in „gelangweilt“ und andere an einer debatte der thesen interessierte „hat lang’weil ergriffen., –, während die matten, inhaltslosen abwehrreflexe à la spiessumdreherei seitens „nachgefragt“ nicht gerade furchtergreifend kamen. dabei hatten wir uns wenigstens noch gefreut auf einen etwas schrilleren abgesang der Gauche (frz.: = linke; dt.: = kuckuck, narr, tölpel, betrogener, armer tropf, „armer gauch“. – dazu Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache: „Der Kuckuck gilt als töricht, wohl wegen seines eintönigen Geschreis“. höflich vermittelnd sagen wir zu beiden formen hier : „gauchistes“): nicht bestätigt hat sich indessen, „dass solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut zu schiessen wusste“.
    gleichfalls? die enfants perdus haben ja garnicht jedesmal gleich sehr gut getroffen, aber sie haben auf schwachstellen der 28 thesen gezielt. ihre kritik nimmt die kosmoproletenthesen lediglich inhaltlich-kritisch-solidarisch beim wort: gegen die heilige allianz der linken vom heiligen damm mit der rechten vom heiligen reich (die große präventive allianz gegen alles was krieg den deutschen zuständen bedeuten könnte; alles was proletarische selbstorganisierung für den communismus heissen kann, kurz, gegen alles was von rechts UND VON LINKS als „antinational“, „antideutsch“, antivolksgemeinschaftlich und gemeinschaftszersetzend ausgemacht wird); d.h. gegen die in „der linken“ verbreitete postoperaistische ideologie als legitimations-soße der anti-emp-bewegung, dieses „radikalen“ pseudosubversiven reformismus der aktuellen staatlichen prävention gegen revolutionäre selbsttätigkeit – theoretische wie organisatorische — der proletarisierten, dagegen versuchen die polemischen bemerkungen der enfants perdus entlang den 28thesen offene flanken zu benennen bzw. zu schliessen und die communistische kritik am antiglob-spektakel aktuell scharf zu machen. wenn sie dabei mit abgestumpftem, inkohärentem und inkonsequentem in den 28thesen ins gehege kommen, deren bakuninistische und operaistische grundlagen aufzeigen können und ihrerseits die abstraktheiten in konkretionen zu treiben versuchen, dann musste sich auf diese kritikpunkte schon im einzelnen eingelassen werden anstatt sie pauschal als „absurd“, „philosophischen bluff“, „akademisch“ usw. usf. abzutun.
    diejenigen welche eine debatte der 28thesen wirklich wollen, also theoretischen streit, und sich deshalb was zu sagen haben, tun gut daran sich auf den text zu konzentrieren, d.h. auf seine wesentlichen kritikpunkte. das dürften folgende sein:
    1. enfants perdus bemängeln die leere abstraktheit, was den appell zur revolutionären association der communist_innen betrifft, und zwar auf cosmo- wie auf proletarischer klassen-ebene. sie kritisieren den verzicht auf den versuch der vermittlung zwischen eigenständiger theorie und praxis, entscheidend den verzicht auf das benennen der selbstorganisierung theoretischer praxis (praxis-der-theorie) IN DER KLASSE SELBST. das hänge direkt zusammen mit der beschworenen angeblichen trennung der communist_innen von der klasse, deren teil sie aber selber sind. dadurch entstünden falsche avantgarde-vorstellungen, die dann durch verschämten leninismus-„voluntaristisch“ oder als selbstbild von den operaistischen „unsichtbaren piloten der revolte“, also bakuninistisch bewältigt werden sollen.
    2. enfants perdus kritisieren den bruch in der darstellung der arbeiterbewegung: reduktion auf „milieu“, das „abgeschliffen „ worden sei und zur „nahezu“ perfekten integration in einen sozialstaat geführt habe, einerseits (also der akzent auf klassenloser gesellschaft, weil das arbeitermilieu sich hat einbinden und aufsaugen lassen), dann aber gewissermaßen einen tendenziellen fall des bösen in der arbeiterklasse, der schliesslich doch DAS proletariat auftauchen lässt, „das für seine selbstaufhebung bereits weltweit kämpft“ (also wiederkehr der klassengesellschaft mit verschärftem klassenkampf). die enfants vermissen auch hier angesichts dieses angenommenen historischen wunders die konkreten vermittlungen: wie soll der ungeheuerliche bruch, der mit dem NS und der shoa historisch im bisherigen resultat der klassenkämpfe eingetreten ist und der postnazistisch die alltagsreligion des verkehrten antikapitalismus, nämlich den antisemitismus weltweit, aber am stärksten im postnazistischen „deutschland“, verschärft hat und als fetischistische massenstimmung mit tendenz zur „konformistischen revolte“ weltweit verschärft, plötzlich unmaßgeblich oder unerheblich für die konkrete revolutionspraxis für den communismus geworden sein? so weggebügelt liest es sich aber in den 28thesen, so bruchlos wird darin die geschichte der modernen klassengesellschaft erzählt. wie soll subjektiv die ambivalenz der proletarisierten, der potenziell revolutionären klasse selbst, einerseits zu konterrevolutionärem mob oder spiessertum zu verkommen, andererseits in communistoide elemente sich zu entwickeln, mehr als spontaneistisch-attentistisch (=bloß abwartend) zu behandeln sein? angesichts dieser ambivalenz (marx: gesetz der wachsenden akkumulation von elend, arbeitsqual, unwissenheit und moralischer degradation usw. auf dem gegenpol der kapitalakkumulation) des proletariats könnte der not-wendige übergang von der klasse-an-sich zur klasse-an-und-für-sich und zur selbstaufhebung des proletariats und aller klassengesellschaft nur durch die herausbildung einer selbstorganisierten „klasse des bewusstseins“ aus der ungeheuren mehrzahl der proletarisierten möglich werden. das ist sicherlich die zentrale these der enfants perdus, die sie immer wieder argumentieren. und diese überlegung soll „absurd“, „akademisch“ oder „bluff“ sein ?
    3. enfants perdus insistieren auf die kollektive konkretisierung der übergangsmöglichkeiten bzw. notwendigkeiten für communismus weltweit – weil die abstrakte forderung letzten endes doch wieder schlecht minimalistisch (reformistisch) und/oder schlecht maximalistisch (utopistisch, unrealistisch) in falscher „realpolitik“ steckenbleiben müsste. d.h. es ist endlich in den proletarischen dialog, die communistische kommunikation zu gehen, und das sei genau die theoretische praxis entlang derer sich proletarische selbstorganisierung jetzt nur weiter entwickeln könnte. sich stattdessen auf den „gemeinsamen erfahrungsgrund“ und irgendwelche linken gefühlslagen in der klasse zu beschränken, sei nicht nur dumpfe volkstümelei bzw. romantischer arbeiterismus, sondern liefere sogar unterschwellig ein weiteres spektakuläres bild der neo-wobblies-aktivistInnen, das sich vom antiglob-typus der spektakulären repräsentation im grunde nicht mehr unterscheide. besetzt eure betriebe und vernetzt euch alle irgendwie, kommunisiert die ganze welt! ihr braucht keine zeile von marx zu lesen und werdet stattdessen durch die richtige aktion die besten kommunistInnen sein! zum glück ist es ja leichter „den kapitalismus“ zu kritisieren als den kommunismus abzulehnen … und ähnliches derartiges wishful thinking halten die enfants perdus an den 28thesen für unverantwortlich und nach allem was wir geschichtlich hatten für abgrundtief verblendet. wer so „denkt“, ist an nichts weiter als „bewegung“, „vernetzung der linken“ und „linker gemeinschaft“ interessiert, aber offensichtlich nicht an der bewältigung des bürgerkriegsartigen übergangs zu communistischer produktion und verteilung, deren möglichkeiten kollektiv wissenschaftlich (d.h.: weder akademisch noch gefühlssozialistisch) erschlossen, debattiert und praktisch neu erfunden werden müssen. deswegen klagen die enfants perdus genau das als aktuellen gegenstand communistischer debatte ein, was den proletarisierten niemand ersetzen, überspringen oder abnehmen kann, was aber die 28thesen gerade an marx’ theoriegrundlage scheisse finden: die konkreten fragen der ökonomischen und politischen übergangsformen aus der kapitalistischen in eine communistische gesellschaft aufzuwerfen (theoretische und praktische kritik der politischen ökonomie). genau deshalb provozieren die enfants gerne mit dem, wovor die 28 thesen feige und verlogen kneifen: der frage der revolutionären antistaatlichen diktatur des proletariats, der macht- und herrschaftsform (ungeteilte generalisierte selbstverwaltung der frei assoziierten individuellen und gesellschaftlichen produzent_innen) über die konterrevolution, zwecks durchsetzung der notwendigen umwälzungen zur klassenlosen gesellschaft. ebenso sind die ökonomischen übergangsformen, d.h. die gesamtgesellschaftlich bewusst geplante verteilung der notwendigen arbeitsquanta auf die arbeitsfähigen individuen der cosmo-commune realistisch zu regeln, wohlfeile slogans wie „luxus für alle“, „abschaffung der arbeit“ usw. kommen der communistischen gesellschaft ebensowenig auch nur einen flohsprung näher wie die beschwörung von mehr und noch mehr „demokratisierung“. die enfants kritisieren also offenherzig, dass die 28 thesen noch immer auf dem niveau des idealistischen geschwätzes der linken kleben bleiben, die doch eigentlich radikal kritisiert und in revolutionäre klassenkämpfe aufgehoben werden soll.
    4. mit der linken abstraktheit und abgehobenheit von den konkret sich stellenden aufgaben für eine communistische selbstorganisation der klasse der proletarisierten (d.h. aller die ihre arbeitskraft als ware verkaufen müssen und so in irgendeiner form das kapitalverhältnis reproduzieren, sowie denen, die sich noch nichtmal verkaufen können) hängen laut enfants perdus besonders gravierende aktuelle mängel zusammen: rückfall in anarchistische und linkskommunistische politik-abstinenz – illusionär, weil so oder so „realpolitisch“ agiert werden muss (nichts und niemand kann sich aus der sphäre von recht, staat und politik „heraushalten“, sondern jede_r geht damit bewusst oder unbewusst um), und es kommt für ein international sich organisierenmüssendes klassenbewusstes proletariat – seine communistischen segmente – auf die permanente intervention mittels REVOLUTIONÄRER REALPOLITIK an. (eine anmerkung hier, die von den enfants perdus nur eingangs angedeutet wird: so kranken ganz aktuell die 28 thesen daran, dass sie sich herauszuhalten versuchen aus dem schon laufenden weltbürgerkrieg der kapital- und staatengruppen, was schon im antifaschistischen weltkrieg gegen hitler &co das versagen der linkskommunistischen doktrinäre war. gegenwärtig drücken sich allerweltslinke in der regel vor der parteinahme für den staat israel gegen den eskalierenden antisemitismus und bemänteln dieses versagen angesichts der reaktionärsten kraft der bürgerlich-kapitalistischen welt dadurch, dass sie „den juden unter den staaten“( hans mayer) abstrakt mit jedem x-beliebigen bürgerlichen staat gleichbehandeln oder sogar zum größeren übel dämonisieren mitsamt den jüdischen staatsbürger_innen; den charakter der BRD/deutschEURolands jedoch, als bollwerk der konterrevolution im weltmaßstab, mitsamt den antisemitischen strömungen seines „klassenlosen“ staatsvolks bagatellisieren, normalisieren, relativieren und beschweigen, wobei die linkskommunistische optik, die auch in den 28 thesen dominiert, umgekehrt „die klasse“ veredelt, indem sie diese völlig abstraktifiziert und je nachdem als nichtexistent betrachtet oder homogenisierend überhöht. so wird es in den gesamten 28 thesen fertiggebracht, die frage der parteinahme für israel, an der sich heute sämtliche linken und dem anspruch nach revolutionären geister scheiden, nicht einmal zu erwähnen. gewissermaßen eine art lösung der israelfrage vorab.)
    5. enfants perdus kritisieren, wenn auch in einer nicht immer sehr klaren weise, die geschlossenheit und den mystizismus einer rede vom proletariat, die der widersprüchlichkeit dieser prozessierenden klasse begrifflich nicht entspricht, die kategoriale bestimmung dieser widersprüche stattdessen durch eine dunkle aber feste vorstellung mit wertungsakzent ersetzt. „ein offener begriff ist keiner“, basta – damit wäre die kategorie aber widerspruchslos, geschlossen, und könnte in ihren vielfältigen auseinanderschiessenden bestimmungen, möglichkeiten, wie auch in ihrem historischen entstehen bis in die jetztzeit garnicht begriffen werden. ebenso theorie-grundsätzlich greifen die enfants den dualismus an, den sie in der erkenntnistheoretischen vorgabe der 28thesen sehen: im apriori gegebensein des „standpunkts“, den der kosmoprolet in den angeblich von der klasse getrennten „versprengten“ avantgardist_innen verortet, während die klasse nur den „erfahrungsgrund“ haben könne, — darin sei der alte linke (neu)kantianische (halb-)agnostizismus auszumachen. so wie der determinismus – zum guten oder zum schlechten ausgang der klassen-geschichte – in der erzählung der 28thesen selbst schliesslich einer unverstandenen oder entstellten „notwendigkeit“ bei marx in die schuhe geschoben werde, während „notwendigkeit bei strafe des untergangs“ gerade in dessen theorie nicht als deterministisch zu begreifen sei.

    dass eine diskussion dieser oder anderer essentials der enfants an dieser stelle doch noch stattfinden könnte, ist weniger als unwahrscheinlich. um nochmal mit heine’s enfant perdu zu sprechen: „Ein Posten ist vakant!“ doch niemand fiel, und weder waffen der kritik noch herzen sind gebrochen, sie wurden hier einfach nicht gebraucht. auch ist ein weblog nicht der raum für kritisches kopfzerbrechen, der weg zur kritik der waffen durch eine klasse des bewusstseins verläuft dort, wo sich radikale bedürfnisse danach bemerkbar machen.
    o.k.,
    für enfants perdus dürften auch die blogmäßig spriessenden affekte neuer linker sammelbewegungen einen gewissen theoriepraktischen gebrauchswert haben von zeit zu zeit – damit der schlaf der vernunft uns nicht auch noch unser bisschen verstand auf dem felde der theoretischen praxis verlieren lässt. in diesem sinne allen falschen freund_innen als abschiedsgruß hier ein
    gauchheil!

    („Gauchheil, Ackergauchheil – anagallis arvensis: Der Name rührt daher, dass dieses Ackerkraut früher als Heilmittel gegen Geisteskrankheiten galt. Entsprechende regionale Bezeichnungen sind: Geckenheil, Narrenheil, Vernunftkraut, Wutkraut. “ KlugeEtymol.Wörterbuch. –- obs noch hilft?)

  45. 45 kati 20. Feb 2008 um 10:33

    es gibt nun den ganzen kosmoprolet nr. 1 bei den freundinnen zum runterladen: http://www.klassenlos.tk/manifest.php
    ein neues layout haben die auch auf ihrer homepage. wow.

  46. 46 kati 20. Feb 2008 um 10:44

    btw: zur dokumentation der haarsträubenden positionen (insbesondere was faschismus, (deutschen) nationalsozialismus und israel angeht) der freundinnen sei noch auf ihre “Die Rückkehr des moralisierenden Zuschauers” vom oktober 05 verwiesen.

    http://www.klassenlos.tk/kritik_BBZN.php

  47. 47 antikapl 26. Feb 2008 um 22:32

    @ axed back:

    Verstehe ich dich richtig, wenn du unter “revolutionärer Realpolitik” aktuell die Parteinahme für Israel verstehst?
    Wenn ja, scheint mir deine Begründung für diese Parteinahme darin zu liegen, dass die EU auf Antisemitismus bzw. Antizionismus (als staatlich transformierten Antisemitismus) basiert. Diese Begründung, wenn ich sie richtig verstanden habe, würde ich aus zwei Gründen kritisieren:

    1. Erscheint mir die Evidenz deiner Behauptung fragwürdig.

    2. Erscheint mir die Logik, die richtige Konsequenz aus der Ablehnung einer Sache sei die Befürwortung des Gegenteils, ein bisschen einfach. Die würde nur Sinn machen, wenn Israel und alle anderen Staaten wesensmäßig vollständige Gegenteile wären. Dass dem so ist, würde ich, trotz der sicher vorhandenen Spezifika Israels, bestreiten.

  48. 48 axed back 3. Mrz 2008 um 02:09

    So sorry antikapl dass ich dein posting erst am wochenende gesehen habe, und dann habe ich es mir mit der Antwort nicht leicht gemacht, und es wurden 16 Seiten bis ich das gedanklich auf der Reihe hatte, besonders die „Geschichte der revolutionären Realpolitik ab der Ära MarxBakunin bis zur PostNSÄra“. Das kann ich natürlich nicht posten, hier habe ich nochmal neu angesetzt, immer noch zu lang für nen weblog. Aber das muss jetzt sein.
    Ja: Parteinahme für „den Juden unter den Staaten“ solange ein Staat für alle „jüdischen Bürger“ in einer noch immer und sogar zunehmend antisemitischen Welt notwendig ist. (Ihre bürgerliche Emanzipation, ihr Bürgerrecht in die bürgerliche Staatenwelt mussten sich die jüdischen Menschen schliesslich überhaupt erst mit der Waffe erkämpfen, sonst wären sie vielleicht schon völlig vernichtet worden. Deshalb geht es um mehr als ein pluralistisch-bürgerliches Zubilligen von staatlichem Existenz-Recht, es geht endgültig seit der Shoa um die physische Notwendigkeit. Diese wird geleugnet durch die Verfälschung der Antisemitismusfrage in eine „Judenfrage“ und des Antizionismusproblems in ein „Palästinenserproblem“. Niemand, am wenigsten Israel, hat die arabischen Regimes gezwungen, die Palästina-Araber_innen jahrzehntelang in Lagern zusammenzupferchen, sie zu einem „palästinensischen Volk“ zu konstruieren und ihre revanchistischen Heimatvertriebenenverbände gegen „die Juden“ in Stellung zu bringen. Die linke „Parteinahme für die Palästinenser“ ist nicht mal naiv-humanitär, sie ist im Ansatz apologetisch gegenüber dem „weg mit Israel!“-Motiv).
    Es geht nicht um Instrumentalisierung Israels „gegen meinen Feind“ sondern um das Antisemitismusproblem: Weil die „kapitalistische Alltagsreligion“ (Marx, Adorno) diese spezifische Form von Antikapitalismus, Antiimperialismus und zugleich Anticommunismus täglich und stündlich hervorbringt und sie vom strukturellen, latenten und manifesten bis zum eliminatorischen Massenwahn immer wieder durchbricht, bedingen sich ernstgemeinte, nicht nur Symptome bekämpfende Kritik des Antisemitismus („die Kritik des Scharfrichters“, so Marx) und radikale Kritik der kapitalistischen Produktionsweise wechselseitig: konkrete Parteinahme für Israel schliesst damit konkrete Parteinahme für den „Communismus als die wirkliche Bewegung die den jetzigen Zustand aufhebt“ ein: für den Parteibildungsprozess des Proletariats „im großen historischen Sinne“ (Marx), für „die destruktive Partei“ (MEW2:37), die Partei der Negation in den menschenverachtenden Gesellschaftsordnungen. Ihre Negation der Negation ist theoretische und praktische Kritik einer Welt, in der Existenzbedingungen und Individualitätsentwicklung massenweise durch Klassengesellschaftsverhältnisse negiert werden, sowie einer Welt, in der „Auschwitz und ähnliches“ nicht nur möglich wurde sondern sich zu wiederholen droht. Und dann gibt es noch den zivilisationshistorischen Zusammenhang, dass sowohl die „Judenheit“ (Arnold Zweig) als auch die communistische Revolution einen besonders hohen Anspruch auf diesseitige Erlösung (im messianischen, nicht missionarischen Sinne) entwickelt haben, und dass diese Entwicklungsperspektive gerade im Bruch der Geschichte als Emanzipationsgeschichte, im Abbruch des bisherigen communistischen Projekts und sogar im weitgehenden Vernichtungswerk an den jüdischen Menschen geendet hat, was ebenfalls miteinander zusammenhängt (das Scheitern der communistischen Revolutionsbewegung in Europa mit ihrem Versagen angesichts des Antisemitismus und der Vernichtung der Juden in Europa). Schon deshalb ist die Parteinahme für Israel für Communist_innen nicht als Instrumentalisierung für den Kampf gegen „meinen Feind“ möglich.
    Auch wenn die EU auf Antisemitismus/Antizionismus basieren würde – das wäre aber eine sehr unmaterialistische Einschätzung, denn sie basiert auf kapitalistischer Reproduktionsweise und ihrer Stellung im Weltmarkt, was nicht notwendig zum Ausagieren antisemitischer Ideologie und antiisraelischer Politik führen muss –, wäre das noch kein eigenständiger Grund dafür, Israel allein deshalb zu unterstützen. Die Parteinahme für Israel ist allererst eine historische und ethische. Egal ob communistisch, politisch links oder rechts – wer anstatt der ethisch-moralischen Entscheidung, Israel prinzipiell gegen die unbewusst oder bewusst antisemitisch motivierten Angriffe zu verteidigen, stattdessen die Entscheidung wählt, Israel erst mal lieber im Einklang mit seinen antisemitischen „Kritikern“ zu „kritisieren“ – ich spreche nicht von der Kritik seiner konkreten Politik durch Bürger Israels selbst – macht sich durch diese Sprecherposition der Apologetik schuldig, zumal wenn dann im gleichen Zuge linke Verteidiger Israels bezichtigt werden, sie würden aufhören links zu sein, Communist_innen würden Klassenverrat begehen usw., weil Israel ja ein bürgerlicher Staat und seine Politik ja keine linke ist. Es wird ihnen (ich transformiere die Einfühlung in den gesamtlinken CommonSense jetzt mal vereinfachend herunter aufs gefühlslinke Reptilienhirn:) reflexartig unterstellt, sie wollten „jüdische Verbrechen“ leugnen oder bagatellisieren, sich blind machen gegen „die Opfer“ („die Juden der Juden“), sich auf die Seite „der Täter“ stellen und auf den Fittichen des US-Imperialismus an der imperialistischen Weltherrschaft partizipieren usw. usf: leicht sind diese Stereotypen als Projektion im psychologischen Sinne zu erkennen. Wenn auf dieser Ebene dann mit Inbrunst positivistische Fakten- und Zahlen-, vor allem aber Bilder- schlachten (von den unschuldigen Kindern der Intifada usw.) gefochten werden, geht die ethische und historische Fehlentscheidung in diesem Engagement in der Regel völlig unter, gerät aus dem Blick, steht überhaupt nicht mehr zur Disposition. Wer dann nicht „die Linken“ in „Israelkritik“ überbietet, ist flugs als möchtegernbourgeoises, pro-imperialistisches Verräterschwein („Menschen gegen Schweine“) stigmatisiert, der letztinstanzlich „objektiv“ im Auftrag des Mossad unterwegs ist und mit dem “als Linke_r“ gar nicht erst mehr zu diskutieren ist.
    Die Logik „Feind meines Feindes = mein Freund“ und umgekehrt liegt auf einer anderen Ebene, die aber durchaus auch ihr Recht hat: dem der Politik und des Kriegs. „Revolutionäre Realpolitik“ muss jedoch keinen sozialen und politischen Feind des Proletariats zum „Freund“ umschönen, um notwendige strategische und taktische Allianzen mit ihm einzugehen, weil anders nicht der momentane Hauptfeind isoliert und besiegt werden kann. Das ist ein weites Feld (Clausewitz lesen!) und ist selbstverständlich auch bei der doppelten Parteinahme (für Israel, für den Communismus) praktisch zu erlernen; aber hier nur zum wesentlichen Unterschied beider Ebenen:
    Für das ethisch-moralische Parteiergreifen ist tatsächlich entscheidend, dass der Staat Israel die notwendig gewordene Konsequenz aus der Shoa und dem perennierenden Antisemitismus ist, darin ist er das „wesensmäßig vollständige Gegenteil“ aller Staaten vor und neben ihm. Egal ob bürgerlich-kapitalistisch, noch nichtmal rein bürgerlich (sondern vor-säkular), militarisiert oder mit dem Ölzweig … oder gar sozialistisch (staats-, kibbuzim-) dem Anspruch nach; und egal mit wem er sich verbündet hat. Diese Parteilichkeit ist unabhängig von der Option für den Communismus oder gegen ihn, fürs Proletariat-das-sich-selbst-aufhebt oder bloß für Demokratie und Menschenrechte, für oder gegen das Judentum als Religion, für oder gegen den Zionismus als Ideologie und Projekt: Wer grundlegend den Antisemitismus bekämpfen und die Konsequenzen aus der Shoa ziehen will, wird grundsätzlich Israel verteidigen, auch wenn er/sie sonst nichts kapiert. „Man soll die Dinge nicht unnötig kompliziert machen“ (Occam, Bruhn). „Sogar der einfachste Mensch kann ethisch komplett sein.“ (Goethe)
    Für das real-politische Parteigängertum des Communismus mit Israel spielt der besondere historische Charkter dieses Staates und dieser Gesellschaft nur die analytische und strategische Rolle, dass er für die Allianz im Weltbürgerkrieg (der bekanntlich schon längst läuft) der erste Posten ist, um den Weltbürgerkrieg in den offenen Klassenkrieg für die proletarische Weltrevolution umzuwandeln. Denn gegen die epidemische Fetischismusform des antisemitischen Antikapitalismus steht die Haltung zu Israel als Prüfstein für den Reifegrad des wissenschaftlichen Communismus wie als militante/militärische Bastion gegen die modernisierte Barbarei und die barbarische Antimoderne, die sowohl bürgerliche wie communistische Zivilisation zunichtemachen bzw. verhindern wird, wenn ihr die demokratisch-bürgerliche und communistisch-proletarische Einheitsfront nicht den Weg verlegt. So wie es schon einmal die AntiHitlerKoalition geschafft hat, in der natürlich der revolutionäre Teil des Proletariats , zusammen mit den kämpfenden jüdischen Kontingenten, überall im Untergrund die Hauptkraft, die Triebkraft war.
    Deshalb ist die Parteinahme für Israel auch dann für revolutionäre Realpolitik unbedingt geboten, wenn Israel durchaus klassenmäßig/ polit-ökonomisch kein wesensverschiedenes „vollständiges Gegenteil“ zu den normalen bürgerlichen Demokratien ist. Aber ebendeshalb ist diese Allianz auch nicht lediglich eine bloß taktische. Die Bewegung für den Communismus funktionalisiert Israel nicht. Beide Konsequenzen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsepoche, beide diesseitigen Macht-Projekte sind gewissermaßen „messianische Zwillinge“.
    Zu der Evidenz und Aktualität dieser Konstellation solltest du dir doch mal genau die Belege aus Anlass der Kampagne gegen das österreichische Nuklearisierungsgeschäft mit dem Iran reintun.

  49. 49 surfer 4. Mrz 2008 um 04:38

    Dieser Beitrag hat mindestens den Makel, daß er nicht mehr auf das dokumentierte Papier eingeht. Ich bin angetrunken, also ohne Disziplin.
    Ich bitte das zu entschuldigen.

    Axed back schreibt dies und das und ich bin einverstanden.
    Dies:
    Weil die „kapitalistische Alltagsreligion“ (Marx, Adorno) diese spezifische Form von Antikapitalismus, Antiimperialismus und zugleich Anticommunismus täglich und stündlich hervorbringt und sie vom strukturellen, latenten und manifesten bis zum eliminatorischen Massenwahn immer wieder durchbricht, bedingen sich ernstgemeinte, nicht nur Symptome bekämpfende Kritik des Antisemitismus („die Kritik des Scharfrichters“, so Marx) und radikale Kritik der kapitalistischen Produktionsweise wechselseitig: konkrete Parteinahme für Israel schliesst damit konkrete Parteinahme für den „Communismus als die wirkliche Bewegung die den jetzigen Zustand aufhebt“ ein: …..

    Das:
    … gegen die epidemische Fetischismusform des antisemitischen Antikapitalismus steht die Haltung zu Israel als Prüfstein für den Reifegrad des wissenschaftlichen Communismus.

    Aber jetzt fangen die Schwierigketien ja erst an!
    Kati hat diesen Link gebracht: http://www.klassenlos.tk/kritik_BBZN.php

    Welche Position ist denn deiner am nächsten? Die der Freundinnen der klassenlosen Gesellschaft, die von Biene Baumeister und Zwi Negator, oder die der Situationistischen Internationale?

    ( Ich hoffe meine Frage ist einigermaßen einleuchtend; falls nicht: einfach nicht antworten).

  50. 50 antikapl 4. Mrz 2008 um 23:41

    Hm, angesichts eines solch umfangreichen Textes fällt eine Antwort natürlich nicht leicht.

    Du hast ja im Grunde zwei Gründe genannt, warum man mit Israel solidarisch sein sollte:

    1. Aus historisch-ethnischen Gründen, also wegen der Bedingtheit Israels durch die Shoa und der fortlaufenden Bedrohung der “Judenheit”. Dieser Grund gilt auch für Nicht-Communisten.

    2. Gilt Israel gewissermaßen als Außenposten der Zivilisation, sowohl der bürgerlichen als auch der communistischen. Da diese aktuell v.a. von Islamismus und weiteren zivilisationsfeindlichen Strömungen, die mit ihm kooperieren, bedroht wird, stellt die Solidarität mit Israel eine Notwendigkeit dar, um dieser Bedrohung etwas entgegenzusetzen.

    Also dem 1. Punkt kann ich nur zustimmen. Wenn man die historische Entstehungsgeschichte betrachtet, gibt es keinen anderen bürgerlichen Staat, der eine ähnliche aufweisen würde. Kritiker Israels abstrahieren halt idR davon, bzw. machen Israel daraus sogar noch einen Vorwurf.

    Der 2. Punkt ist halt die Gefahr, dass er in blinde Affirmation vermeintlich progressiver Elemente des Bürgertums umschlägt.

    Du hast das Schlagwort “Weltbürgerkrieg” eingeführt und meinst damit wahrscheinlich so etwas von dem Kampf der progressiven gegen die reaktionären Kräfte, ähnlich wie im 2. Weltkrieg. Mir erscheint diese Dichotomisierung zu einfach und in gefährlicher Nähe vom bürgerlichen Schlagwort des “clash of civilizations”.
    Schon im 2. Wk. war es doch so, dass die Allianz, die gegen Hitler ins Schlachtfeld zog, mitunter nicht minder reaktionär als ihr Feind war und dass insbesondere der Nationalsozialismus zugleich progressive Elemente in sich einschloss. Beispiele dafür gibt es genug.

    Auf die heutige Situation bezogen, würde ich sagen, dass es den bürgerlichen Staaten generell schlicht nicht darum geht, die Emanzipation voranzutreiben, sondern ihre Machtinteressen auszubauen. Gegen den Iran geht man, wenn auch nicht geschlossen, vor. Saudi-Arabien, China und Russland (um nur ein paar Beispiele zu nennen), sind jedoch ganz reguläre Bündnispartner, denen man ihre antiemanzipatorischen Staatsprogramme mal locker absieht. Innenpolitisch wird fast ausnahmslos ein radikaler Abbau gerade an emanzipatorischen sozialen und staatsbürgerlichen Rechten betrieben.

    “Communistische Realpolitik” würde für mich daher gerade bedeuten, den “war on terror” in dem Sinne zu entzaubern, dass der Konflikt guter Westen gegen böser Islam letztendlich ideologisch ist, und sich nicht vor den Karren der rassistisch aufgeladenen Kriegspropaganda zerren zu lassen. Die gegenwärtige antideutsche Position finde ich demgegenüber schlichtweg lächerlich. Gerade so, als ob die imperialistischen Staatschef darauf warten würden, dass ein paar bedeutungslose linke Splittergruppen für sie und ihren Krieg Partei ergreifen. Aus einer solchen Vorstellung von “communistischer Realpolitik” hätte man doch, polemisch ausgedrückt, fast die Konsequenz ziehen müssen, nach Heiligendamm zu fahren und dort eine Solidaritätskundgebung mit der Außenpolitik der versammten Staatsrepräsentanten, die ja mehrheitlich gegen den Iran gerichtet ist, abzuhalten. (wie ich es oben ja schon mal geschrieben habe)

    Also ich denke, man muss als Communist letztendlich eine Art Fundamental-Skepsis an den Tag legen, was die derzeitigt objektive Tendenz des Weltlaufs betrifft. Den Glaube an eine Allianz der Progressiven, die den grundstock für eine Weltrevolution legen könnte, halte ich zumindest für viel zu optimistisch und dieser objektiven Tendenz unangemessen.

  51. 51 Anti-Noltistische Aktion 5. Mrz 2008 um 17:04

    Ich will nur einmal zu dieser Stelle etwas bemerken:

    “Schon im 2. Wk. war es doch so, dass die Allianz, die gegen Hitler ins Schlachtfeld zog, mitunter nicht minder reaktionär als ihr Feind war und dass insbesondere der Nationalsozialismus zugleich progressive Elemente in sich einschloss. Beispiele dafür gibt es genug.”

    Selten so einen antitotalitaristischen Schwachsinn gelesen! Und, “antikapl”, könntest du bitte einmal die “progressiven Elemente” der nazifaschistischen Barbarei benennen?

    Angesichts deiner Haltung zum “Juden unter den Staaten” will ich mit dem alten Hegel enden:

    “Die wirklichkeitslose schöne Seele, in dem Widerspruche ihres reinen Selbsts und der Notwendigkeit desselben, sich zum Sein zu entäußern und in Wirklichkeit umzuschlagen, in der Unmittelbarkeit dieses festgehaltnen Gegensatzes – einer Unmittelbarkeit, die allein die Mitte und Versöhnung des auf seine reine Abstraktion gesteigerten Gegensatzes, und die reines Sein oder das leere Nichts ist – ist also als Bewußtsein dieses Widerspruches in seiner unversöhnten Unmittelbarkeit zur Verrücktheit zerrüttet, und zerfließt in sehnsüchtiger Schwindsucht. Es gibt damit in der Tat das harte Festhalten seines Für-sich-seins auf, bringt aber nur die geistlose Einheit des Seins hervor.”

  52. 52 antikapl 5. Mrz 2008 um 18:05

    @ AN-A:

    “Selten so einen antitotalitaristischen Schwachsinn gelesen! Und, “antikapl”, könntest du bitte einmal die “progressiven Elemente” der nazifaschistischen Barbarei benennen?”

    Die große Widersprüchlichkeit der nazifaschistischen Barbarei besteht doch gerade darin, dass sie ihre reaktionären Ziele mit absolut progressiven Methoden verfolgte. So habe ich das gemeint, war vielleicht missverständlich formuliert.

    Andererseits muss man sich zu derselben Zeit nicht nur die Entwicklung in der SU, sondern auch die bei den westlichen Alliierten anschauen. Was haben die z.B. dazu beigetragen, die spanische Republik gegen Franko zu verteidigen? Was waren die Gründe der Appeseament-Politik? Wie groß ist der Unterschied zwischen Kriegsreden Churchills und Goebells (hinsichtlich ihrer formalen Gesichtspunkte)?
    Alles Fragen, die man mit einer simplen Dichotomisierung nicht lösen kann, denke ich. Bei der SU muss man ja denke ich garnicht erst anfangen, die “Errungenschaften” ihrer “antifaschistischen” Außen- und Innenpolitik aufzuzählen.

    Übrigens: ich nenne mich ab sofort “Anti-Horst-Mahlerische Allianz”.

  53. 53 AN-A 5. Mrz 2008 um 23:25

    “ihre reaktionären Ziele mit absolut progressiven Methoden”

    Elemente, Methoden… Du bist nicht sehr viel verständlicher geworden.

    “Was haben die z.B. dazu beigetragen, die spanische Republik gegen Franko zu verteidigen?”

    Immerhin Waffen, Offiziere, Interbrigadisten und vieles andere Nützliche gegen die Franquisten geschickt. Ken Loachs “Land and Freedom” sollte nicht unbedingt die einzige Informationsquelle sein, weshalb ich nur Broué/Témimes “Revolution und Krieg in Spanien” (Suhrkamp) empfehlen kann.

    “Wie groß ist der Unterschied zwischen Kriegsreden Churchills und Goebells (hinsichtlich ihrer formalen Gesichtspunkte)?”

    Was soll die hirnrissige Frage?

    “Alles Fragen, die man mit einer simplen Dichotomisierung nicht lösen kann, denke ich. Bei der SU muss man ja denke ich garnicht erst anfangen, die “Errungenschaften” ihrer “antifaschistischen” Außen- und Innenpolitik aufzuzählen.”

    Eine vage Andeutung jagt die nächste. - Wenn du diese Fragen nicht ernsthaft diskutieren willst, brauchst du sie auch erst garnicht aufzuwerfen.

    “Übrigens: ich nenne mich ab sofort “Anti-Horst-Mahlerische Allianz”.”

    Wäre begrüßenswert, schließlich ist ein Horst Mahler auch Antikapitalist.

  54. 54 Horst 6. Mrz 2008 um 00:53

    Teilt ihr dann mit, wie es auf dem Grund aussieht?

  55. 55 AN-A 6. Mrz 2008 um 01:53

    “Immerhin Waffen, Offiziere, Interbrigadisten und vieles andere Nützliche gegen die Franquisten geschickt. Ken Loachs “Land and Freedom” sollte nicht unbedingt die einzige Informationsquelle sein, weshalb ich nur Broué/Témimes “Revolution und Krieg in Spanien” (Suhrkamp) empfehlen kann.”

    Die Antwort war auf die SU bezogen. Ich habe in der Hektik deine Frage falsch interpretiert.

  56. 56 AN-A 6. Mrz 2008 um 02:14

    “I say to the House as I said to ministers who have joined this government, I have nothing to offer but blood, toil, tears, and sweat. We have before us an ordeal of the most grievous kind. We have before us many, many months of struggle and suffering.”

    http://www.historyplace.com/speeches/churchill.htm

    Den Goebbelsschen Arbeitsbegriff kannst du hier untersuchen:

    http://www.nationalsozialismus.de/dokumente/textdokumente/joseph-goebbels-rede-am-18021943-im-berliner-sportpalast-wollt-ihr-den-totalen-krieg-volltext

  57. 57 Horst 6. Mrz 2008 um 02:58

    Wenn du so informiert bist, weisst du aber bestimmt auch, dass im Zweibänder von Broué und Témine auch drin steht, was die sowjetischen Stalinisten mit den Milizen und Gruppen wie der POUM angestellt haben und was dies für Auswirkungen auf den Bürgerkrieg hatte.

  58. 58 AN-A 6. Mrz 2008 um 04:42

    Das ist mir sogar nicht nur aus dem genannten Text bekannt. Aus meinen knappen Anmerkungen geht überhaupt keine Apologie der stalinistischen Konterrevolution - die neben der millitärisch-technischen Überlegenheit der Falange eine Mitschuld an der Niederlage trägt - hervor. - Ich würde mich sonst auch wohl kaum auf ein ausgesprochen “anarchophiles” Buch beziehen.

  59. 59 bling 6. Mrz 2008 um 13:57

    Vorab eine Frage an den SZ: täusche ich mich oder entwickelt sich ein Teil von Euch so langsam aber sicher in Richtung Realpolitik? Irgendwie fallen mir immer wieder mal Artikel auf, die fast schon “katechistisch” sind - also kaum noch dem Anspruch gerecht werden sich in erster Linie durch Negation, durch fundamentale Kritik zu entwickeln. Vor allem von Biene Baumeister würde mich z.B. eine Positionierung zu dem geposteten Text interessieren - meines erachtens geht die gegenseitige Kritik innerhalb des SZ immer weiter zurück und werden Positionen nach aussen getragen, die sonst vom SZ eigentlich kollektiv kritisiert wurden…
    Die von vielen vorrausgesagte Entwicklung zur Sekte scheint tatsächlich voranzuschreiten …

    Der eigentliche Anlass meines Postings:
    Jetzt ist mir doch gerade ein Licht aufgegangen! Ich habe mich schon desöfteren gefragt, weshalb die Verrückten vom SZ eigentlich immer andere Homepages mit ihrem geistigen Müll überschütten (”…die RAS schreibt Listen wer auf bestimmte Veranstaltungen geht” / “…es hat den anschein, dass die ras sich jenem annehmen will, das deren großeltern nicht vollendeten…” / “…wo ist denn das umjubelte und ominöse Kurdistan…” / usw. usf.). Jetzt ist es mir klar geworden: Wenn ihr euch nur auf auf eure eigene Homepage beschränken würdet wäre das ja viel zu langweilig. Es interessiert schließlich kaum jemanden was hier so für Absurditäten veröffentlicht werden - und ganz ohne die blöden Szenis ist es halt auch öde, gell. Die paar Freaks die hier nach sinnvollen Debatten suchen merken in der Regel schließlich bereits nach kurzer Zeit dass die hier nicht zu finden sind und verdrücken sich peinlich berührt wieder. Selbst Egozentriker wie Herr von und zu Baumeister scheinen ja schon keinen Bock mehr auf ihren eigenen pöbligen Anhang zu haben und suchen lieber bei der Linken Hochschulgruppe nach Anerkennung. Nur noch ein paar KämpferInnen des SZ die sich mit ihrem Verein noch identifizieren führen ihre eklektischen Ausflüge in die Sphären diverser Theoriegewirren auf der eigenen Homepage fort und sind froh über jede arme Seele die sich hier hin verirrt.

    Zum Glück seid ihr bei Infoladenludwigsburg.de.am so willkommen, schließlich hat die Polarisierung der Stuttgarter Szene bisher ziemlich gut getan. Auf der einen Seite ein paar Figuren die geifernd und wirr nichts als als Kritik getarnte dämliche Behauptungen und Beschimpfungen von sich geben (und damit glücklicherweise “viele” von denen die auf so was abfahren zumindest mal davon abhalten andere durch ihre Anwesendheit damit zu nerven). Auf der anderen Seite die die nun in Ruhe ihrer politischen Arbeit nachgehen können ohne durch ätzende Reibereien mit Leuten wie euch dabei behindert zu werden. Supi! Die Kommentare bei Infoladenludwigsburg werden übrigens öfter mal verlesen und sorgen auf so manchen Parties für Belustigung. Danke!

    Nur noch eine Bitte: macht doch wieder mal ein paar Veranstaltungen, die Polarisierung ist nur durch Kommentare im Netz nicht so gut aufrechtzuerhalten, als wie wenn Ihr auch als Verein noch ein wenig präsent seid. Es hätten doch beide Seiten was davon! Küsschen.

  60. 60 AN-A 6. Mrz 2008 um 14:58

    Wäre es möglich den Kommentar von diesem breitmäuligem Faselhans möglicherweise in die Kategorie “Über den SZ” zu verschieben? “Es sind dieselben Leute [Volksgenossen der “R”AS?], die unter dem Schein rastloser Geschwätzigkeit nicht nur selbst nichts tun, sondern auch zu hindern suchen, daß überhaupt etwas geschieht als - schwatzen; dieselben Leute, deren Furcht vor jeder Tat […] die Bewegung bei jedem Schritt hemmte und endlich zu Fall brachte; dieselben Leute, die nie Reaktion sehn und dann ganz erstaunt sind, sich endlich in einer Sackgasse zu finden, wo weder Widerstand noch Flucht möglich ist; dieselben Leute, die die Geschichte in ihren engen Spießbürgerhorizont bannen wollen und über die die Geschichte jedesmal zur Tagesordnung übergeht.” [Zirkularbrief an Bebel, Liebknecht, Bracke u.a.]

  61. 61 eisprinzessin 6. Mrz 2008 um 16:35

    nee, hier wird nix verschoben. der demontiert sich doch selber. (er konnte sich ja gerade noch verkneifen hier leute mit realnamen zu beleidigen, solange mach ich hier gar nix. und dann wird auch einfach nur gelöscht…)

    -die admin-ette.

  62. 62 bling 7. Mrz 2008 um 09:03

    @AN-A: Hey Stumpfi, lass dich doch von mir nicht so leicht provozieren, es ist mir ja jetzt schon fast ein wenig unangenehm dass du dich wegen meinem Kommentar hier so zum Deppen machst… aber mal im Ernst:
    Wenn man die Kommmentare aus eurer Ecke immer gleich in den entsprechenden Ordner z.B. bei InfoladenLB verschieben würde, müsste dort ja ein Ordner für “Peinliches” oder so ähnlich angelegt werden. Eure Seite von kritischen Kommentaren zu bereinigen würde euren Ansprüchen (negative Kritik, Diskussion über alles blabla) doch nun mal wirklich nicht gerecht werden.
    Übrigens: es gibt da so einen Zusammenhang zwischen Erkenntnis und handeln, eine Beschäftigung damit könnte aber dein Weltbild etwas ankratzen, also lass es lieber bleiben und dresch weiterhin einfach deine Phrasen. Oi.

    Liebe Eisprinzessin: bitte lösch mich nicht.

    Übrigens: ich warte noch auf eine Antwort auf mein Posting, das bisher war ja bissle schwach.

  63. 63 Corto 7. Mrz 2008 um 11:57

    @bling

    “Die Kommentare bei Infoladenludwigsburg werden übrigens öfter mal verlesen und sorgen auf so manchen Parties für Belustigung. Danke!”

    Die Belustigung auf euren Parties kommt dadurch zustande das ihr euch gegenseitig Kommentare vom Infoladen vorlest? Das müssen ja echt brutal traurige Veranstaltungen sein eure Parties.
    Aber wenn es euch tatsächlich Spaß macht: nur zu! Ist ja ein harmloses Vergnügen!

  64. 64 Ibsen 7. Mrz 2008 um 13:42

    @corto und alle anderen, denen es in den fingern juckt:

    Please do not feed the trolls!

  65. 65 antikapl 8. Mrz 2008 um 13:07

    @ AN-A:

    Vorneweg: ich halte die gleichsetzung unserer zeit mit der zeit von 1933-45 ohnehin für überhaupt nicht plausibel und da es mir v.a. darum geht, deine haltung zur jetzigen politik zu hinterfragen, ist es für meine argumentation eigtl unwichtig, wie es nun genau mit dem ns beschaffen war.

    Ich würde den Iran z.B. nicht mal als “faschistisch” bezeichnen, denn dort finden, wenn auch in eingeschränktem maß, immerhin wahlen mit mehreren Fraktionen statt, bei denen auch mal kandidaten, die eher kritisch zur Oberherrschaft der religiösen Führer stehen. Übrigens hat Ahmadinedschads Fraktion bei den letzten Kommunalwahlen ziemlich herbe Verluste erlitten. (vgl. der entsprechende wikipedia-eintrag)

    Trotzdem werde ich mich jetzt natürlich nicht so einfach aus der Affäre ziehen, sondern meine vorgebrachten Argumente schon verteidigen.

    Okay, der Reihe nach.

    Erstens ist es doch als Allgemeinplatz zu betrachten, dass der NS trotz seines ideologischen Antimodernismus in der Praxis genau das Gegenteil, nämlich eine Modernisierung aller Lebensbereiche vollzogen hat. So wurden z.B. die Massenmedien ausgebaut (Volksempfänger, Fernsehen), es wurde geplant, die zivile Motorisierung der Bevölkerung voranzutreiben (Volkswagen, Autobahnen) und selbst noch in den Konzentrationslagern ging man mit kühler technischer Rationalität vor. Es war ja nicht so, dass die führenden Nazis in der Mehrzahl irgendwelche idealistischen Trottel gewesen wären.

    Zweitens zum spanischen Bürgerkrieg:

    Soviel ich weiß (ich habe kein Buch zu dem Thema gelesen), haben sich die westlichen Mächte neutral verhalten und die SU hat mit ihrer “unterstützung” eher destruktiv gewirkt.

    Drittens zu den verlinkten Reden:

    Goebells bestreitet in seiner Rede doch garnicht, dass Deutschland schwierige Zeiten bevorstehen.
    Churchills Rede geht allerdings nach dem von dir zitierten Teil noch weiter (ich bin dir übrigens dankbar, dass du gerade diese Rede ausgesucht hast, denn genau sie war es, die mir sauer aufgestoßen ist):
    “You ask, what is our policy? I say it is to wage war by land, sea, and air. War with all our might and with all the strength God has given us, and to wage war against a monstrous tyranny never surpassed in the dark and lamentable catalogue of human crime. That is our policy.”

    Okay, damit hat er ja wohl Recht, was ich auch nicht bestreiten will. Andererseits ruft er ja hier auch zu einem Krieg mit aller Kraft auf. Im nächsten Satz bekräftigt er das nochmal mit der der 5-fachen Widerholung des Schlagworts “victory”:

    “You ask, what is our aim? I can answer in one word. It is victory. Victory at all costs - Victory in spite of all terrors - Victory, however long and hard the road may be, for without victory there is no survival.”

    Im nächsten Absatz wird dann klar, wozu dieser Sieg v.a. dienen soll: dem Erhalt des “British Empire”.

    “Let that be realized. No survival for the British Empire, no survival for all that the British Empire has stood for, no survival for the urge, the impulse of the ages, that mankind shall move forward toward his goal.”

    Für was stand denn das “British Empire” tatsächlich? Sicher nicht für irgendwelche utopischen Hoffnungen, wie Churchill es behauptet, sondern für jahrhundertelange Unterdrückung, Ausbeutung und auch Vernichtung von Millionen von “Untermenschen” (man lese nur mal “Tage in Burma” von George Orwell um sich über die Haltung damaliger Kolonialherren zu informieren).
    Hier wird gleichzeitig die Paralle zu Goebbels deutlich: das jetzige Leiden wird durch utopische Zukunftsversprechen, gekoppelt mit dem Verweis auf eine glorreiche Vergangenheit, gerechtfertigt. Dabei weiß jeder vernünftige Mensch, das beides gleichermaßen fiktiv ist.
    Oder würdest du heute George W. Bush glauben, wenn er Ähnliches verkünden würde? (ich weiß nicht, ob er das tatsächlich tut)

    “I take up my task in buoyancy and hope. I feel sure that our cause will not be suffered to fail among men. I feel entitled at this juncture, at this time, to claim the aid of all and to say, “Come then, let us go forward together with our united strength.”"

    Okay, die Formulierung “Wollt ihr den totalen Krieg” und die berühmten Fragen Goebells an das versammelte Publikum sind schon ganz anderen rhetorischen und sicher auch inhaltlichen Kallibers als die Aufforderung “Come then, let us go forward together with our united strength.” Trotzdem wird dadurch an sich Ähnliches beschworen: eine, über den Glauben an die glorreichen Werte des “Empire” gerechtfertigte, Volksgemeinschaft, die sich, über alle ges. Gegensätze hinweg, gegen einen gemeinsamen Feind zu stellen hat. Dieser Feind ist nun freilich real und keine bloß ideologische Fiktion wie das “Weltjudentum” und ähnliche Hirngespinste. Wie man sehen kann, neigen allerdings auch demokratische Politiker dazu, sich in Friedenszeiten irgendwelche Feinde zu erspinnen, wenn es keine wirklichen gibt.

    Angesichts der geradezu lächerlichen Bedrohung, die vom Terrorismus und dem Iran für die westliche Welt ausgeht, würde ich auch den Terrorismus als eine solche Phantombedrohung abtun (oder zumindest eine, die man ohnehin nicht mit dem demokratischen Mitteln adäquat bekämpfen kann), die schlicht und ergreifend den Zweck hat, die Identität der westlichen Nationen zu stärken und von realen Problemen abzulenken. Communisten sollten dieser Art projektiver Politik keinen Blankoscheck ausstellen, auch wenn sie der Verteidigung Israels dienen sollte.

  66. 66 AN-A 10. Mrz 2008 um 17:42

    @antikapl:

    „Ich würde den Iran z.B. nicht mal als “faschistisch” bezeichnen, denn dort finden, wenn auch in eingeschränktem maß, immerhin wahlen mit mehreren Fraktionen statt, bei denen auch mal kandidaten, die eher kritisch zur Oberherrschaft der religiösen Führer stehen. Übrigens hat Ahmadinedschads Fraktion bei den letzten Kommunalwahlen ziemlich herbe Verluste erlitten. (vgl. der entsprechende wikipedia-eintrag)“

    Hierzu möchte ich vorweg anmerken, daß ich mich nicht an dem täglich bis wöchentlich verschleuderten Müll der „anti“-“anti“deutschen BloggerInnenscheiße à la „Lysis“, „Narodnik“ und Konsorten orientiere.
    Solange sich eine oligarchische, islamitisch-klerikalfaschistische Theokratie [http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=434&print=] mit einem fraglos formell demokratischen Wahlsystem als Sicherungssystem des sozialen Friedens an der Macht halten kann, kann dieser Herrschaftsmodus – „plural in der Methode des Herrschens, einheitlich als Träger der staatlichen Herrschaft“ [Agnoli, Die Transformation der Demokratie] – intern und innerhalb der [Re-]Produktionstotalität des Weltmarktes weitaus stabiler bzw. effektiver sein. Dein Argument, daß im Iran immerhin Wahlen stattfinden, klingt im übrigen so, als ob jeder Staat ohne parlamentarisch-demokratische Ornamentik automatisch faschistisch wäre und nicht eventuell auch noch andere Kriterien [z.B. interklassistische, korporativistische Elemente, Arbeitsethos etc., vgl. den Reader von KP-Berlin zu Islamismus] in Betracht kommen könnten, die eine solche Attributierung zuließen. Inwiefern nun die innerhalb der Symbiose diverser Fraktionen etc. beliebig auswechselbaren Charaktermasken „eher kritisch“ – dieser Kritik auf eine Sorte bloßer Bemängelung reduzierende Kritik-Begriff ist unterhalb jeder Kritik – sein sollen, wenn sie mit den religiösen Oberhäuptern/Rechtsgelehrten, Achmannwasfüreinscheiß oder sonst wem über Hinrichtungsmethoden, Heiratsmarkt und Verschleierungsgebote, die antisemitischen/antizionististischen Vernichtungsdrohungen gegen den “Juden unter den Staaten” oder auch die alltäglichen Konditionen der Verwaltung kapitaler Herrschaft verhandeln, hast du auch nicht plausibilisiert.

    „Übrigens hat Ahmadinedschads Fraktion bei den letzten Kommunalwahlen ziemlich herbe Verluste erlitten. (vgl. der entsprechende wikipedia-eintrag)“

    Wieso sollten CommunistInnen am Wahlspektakel partizipieren? Oder steht aufgrund dieser angeblichen Consensus-Verschiebung im Iran wenigstens der Sturz des Mullah-Regimes bevor?

    „Erstens ist es doch als Allgemeinplatz zu betrachten, dass der NS trotz seines ideologischen Antimodernismus in der Praxis genau das Gegenteil, nämlich eine Modernisierung aller Lebensbereiche vollzogen hat. So wurden z.B. die Massenmedien ausgebaut (Volksempfänger, Fernsehen), es wurde geplant, die zivile Motorisierung der Bevölkerung voranzutreiben (Volkswagen, Autobahnen) und selbst noch in den Konzentrationslagern ging man mit kühler technischer Rationalität vor. Es war ja nicht so, dass die führenden Nazis in der Mehrzahl irgendwelche idealistischen Trottel gewesen wären.“

    Die Feststellung, daß die im Nazifaschismus implementierte „Rationalisierung des Irrationalen“ [Marcuse, Feinanalysen.Über die Deutschen] kein reiner Archaismus war, sondern vielmehr mit der Synthetisierung [eben nicht „das genaue Gegenteil“] von Mythologie u. Technologie, „Natur“ u. Mechanisierung, Metaphysik u. Sachlichkeit sowie „Seele“ u. Effizienz einherging, ist richtig: „Der Faschismus ist der technisch ausgerüstete Archaismus. Sein verfaulter Ersatz des Mythos wird im spektakulären Zusammenhang der modernsten Mittel des Dressierens und der Täuschung wieder aufgenommen.“ [Debord, Die Gesellschaft des Spektakels]. Dennoch abstrahierst du in den latenten Gleichsetzungen mit Stalinismus u. westlichen Demokratien von der gesellschaftlichen Formbestimmtheit jener Modernisierung in ihrer retrograden Präponderanz [„ideologischer Antimodernismus“ als bloßes Überbauphänomen] und blendest somit die über die Kollektivhypnose der Opfergemeinschaft vollzogene, zur materiellen Gewalt [Marx] gewordene„Ästhetisierung des Politischen“ [Benjamin] aus. Die groteske, techno-bürokratische Rationalität mit der die Nazideutschen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ihren annihilatorischen Antisemitismus praktisch umgesetzt haben, hat schon Raul Hilberg in „Die Vernichtung der europäischen Juden“ analysiert. Anstatt diese – wie du es nennst – „Allgemeinplätze“ zu wiederholen, wäre es an dieser Stelle allerdings wichtiger, deinen – wie mir scheint kulturpessimistisch beladenen – Fortschritts-Begriff [vgl. „progressive Elemente/Methoden“] zu hinterfragen.
    Marx hat immer wieder die „zivilisatorische Mission des Kapitals“ [ähnliche Formulierungen finden sich in den „Grundrissen“] gegenüber auf unmittelbarer Herrschaft u. feudalen Abhängigkeitsverhältnissen basierenden, vorbürgerlichen Gesellschaftsformationen betont [nicht ohne gleichzeitig das Grauen der brutalen Hyperexploitation während der britischen Kolonialherrschaft in Indien zu denunzieren]. Um aus Maximilien Rubels „Marx-Chronik“ zu zitieren: „Er [Marx] kommt später auf dieses Thema zurück und versichert, Industrie und Handel der Bourgeoisie würden die materiellen Voraussetzungen für eine neue Welt schaffen >>>in der gleichen Weise wie geologische Revolutionen die Oberfläche der Erde geschaffen haben. Erst wenn eine große soziale Revolution die Ergebnisse der bürgerlichen Epoche, den Weltmarkt und die modernen Produktivkräfte, gemeistert und sie der gemeinsamen Kontrolle […] unterworfen hat, erst dann wird der menschliche Fortschritt nicht mehr jenem heidnischen Götzen gleichen, der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte.< << [MEW, Bd. 9, S.226, New-York Daily Tribune, 8. August]“. Dies impliziert eine kategorische Absage an anti-universalistischen Provinzialismus, an die geschlossene Einbindung der Menschen in Kastenhierarchien u. Witwenverbrennungskultur etc. pp., schließlich bringen Weltmarktdynamik, freie/gleiche Lohnarbeit und Entfaltung der Produktivkräfte, neben den unbestreitbar kataklysmischen Folgen, zugleich auch eine höhere Vergesellschaftungsform hervor, die zugleich mit der Zerstörung von Natur- und lokal-bornierten Gemeinschaftsbindungen die Möglichkeiten freisetzt, daß sich überhaupt erst ein „gesellschaftliches Individuum“ [Marx] entwickeln kann.
    In Bezug auf den Komplex der völkischen Pseudovergesellschaftung [„Du bist nichts, dein Volk ist alles!“, Einzelexemplar der „arisch-germanischen Rasse“ – hier wäre eine Gleichsetzung mit dem anglo-amerikanischen Individualismus hirnrissig] heißt dies, daß du die Besonderheit der gesellschaftlichen Totalität, das jeweilige „übergreifende Moment“ [Marx] nivellierst, bis die barbarische, vom Nazifaschismus betriebene Modernisierung [und damit zugleich eine der Voraussetzungen der im Gattungsbruch der Shoa kulminierenden Entwicklung], die New-Deal-Politik Roosevelts und der Hyperrationalismus der Stalinschen nachholenden Modernisierung identisch scheinen. Selbst die im Stalinismus im Zuge der Zwangskollektivierungen durchgesetzte „brutalste ursprüngliche Akkumulation in der Geschichte“ [Debord] erreicht, gegenüber dem volksgemeinschaftsstaatlichen Mordkollektiv als Naturzustand und der Transformation von Produktivkräften in reine Destruktivkräfte, noch einen zivilisatorischen Vergesellschaftsgrad und versuchte dem eigenen Anspruch nach das bürgerliche Erbe einzuholen, damit es überholt werden könne. Programmatisch für die Nazis war dagegen die folgende Ankündigung nach der „Machtergreifung“: „Wir werden das Jahr 1789 aus der Geschichte ausradieren.“ [Goebbels].

    „Soviel ich weiß (ich habe kein Buch zu dem Thema gelesen), haben sich die westlichen Mächte neutral verhalten und die SU hat mit ihrer “unterstützung” eher destruktiv gewirkt.“

    Dazu eine kurze Passage aus Broués/Témimes „Revolution und Krieg in Spanien“: „Ohne Kriegsmaterial aus der Sowjetunion hätte der Widerstand der Republikaner das Jahr 1936 kaum überdauern können. Aber die unentbehrliche Hilfe reichte nie aus. Solange der Krieg anhielt, fehlte es den repulikanischen Truppen ständig an Flugzeugen, an Flak-Geschützen, ja sogar an leichten Schußwaffen. Zweifellos ermöglichten die Waffenlieferungen aus der Sowjetunion längere Zeit die Weiterführung des Kampfes. Wären sie großzügiger gewesen, so hätten sie zu einem frühen Zeitpunkt eine entscheidende Kräfteverschiebung zugunsten der spanischen Republik herbeiführen können. […] Umgekehrt läßt sich jedoch auch nicht die These aufrechterhalten, zu der manche Politiker und vor allem frühere spanische Kommunisten neigen: die Sowjetpolitik sei in höchst zynischer Weise nur machiavellistischen Antrieben gefolgt.“
    Verglichen mit dieser kritischen Würdigung [notabene anarchophiler Historiker!] der Sowjethilfe, die gemäß der längst stalinisierten KomIntern-Politik gewiss nicht die Weltrevolution weitertreiben wollte [Republik statt soziale Revolution], könnte dein jede Ambivalenz vernachlässigender Kommentar als latent geschichtsrevisionistisch gewertet werden. Hinzukommend ist es mehr als fraglich, aus der in den historischen Konsequenzen katastrophalen „Nichteinmischungspolitik“ von England und dem Volksfront-Frankreich die Wesensgleichheit jener Gesellschaftsformationen zum NS zu suggerieren.

    „Andererseits ruft er ja hier auch zu einem Krieg mit aller Kraft auf.“

    Ach, und das soll gegen Deutschland ein abstoßendes Vorhaben [gewesen] sein??!!

    „Im nächsten Absatz wird dann klar, wozu dieser Sieg v.a. dienen soll: dem Erhalt des “British Empire”.[…] Für was stand denn das “British Empire” tatsächlich? Sicher nicht für irgendwelche utopischen Hoffnungen, wie Churchill es behauptet, sondern für jahrhundertelange Unterdrückung, Ausbeutung und auch Vernichtung von Millionen von “Untermenschen” (man lese nur mal “Tage in Burma” von George Orwell um sich über die Haltung damaliger Kolonialherren zu informieren).“

    Was auch sonst? Daß das Empire auf brutalem Kolonialimperialismus gründete, wird kein vernünftiger Mensch bestreiten. Ansonsten scheinst du es ja auch außerhalb vom mittlerweile abgeschalteten Comfor echt mit Gandhi zu halten: Der meinte, die Nazis seien auch nur als „strafende Gerechtigkeit entstanden, um Großbritannien für ihre Sünden der Ausbeutung und Versklavung der asiatischen und afrikanischen Rassen zu bestrafen.“ Und als solche sahen sich auch die Nazis. Mittlerweile hat sich bei mir der Eindruck eingestellt, daß du mir aufgrund meiner Hervorhebung der differentia specifica des auf die totale Herrschaft über den Globus zielenden geopolitischen NS-Kreuzzuges und antisemitischen Vernichtungswahns im Unterschied zum britischen etc. Imperialismus [Eroberung des Welmarkts] und den de facto genozidal-exterministischen Methoden des Kolonialrassismus nichts als Verharmlosungen andichten willst.

    „Hier wird gleichzeitig die Paralle zu Goebbels deutlich: das jetzige Leiden wird durch utopische Zukunftsversprechen, gekoppelt mit dem Verweis auf eine glorreiche Vergangenheit, gerechtfertigt. Dabei weiß jeder vernünftige Mensch, das beides gleichermaßen fiktiv ist.“

    Da fällt mir nur folgende Stelle aus der Vorrede zur „Phänomenologie des Geistes“ ein: „[…] Irgendein Dasein, wie es im Absoluten ist, betrachten, besteht hier in nichts anderem, als daß davon gesagt wird, es sei zwar jetzt von ihm gesprochen worden, als von einem Etwas, im Absoluten, dem A=A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern darin sei alles eins. Dies eine Wissen, daß im Absoluten alles gleich ist, der unterscheidenden und erfüllten oder Erfüllung suchenden und fordernden Erkenntnis entgegenzusetzen – oder sein Absolutes für die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt, alle Kühe schwarz sind, ist die Naivität der Leere an Erkenntnis. – Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und geschmäht, und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn auch seine Ungenügsamkeit bekannt und gefühlt ist, aus der Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten Wirklichkeit sich über seine Natur vollkommen klar geworden ist. […]“

    „Oder würdest du heute George W. Bush glauben, wenn er Ähnliches verkünden würde? (ich weiß nicht, ob er das tatsächlich tut)“

    Seit wann geht es denn darum zu glauben?

    „Trotzdem wird dadurch an sich Ähnliches beschworen: eine, über den Glauben an die glorreichen Werte des “Empire” gerechtfertigte, Volksgemeinschaft, die sich, über alle ges. Gegensätze hinweg, gegen einen gemeinsamen Feind zu stellen hat. Dieser Feind ist nun freilich real und keine bloß ideologische Fiktion wie das “Weltjudentum” und ähnliche Hirngespinste. Wie man sehen kann, neigen allerdings auch demokratische Politiker dazu, sich in Friedenszeiten irgendwelche Feinde zu erspinnen, wenn es keine wirklichen gibt.“

    Wohl aufgrund dessen, daß du nicht mal ansatzweise begriffen hast, was „Volksgemeinschaft“ ist, ignorierst du auch die Besonderheit der antisemitischen Alltagsreligion, die durch wesentlich mehr bestimmt ist als der bloßen Halluzinierung eines wie auch immer konstruierten Feindes. Daß die phantasmatischen Verschwörungsimaginationen vom „Weltjudentum“ als repräsentativer Chiffre für die höchst realen „Feinde“: u.a. der proletarisch-communistischen Revolution, dem „Bolschewismus“/den „Novemberverbrechern“, dem „die proletarischen Nationen zersetzenden Imperialismus der westlichen Plutokratien“, etc. funktionalisiert wurden, kannst du aus dieser unterbelichteten Perspektive natürlich nicht begreifen.

    „Angesichts der geradezu lächerlichen Bedrohung, die vom Terrorismus und dem Iran für die westliche Welt ausgeht, würde ich auch den Terrorismus als eine solche Phantombedrohung abtun (oder zumindest eine, die man ohnehin nicht mit dem demokratischen Mitteln adäquat bekämpfen kann), die schlicht und ergreifend den Zweck hat, die Identität der westlichen Nationen zu stärken und von realen Problemen abzulenken.“

    Als nächstes kommt wahrscheinlich auch noch, daß die Bedrohung für Israel eine Erfindung von Bush u. Schäuble ist:

    http://www.isf-freiburg.org/verlag/leseproben/pdf/scheit-suicide_lp.3.pdf
    http://derstandard.at/?url=/?id=3256664
    http://www.nahostfocus.de/page.php?id=2373
    http://www.memri.org/palestinian.html

    „Communisten sollten dieser Art projektiver Politik keinen Blankoscheck ausstellen, auch wenn sie der Verteidigung Israels dienen sollte.“

    Die [jederzeit entziehbare] Unterstüzung Israels durch bestimmte Regierungen entspringt sicher nicht der Einsicht in Adornos kategorischen Imperativ. Banal wie wahr.

    @bling: Der SZ-Blog ist nicht die virtuelle Klowand von deiner linken Vereinszentrale, wo diese geistigen Bremsspuren auch noch beantwortet werden.

  67. 67 antikapl 10. Mrz 2008 um 20:19

    Ich hab via lysis.blogsport.de einen ganz interessanten Text von einem us-amerikanischen Anarchisten gefunden, der sich mit der antideutschen Bewegung befasst. Ich sage jetzt nicht, dass ich mit diesem Text gänzlich übereinstimme, aber er beinhaltet eigentlich ganz gute Argumente zum Thema.
    http://www.crimethinc.com/texts/rollingthunder/antinationalist.php

    Ich finds halt schon ganz witzig, beschrieben zu sehen, wie isoliert die (anti-)deutsche Linke so ist und einige ihrer angehörigen sogar selbst zugeben, “als Deutsche” und nicht als Cosmopoliten zu sprechen. Passt ganz gut zu einer Stelle aus dem theorie.org-Band “Trotzkismus”, in der die Rede davon war, dass in der Linken zZ zwar wahnsinnig viel von Antinationalismus die Rede ist, wirkliche internationale Zusammenarbeit mit linken anderer Länder jedoch kaum praktiziert wird.

  68. 68 AN-A 11. Mrz 2008 um 15:06

    Negative Potential [ http://negativepotential.blogsport.de/ ] hat den Text folgendermaßen kommentiert:

    “CrimethInc is a crappy group, one of the prime examples for the stupidity, moralism, and anti-intellectualism of North American anarchists.

    If the half-wits from CrimethInc have a beef with ADs, that’s almost like an argument for signing up for a year’s subscription to Bahamas.

    Almost.”

  69. 69 Horst 12. Mrz 2008 um 19:40

    AN-A
    Wie üblich besteht dein Beitrag zu zwei Dritteln aus Anspielungen und Autoritätsverweisen. Deshalb an Stelle einer Antwort bloss eine Aufforderung: Lass Agnoli aus dem Spiel, wenn du deinen objektiv affirmativen Müll verbreitest. Du weisst bestimmt selber, auf welches Herrschaftssystem sich Agnoli in seiner Schrift zur «Transformation der Demokratie» bezog. Dass dir dabei doch wieder nur «Islamfaschismus» und «direkte Herrschaft» in den Sinn kommt, sagt über die Realität nichts aus, über das fortgeschrittene Stadium deiner politischen Regression aber um so mehr.

  70. 70 AN-A@Horst 12. Mrz 2008 um 20:19

    Hör’ mal zu, du verlurchter Provinz-Horst: verbreite deinen
    o b j e k t i v e n Hirnschiss doch bitte hier - hxxp://narodnik.blogsport.de/
    Denke, der sucht noch so Leute wie dich.

  71. 71 bigmouth 15. Mrz 2008 um 20:57

    Der Faschismus ist der technisch ausgerüstete Archaismus

    debord hat wirklich so einen mist geschrieben? das ist ja furchtbar…

    A-NA (steht das eigentlich für was, was man kennen könnte?): informier dich bitte mal genauer über indien und das kastensystem. das haben die briten nämlich durch gesetzgebung gestüzt

    @antikapl: respekt, junger padawan, da gelangt jemand langsam in richtung vernunft

  72. 72 AN-A 20. Mrz 2008 um 17:00

    “Das Eingreifen der Engländer, das den Spinner nach Lancashire, den Weber nach Bengalen verpflanzte oder beide, den indischen Spinner wie den indischen Weber, hinwegfegte, führte zur Auflösung dieser kleinen, halb barbarischen, halb zivilisierten Gemeinwesen, indem es ihre ökonomische Grundlage sprengte und so die größte und, die Wahrheit zu sagen, einzige soziale Revolution hervorrief, die Asien je gesehen. Sosehr es nun auch dem menschlichen Empfinden widerstreben mag, Zeuge zu sein, wie Myriaden betriebsamer patriarchalischer und harmloser sozialer Organisationen zerrüttet und in ihre Einheiten aufgelöst werden, hineingeschleudert in ein Meer von Leiden, wie zu gleicher Zeit ihre einzelnen Mitglieder ihrer alten Kulturformen und ihrer ererbten Existenzmittel verlustig gehen, so dürfen wir doch darüber nicht vergessen, daß diese idyllischen Dorfgemeinschaften, so harmlos sie auch aussehen mögen, seit jeher die feste Grundlage des orientalischen Despotismus gebildet haben, daß sie den menschlichen Geist auf den denkbar engsten Gesichtskreis beschränkten, ihn zum gefügigen Werkzeug des Aberglaubens, zum unterwürfigen Sklaven traditioneller Regeln machten und ihn jeglicher Größe und geschichtlicher Energien beraubten. Wir dürfen nicht die barbarische Selbstsucht vergessen, die, an einem elenden Stückchen Land klebend, ruhig dem Untergang ganzer Reiche, der Verübung unsäglicher Grausamkeiten, der Niedermetzelung der Einwohnerschaft großer Städte zusah, ohne sich darüber mehr Gedanken zu machen als über Naturereignisse, dabei selbst jedem Angreifer, der sie auch nur eines Blickes zu würdigen geruhte, hilflos als Beute preisgegeben. Wir dürfen nicht vergessen, daß dieses menschenunwürdige, stagnierende Dahinvegetieren, diese passive Art zu leben, auf der andern Seite ihre Ergänzung fanden in der Beschwörung wilder, zielloser, hemmungsloser Kräfte der Zerstörung, und in Hindustan selbst aus dem Mord einen religiösen Ritus machten. Wir dürfen nicht vergessen, daß diese kleinen Gemeinwesen durch Kastenunterschiede und Sklaverei befleckt waren, daß sie den Menschen unter das Joch äußerer Umstände zwangen, statt den Menschen zum Beherrscher der Umstände zu erheben, daß sie einen sich naturwüchsig entwickelnden Gesellschaftszustand in ein unveränderliches, naturgegebnes Schicksal transformierten und so zu jener tierisch rohen Naturanbetung gelangten, deren Entartung zum Ausdruck kam in der Tatsache, daß der Mensch, der Beherrscher der Natur, vor Hanuman, dem Affen, und Sabbala, der Kuh, andächtig in die Knie sank.

    Gewiß war schnödester Eigennutz die einzige Triebfeder Englands, als es eine soziale Revolution in Indien auslöste, und die Art, wie es seine Interessen durchsetzte, war stupid. Aber nicht das ist hier die Frage. Die Frage ist, ob die Menschheit ihre Bestimmung erfüllen kann ohne radikale Revolutionierung der sozialen Verhältnisse in Asien. Wenn nicht, so war England, welche Verbrechen es auch begangen haben mag, doch das unbewußte Werkzeug der Geschichte, indem es diese Revolution zuwege brachte.”

    http://www.mlwerke.de/me/me09/me09_127.htm

    “(steht das eigentlich für was, was man kennen könnte?)”

    Nein.

  73. 73 bigmouth 24. Mrz 2008 um 18:56

    schon mal dran gedacht, dass marx vielleicht nicht das nonplusultra der geschichtsschreibung darstellt?

  74. 74 AN-A 24. Mrz 2008 um 22:02

    “Bigmouth”, solange du nicht in der Lage bist, hier irgendetwas Sustanzielles zu der mittlerweile von “antikapl” abgebrochenen Diskussion beizusteuern, solltest du dich mit der Verbreitung von deinem Meinungs-Senf auf deinen Blog beschränken.

    Kurz zum indischen Kastensystem: Zur unmittelbaren Herrschaftssicherung mögen die britischen Imperialisten das Kastensystem gestützt haben - in der Longue durée [ http://de.wikipedia.org/wiki/Longue_dure ] wurde es ökonomisch komplett ausgehöhlt.

  75. 75 antikapl 26. Mrz 2008 um 16:03

    Entschuldige, ich habe garnicht realisiert, dass du auf meinen Beitrag geantwortet hast und war in letzter Zeit verreist. Diese Diskussion möchte ich wirklich nicht abbrechen.

    Zur Lage im Iran:

    Gut, in diesem Punkt muss ich dir wohl recht geben, auch wenn man schon darauf hinweisen muss, dass Ahmadineschad im Gegensatz zu Hitler oder Mussolini ja nicht der absolute Führer des Iran ist, sondern bei den nächsten Wahlen wahrscheinlich abgewählt wird (was natürlich nicht heißt, dass der Iran seine Politik grundsätzlich ändern wird).

    Zum Fortschrittsbegriff:

    Da du dich ja anscheinend auch im comfor umgetrieben hast, weißt du ja wohl, dass ich dort zum selben Thema eine ziemlich kontroverse Diskussion mit lysis hatte.

    Das Problem ist halt, dass sich die Hoffnung, die noch Marx haben konnte, dass die bürgerliche Gesellschaft aus sich heraus zu ihrer eigenen Negation führen werde, eben nicht erfüllt hat und sich die bürg. Ges. in Auschwitz in ihr eigenes Gegenteil verkehrt hat. Gleichzeitig hat sich der, insbesondere von der Sozialdemokratie gepflegte, Fortschrittsoptimismus als konterrevolutionäre Apologetik enttarnt, spätestens seit die Nazis gegen die „Reaktionären“ gehetzt haben.

    Das Dilemma ist also, dass es unmöglich geworden ist, daran zu glauben, dass ein Fortschritt der bürgerlichen Gesellschaft identisch mit einem Fortschritt der Emanzipation sei. Marx unterlag in diesem Punkt schlichtweg einem Irrtum, der sich in seiner Wirkung auf die sozialdemokratische Bewegung (und in Folge dessen den Marxismus-Leninismus) als nahezu fatal herausstellte. Indien ist doch ein gutes Beispiel – die britische Besatzung führte zur Entwicklung einer nationalistischen Entwicklung, die wiederum in einem blutigen Bürgerkrieg endete, nicht zu einer communistischen Revolution. Fast in der gesamten 3. Welt fand Ähnliches statt (zuletzt im Tibet).

    Meine Position ist, dass sich Aussagen darüber, ob die bürgerliche Gesellschaft tatsächlich ihrer Negation in Form der klassenlosen Gesellschaft oder zu ihrer Negation in Form der Vernichtung der gesamten Menschheit entgegentreibt, erst vom Resultat her treffen lassen. Vorher ist die Rede von „notwendigen Opfern“ des Fortschritts etc. immer mit dem Hauch von Apologie der jeweiligen objektiven Tendenz der Gesellschaft verbunden. Worte wie „Wenn nicht, so war England, welche Verbrechen es auch begangen haben mag, doch das unbewußte Werkzeug der Geschichte, indem es diese Revolution zuwege brachte“ haben spätestens nach Auschwitz jede Gültigkeit verloren und gehören selbst auf den „Kehrrichthaufen der Geschichte“ (Trotzki), auf den sie ihre Gegner zu werfen trachten.

    Das gefährliche an einer solchen Argumentation ist zudem, dass man selbst noch den Nationalsozialismus als Element der bürgerlichen Fortschrittsgeschichte lesen kann. Dies tat z.B. Adorno: „Wohl darf man mutmaßen, daß die Demokratie[„heute“, also nach 1945; antikapl] tiefer eingedrungen ist als nach dem ersten Weltkrieg: der antifeudale, durchaus bürgerliche Nationalsozialismus hat durch Politisierung der Massen, gegen seinen Willen, der Demokratisierung in gewissem Sinn sogar vorgearbeitet. Junkerkaste wie radikale
    Arbeiterbewegung sind verschwunden; zum ersten Mal ist etwas wie ein homogen bürgerlicher Zustand hergestellt.“ (Aus: „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit?“) Zwischen den Äußerungen von Marx und denen Adornos besteht da kaum ein Unterschied. Auch unter anderen Aspekten betrachtet dürfte der NS Deutschland mehr vorangebracht haben als die Weimarer Republik, etwa durch die zukunftsweisende Entscheidung, die Automobilisierung des Volks voranzutreiben oder per KdF den Massentourismus zu etablieren (sehr schön dargestellt in Günther Grass:”Im Krebsgang”).

    Doch damit will ich nicht behaupten, dass das ganze Projekt der Aufklärung verworfen wäre, sondern, dass es immer Gegenbewegungen innerhalb der Fortschreitens der bürgerlichen Gesellschaft gab (und gibt), die jedoch entweder integriert, und damit zu Bewegungen, gemacht oder extingiert wurden. So etwa das bereits in der comfor-Diskussion mit lysis angeführte Projekt der Jesuiten, die Indianer Südamerika auf humane Art zu zivilisieren. Oder die heute, wie der Jesuiten-Staat, fast gänzlich aus der maßgeblichen Geschichtsschreibung extingierten Situationisten. Oder man nehme nur die Leiden und Revolten des europäischen Modernisierungsprozesses, nach denen heute auch kein Hahn mehr kräht.

    Goebels wollte 1789 aus der Geschichte löschen – sein „Verdienst“ war zumindest, dieses Vorgehen – im Gegensatz zu bürgerlichen und marxistischen Geschichtsschreibern - offen zuzugeben. Dass die bürgerliche Geschichtswissenschaft gegenwärtig kein Interesse daran hat, 1789 auszulöschen, ist natürlich auch klar.

    Man müsste sich also gerade positiv auf den „Kehrrichthaufen“, nicht auf den Fortschritt beziehen, den erst durch Extinktion gegenläufiger Tendenzen zu konstruieren nicht erst seit Hegel die Hauptaufgabe bürgerlicher wie marxistischer Apologie war.

    Dazu passt auch ganz gut ein von Adorno in „Aufzeichnungen zu Kafka“ zitierter Satz Kafkas: „An Fortschritt glauben, heißt nicht glauben, daß ein Fortschritt schon geschehen ist.“

    Zum Vorwurf der Nivellierung/Relativierung des NS:

    Ich denke, es geht am objektiven Wesen des NS auch vorbei, wenn man ihn als das absolute Gegenteil der bürgerlichen Gesellschaft darzustellen versucht. Dies lässt sich v.a. nicht aufrechterhalten, wenn man sich auf Adorno als Theoretiker bezieht, denn in der „Dialektik der Aufklärung“ werden doch gerade Nationalsozialismus und totalitäre Demokratie als wenn nicht identische, so doch vergleichbare Varianten derselben Bewegung nebeneinandergestellt. Die (kulturindustriell ausstaffierte) Dämonisierung des Nationalsozialismus als das gänzlich Andere der bürgerlichen Gesellschaft halte ich ebenso für einen Legitimationsmythos wie die Nivellierung des NS, die ich aber nicht betreibe.

    Zum spanischen Bürgerkrieg:

    Also nach allem, was ich weiß (habe mich inzwischen über Georg Orwells „Mein Katalonien“ informieren lassen) hat die SU die Republik zwar unterstützt, die von ihr protegierten Stalinisten haben aber maßgeblich zur Niederlage im Bürgerkrieg beigetragen, und das wohl nicht nur, weil nur die Mittel falsch gewählt worden waren, sondern weil man einen anderen Zweck als die Verteidigung der Republik verfolgte.
    Die mangelnde Unterstützung der späteren Alliierten für die Republik ist im Übrigen nur ein Argument dafür, dass die Bekämpfung des Faschismus nicht ihr primärer Staatszweck war, nicht für eine Wesensgleichheit der Systeme, wie du unterstellst.
    Der Vergleich der Reden von Goebells und Churchill ist dafür sicherlich auch nur ein unzureichender Beweis, aber darum, zu behaupten, dass die englische Demokratie und der deutsche NS wesensgleich seien, geht es mir ja auch gar nicht.

    Die zitierte Stelle von Hegel finde ich in diesem Zusammenhang ganz brauchbar, da ab einem bestimmten Abstraktionsniveau ja tatsächlich „alle Katzen grau“ sind. Ich halte auch nichts davon, den NS schlichtweg als „normale bürgerliche Herrschaft“ zu verbuchen, wie dies andere tun. Auch die Spezifikas Israels, um die Diskussion wieder zurück zu ihrem eigentlichen Gegenstand zurückzubringen, dürfen in der Analyse natürlich nicht verloren gehen. Das was du jedoch betreibst, ist eine ebenso zweifelhafte Gleichsetzung, nämlich der heutigen Situation mit der ab 1933. Ich habe zugegebenermaßen selbst einen Fehler gemacht, indem ich dieser Gleichsetzung von dir stückweit gefolgt bin.

    Gut, in den letzten Jahren gibt es tatsächlich viele Terroranschläge und vielleicht werden es noch mehr werden. Und die Lage im Nahen Osten ist derzeit auch ziemlich angespannt – ob mit oder ohne Atomwaffe des Iran (ich halte ich ohnehin nicht für realistisch, dass die der Iran einfach mal so auf Israel abfeuert – damit würde er zumindest seine eigene Vernichtung in Kauf nehmen). Dass islamkritische Autoren und Karikaturenkünstler mit dem Tod bedroht werden, ist auch eine nicht hinnehmbare Situation (das ist für mich ehrlich gesagt sogar der schlimmste Missstand, der mit dem Erstarken der islamistischen Bewegung auch in den westlichen Kernländern verbunden ist).

    Andererseits ändert dies nichts daran, dass es ausgerechnet die Konservativen und Rechtsliberalen sind, die sich des „clash of civilizations“ angenommen und ihn zu ihrem Lieblingsthema stilisiert haben und dass sie sich dieses Themas als Ideologie bedienen. Beispiele dafür gibt es ja genug. Es wird so etwas wie ein 3. Weltkrieg konstruiert, in der jeder für eine der beiden Seiten Partei zu ergreifen habe. Entweder Freiheit oder Islam.

    Gut, dass ich lieber hier als im Iran lebe, ist klar. Doch zugleich kann man gerade in antideutschen Publikationen immer wieder erleben, wie die Parteinahme für die „Freiheit“ zur blinden Einreihung in eine Art Volksfront mit fundamentalistischen Christen und überzeugten Staatsfans („Freunden der offenen Gesellschaft“) führt.

    Du argumentierst ja immerhin noch von einem communistischen Standpunkt aus. Doch dein Hauptargument, die westliche Demokratie führe zu verbesserten Chancen für den Communismus, blamiert sich doch bereits an der Empirie völlig. Man muss sich ja nur mal die innenpolitischen Verhältnisse im Hauptverteidiger der Freiheit, den USA, aber auch in Europa, Japan oder sonstwo, anschauen. Die Dialektik geht da schlichtweg nicht auf. Auch in Israel haben nach wie vor radikalreligiöse Gruppen, die z.B. in der Tradition des alten Testaments lehren, dass die Shoa eine von Jahwe über das Volk Israel wegen seiner Unfrömmigkeit verhängte Strafe sei, einen überaus hohen Einfluss auf die Gesellschaft, so säkular die meisten Israelis auch eingestellt sein mögen. Wenn man sich die letzten Anschläge anschaut muss man zugleich feststellen: so irrational wie oft behauptet, wählen sich die Islamisten ihre Ziele, zumindest derzeit, nicht aus. Die treffen schon, aus ihrer Sicht, die richtigen: radikalzionistische, fundamentalreligiöse Gebetsschulen, die wohl alles andere als eine friedliche Lösung dieses Konflikts im Sinn haben. In den USA sieht es ja ganz ähnlich aus (Obama ist z.B. in einer evangelikalen Kirche Mitglied, die lehrt, der 11.9. sei eine Strafe Gottes für die Sünden des amerikanischen Volkes). Ich würde eher von einer globalen Tendenz zurück zur Religion sprechen, die es zu bekämpfen gilt, die sich in keinster Weise auf die ehemals wesentlich säkulareren „islamischen Welt“ (wenn man diesen Terminus schon benutzen will), beschränkt ist.

    Zugleich muss man sich fragen, wie man denn den Islamismus wirklich bekämpfen will, wenn man darin das gegenwärtige Hauptziel sieht. Mit militärischen Mitteln wird dies nicht gelingen, dass belegt ja das Beispiel Afghanistan – und im Irak hat der Krieg ja anscheinend genau das Gegenteil bewirkt - die Schiiten z.B. haben zu 90% eine fundamtalreligiöse, vom Iran geförderte Partei gewählt (gab dazu ein gutes Interview in einer der letzten Ausgaben der taz).
    Dazu bedarf es sicherlich einer langwierigen Diskursverschiebung in den dortigen Ländern und zugleich einer säkularen politischen Alternative, die freilich auch wieder faschistisch sein könnte (wie etwa die Regierung Saddam Husseins). Aber dass die Leute in der dortigen Weltregion den Westen nicht so toll finden, hat doch einen rationalen Kern: die checken doch, dass man ihnen ans Erdöl will und dass sie, wenn sie ihr Öl zu höheren Preisen verkaufen würden, wesentlich besser dastehen würden. Länder wie Venezuela machen ja vor, wie sich ein Land ausschließlich aufgrund seiner Öl-Einnahmen aufpeppeln kann, wenn es nur eine selbstbewusste, nationalistische, einigermaßen unkorrupte Regierung hat. U.a. deshalb ist ja auch im Iran der Schah gestürzt worden – was von Leuten wie Foucault anfangs aus mE verständlichen Gründen positiv bewertet wurde.

    Ein letztes Argument: es gibt derzeit weitere Weltregionen, in denen der „Weltbürgerkrieg“ ausgefochten wird: u.a. Tschetschenien und Tibet. In Tschetschenien kämpft Russland gegen islamistische, in Tibet China gegen buddhistische „Terroristen“. Beide Male lassen sich den Widerstandsbewegungen wohl eindeutig faschistische Züge nachweisen, auch im achso friedlichen Tibet und China vertritt im Tibet seit 50 Jahren wohl ohne Zweifel die Aufklärung. Soll man sich als Communist deshalb mit Russland und China solidarisieren? Oder nicht viel eher darauf hinweisen, dass sich da schlichtweg jeweils zwei Lager von Deppen gegenüberstehen, die beide beschissene Positionen vertreten (wie z.B. auch im Kosovo-Serbien Konflikt)? eben wie die “gegner” in Orwell’s “1984″.

  76. 76 AN-A 31. Mrz 2008 um 13:53

    Die einzig mögliche Kritik von diesem albernen Gequake ist die humoristische Karikatur - aber auch dazu bin ich mittlerweile zu faul. Ich melde mich höchstens noch einmal, wenn hier die Kosmoprolet- und EnfantPerdu-Thesen diskutiert werden.

  77. 77 Hermann G. 31. Mrz 2008 um 15:56

    Spätestens seit dem KF ist bekannt, dass Antikapl ausschliesslich bildungsbürgerlich verbrämten Hirnschmand zu Tage fördert und sich in seiner Rolle des ewigen kritischen Abiturienten gefällt. Etwa im selben Zeitraum wurde aber auch relativ deutlich klargestellt, dass die Waitress zwar ihre Autoritäten frei zitieren kann, aber nicht einen schlauen Gedanken hinkriegt und so ausserhalb ihres politischen Biotops nur gehässig reagier kann. Entweder man teilt die Autoritäten und klatscht ihr zu oder sie sieht sich mit Komödianten und Barbaren konfrontiert.

  78. 78 bigmouth 31. Mrz 2008 um 19:19

    bringt doch mal argumente gegen das, was antikapl wie ich finde ganz gut dargelegt hat

  79. 79 bigmouth 31. Mrz 2008 um 19:21

    @ Hermann G.: an-a=waity ist offensichtlich quatsch. oder wer sonst v den oben stehenden soll das sein?

  80. 80 kati 3. Apr 2008 um 10:15

    bei trend findet sich ein weiteres kritikpapier mit eher ökonomistischen schwerpunkt zu den thesen vom notorischen r. schlosser: http://www.trend.infopartisan.net/trd0408/t020408.html

  81. 81 Hermann G. 3. Apr 2008 um 13:29

    bigmouth:
    Das spielt doch gar keine Rolle, die sind allesamt bloss Charaktermasken ein und desselben Unwesens, Waiting ist bloss ein im Internet besonders schillerndes Exemplar.

  82. 82 exilstuttgarterin 3. Apr 2008 um 15:13

    Tach Leute, nach langer Zeit bin ich mal wieder auf die Seite hier gestoßen: Der Grund dafür spricht eigentlich schon Bände > bei einer Ankündigung einer Veranstaltung zu Mao Ze-Dong habt ihr ja peinlicherweise euer Erscheinen angekündigt. Wenn ich nichts vergessen hab, hab ich noch nie erlebt dass sich eine auch noch so stalinistische Gruppe so identitär begreift, dass sie “ihr Erscheinen” bei irgendeiner Veranstaltung ankündigt! Irgendwie stand das in ziemlichem Widerspruch zu dem, was ich zuletzt von Euch gehört und gelesen hatte.
    Ein Klick auf eure Homepage hat mir dann aber den Rest gegeben: Veranstaltungsankündigungen von (selbst in der Linken umstrittenen) Referenten der Linkspartei, Werbung für die postleninistische Rosa Luxemburg Stiftung…

    Ansonsten nicht eine einzige eigene Veröffentlichung oder Veranstaltung, alles völlig veraltet, wirr und langweilig.

    Zu diesem Text: mal abgesehen von seinem niveaulosen Inhalt sind vor allem die Kommentare bezeichnend: Zitate kommunistischer Autoritäten, Beleidigungen, agressiver Sarkasmus…

    Ist es wirklich das was vor ein paar Jahren mit dem Aufruf “An die revolutionären Kräfte im BAZ 110″ begonnen hat??? Was ist passiert???

    Wenn sich hier doch noch Leute tummeln die sich wirklich als revolutionär begreifen, die z.B. diesen Text wie auch die Kommentare überflüssig finden, die nicht mit der “Linkspartei” koketieren, die sich nicht im Namen linker Kritik gegenseitig beschimpfen…:
    …fuck Stuttgart… kommt doch mal bei uns vorbei >>> http://www.projektwerkstatt.de

  83. 83 ivan groznyi 3. Apr 2008 um 15:15

    @the german hermann:
    dann firmierst du depp gewiss als eine der blödesten attrappen der organisierten dummheit….

  84. 84 so sieht's aus 3. Apr 2008 um 16:37

    @exilstuttgarterin:
    wer sich hier in wessen name beschimpft, darauf haben die nutzer_innen des sz-blogs keinen einfluss, weil hier eben jeder und jede posten kann. ebensowenig darauf, dass hier leute so tun, als wären sie BEIM sz oder hätten irgendwelche “insider”-informationen. allein das sollte leser_innen stutzig machen, weil der sz eben gar nicht als gruppe funktioniert, noch funktionieren kann! denn weder gibt es irgendwelche “gruppentreffen” noch ausgetüftelte strategien, die verfolgt werden, sondern bisher war der sz allein DIE diskussion selbst über die veranstalteten themen; und jene diskussion hängt nicht davon ab, WER sich dem sz irgendwie “identitär” zugehörig fühlt und wer nicht. wenn also irgendjemand im namen DES sz irgendetwas ankündigt, so kann dies nur heißen, dass mal wieder eine verwirrungstaktik von irgendjemanden gestartet wurde (und anscheinend bist DU nun wohl darauf reingefallen). viele leute empfinden die theoriepraxis des sz wohl als bedrohung und dementsprechend versuchen sie zum einen mit solch billigen mitteln, wie z.b. verwirrung stiften, und zum anderen mit wirren und projektiven behauptungen, die theoriearbeit des sz zu torpedieren oder zumindest durch “scheindiskussionen” (wie z.b., ob der sz zur linkspartei tendiere) davon abzulenken.
    der blog des sz erfordert daher mündige leser_innen, die zwischen den blogeinträgen und den kommentaren zu unterscheiden wissen (die allerwenigsten kommentare sind nämlich von leuten, die die theoriearbeit, die hier geleistet wird, mitgestaltet haben).
    auch das gerücht, dass DER sz - den es ja SO als gruppe gar nicht gibt, sondern eine projektive zuschreibung ist - sich der linkspartei anbiedern würde, ist schnell vom tisch: aufgrund der fahrtkosten und honorare von referent_innen bei bestimmten veranstaltungen hat sich die rls dankenswerterweise angeboten, einige veranstaltungen zu sponsoren (kohle wächst bekanntlich nicht auf bäumen; außerdem waren es v.a. diejenigen leute, die sich an sz-diskussionen beteiligt haben, welche sich um die schulden des zentralkultur e.v. aus den baz110-altlasten gekümmert haben). aber damit ist auch schon alle “zusammenarbeit” mit der rls benannt.
    die ankündigung von fremdveranstaltungen sagen ebenfalls nichts über die inhalte der sz-diskussionen aus, da sie - wie die bezeichnung eben klarmacht - “fremdveranstaltungen” sind und es allen unbenommen ist, jene zu kritisieren. auf dem sz-blog wurden schon einige fremdveranstaltungen angekündigt, ohne dass das nun heißen würde, dass sich DER sz damit gemein machen würde. i.ggt.: sie dienten bisher immer der kritischen auseinandersetzung.

    d.h., liebe leser_innen: bitte einen differenzierteren blick einnehmen und sich nicht zu pauschalbehauptungen hinreißen lassen oder irgendwelche “verborgenen” und “dunklen” strategien hinter DEM sz vermuten, sondern von den haupttexten ausgehen (und nicht hinter den kommentator_innen irgendwelche “gruppen”mitglieder des sz vermuten, auch wenn sie einen solchen anschein bewusst zu wecken versuchen).

  85. 85 soooo sieht es aus! 8. Apr 2008 um 12:44

    o man lieber herr von und zu “so sieht`s aus”:
    bitte erspare den leserinnen und lesern hier doch deine billigen schönfärbereien.

    1. soll hier der text diskutiert werden und nicht auf irgendwelche kommentare von öden szenies eingegangen werden.

    2. erreichst du mit deinem kommentar genau das gegenteil von dem was du wohl willst (es sei denn es handelt sich bei dir nur mal wieder um diesen nervigen troll…): dein plumber versuch darzustellen wie wenig identitär der sz ist, dass alle hinweise auf etwas anderes reine verschwörung sind, man die rls doch gar nicht mag sondern nur bissle kohle von ihr will usw. zeigen höchstens auf wie viel dir daran liegt “deinen sz” in einem guten licht erscheinen zu lassen - und wie wenig dir das glückt.
    schon mal daran gedacht, dass die rls veranstaltungen unterstützt weil sie so werbung für sich bekommt, dadurch schließlich dann auch kohle um veranstaltungen wie die “irak-konferenz” finanzieren zu können…? oder dass auch die titulierung “fremdveranstaltung” nichts daran ändert, dass hier prozentual einfach sehr viele linkspartei-nahen veranstaltungen beworben werden? oder das es den sz “als gruppe” sehr wohl gibt oder gab, auch wenn man sich nicht so bezeichnen will (subjektiv u. objektiv..sie wissen schon…)? oder oder oder…

    nur mal noch als kleiner gedankenanstoß: es ist schon sehr seltsam, wenn kritik von einer weiblich sozialisierten von dir auf eine sichtbar übertrieben freundliche art beantwortet wird, während hier der umgangston eigentlich eher in eine ganz andere richtung geht… spielen da etwa die hormone eine rolle oder ist es doch nur die angst dass der ruf des projektes sz so langsam den bach runtergeht… oder beides und noch ein bischen selbstdarstellungsdrang…?

  1. 1 Antideutscher Guy Debord-Spam | NARODNIK Pingback am 28. Jan 2008 um 23:34
  2. 2 Wartezeit überbrücken … :: Wenn das Es dem Über-Ich Beine macht … :: Mai :: 2008 Pingback am 19. Mai 2008 um 23:16
Kommentare sind derzeit deaktiviert.

Fremdveranstaltungen

RSS
» 

Frau Steinbachs falsches Opferbild - Die NS-Vergangenheit des “Bundes der Vertriebenen” und seine fragwürdige Interpretation der deutschen Geschichte
Vortrag und Diskussion mit Erich Später; Mittwoch, 21. Juli 2010, 19 Uhr im Gewerkschaftshaus, Kleiner Saal; Willi-Bleicher-Straße, Stuttgart-Stadtmitte
Am 5. August will der “Bund der Vertriebenen” mit hoher Politprominenz und entsprechender Medienaufmerksamkeit einen “Festakt” im Stuttgarter Neuen Schloss inszenieren. Gefeiert werden soll “60 Jahre Charta der Heimatvertriebenen”, die 1950 in Stuttgart verkündet wurde. Ein Grund, dieser Selbstinszenierung chronischer Geschichtsfälscher entschieden entgegen­zutreten und sich des bis heute verhängnisvollen Wirkens des BdV bewusst zu werden. Weitere Informationen. Eine Veranstaltung der Gruppe Emanzipation und Frieden.

 # 0
» 

Buchvorstellung und Diskussion mit dem Autoren Henning Böke: Maoismus
Freitag, 25.04.2008, 19.00 Uhr - Subversiv (Burgstallstr. 54, Stuttgart-Heslach)
“Mit seinem eigenständigen Sozialismus, der sich von dem der Sowjetunion scharf abgrenzte, bildete das China Mao Tse-tungs um 1970 einen bedeutenden Bezugspunkt für Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt wie für die progressive Intelligenz im Westen: Der Maoismus war damals eine maßgebliche linke Strömung, mit der großen Hoffnung auf ein alternatives Gesellschaftsmodell jenseits von Kapitalismus und bürokratischem Staatssozialismus verbunden waren.” (theorie.org)

 # 1
» 

Perspektiven für eine zeitgemäße feministische Politik (Referentin: Frigga Haug)

    Donnerstag, 20. März 2008 um 20 Uhr, im Subversiv (Burgstallstraße 54, Stuttgart-Heslach)

“Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik” lautet das jüngst erschienene Buch von Frigga Haug, das im Rahmen dieses Vortrags eingehender vorgestellt
und hinsichtlich seiner feministisch-politischen Aktualität beleuchtet werden soll.

(Veranstaltergruppe: noya)

 # 11


RSS Beiträge und RSS Kommentare -->