NN: Was ist »Vernunft«? Was heißt »vernünftig«? (Referent: Michael Weingarten)

Sonntag, 07.10.2007, 16 Uhr, »Atelier Unsichtbar« (Innerer Nordbahnhof 73, Stuttgart-Nord)

Bildinschrift: “Der Schlaf der Vernunft gebiert Monster”
Der Begriff der »Vernunft« ist ein sehr schillernder und die Geschichte dessen, was unter »Vernunft« verstanden wird, ist reich an Wechselfällen. Doch was ist »Vernunft«? Kann eine Sache selbst vernünftig sein oder wird ihr »Vernunft« bloß von uns zugeschrieben? Ist »Vernunft« im allgemeinen durch die kapitalistische Rationalität und ihre »instrumentelle Vernunft« in eine Krise geraten? Wird durch abendländische Rationalitätsideale das Andere der »Vernunft« (z.B. Emotionalität, Wahnsinn) klinisch unterdrückt bzw. wegtherapiert? Was ist unter einer »vernünftigen Gesellschaft« zu verstehen und in welchem begrifflichen Zusammenhang steht sie mit der Vorstellung einer »communistischen Gesellschaftsordnung«? Kann an der Vorstellung einer prinzipeillen Wirkmächtigkeit der »Vernunft« nach dem Zivilisationsbruch der Shoah überhaupt noch festgehalten werden?

Um die begrifflichen Probleme, die sich mit solcherlei Fragen verknüpfen überhaupt angehen zu können, ist es zunächst notwendig, den Begriff der »Vernunft« selbst ins Visier zu nehmen. Dabei wird Michael Weingarten u.a. zu klären versuchen, wie das Verhältnis von »Vernunft« und »Verstand« zu begreifen ist, wie z.B. »Leidenschaft«, »Lust« und »Vernunft« zusammengedacht werden kann, wie es um das Verhältnis einer »Kritik der Vernunft« und einer »Vernunftskritik« unter den Bedingungen kapitalistischer Rationalitätskriterien bestellt ist.
Zum Hintergrund dieses Negativen Nachmittags: In der Diskussion über den »Hedonismus« beim NN am 3.12.2006 wurde deutlich, dass neben psychoanalytischen Fragestellungen (siehe dazu NN vom 19.3.2007) auch das Themenfeld um den Begriff »Vernunft« eine wesentliche Rolle dafür spielt, um die Frage nach einer leidenschaftlichen und lustbetonten, emanzipativen Geselschaft weiterzuverfolgen.

Literatur:

  • Benjamin, Walter (1929): Der Sürrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz. Gesammelte Schriften Bd. II/1. Frankfurt a.M. 1991, S. 295-310.
  • Hegel, G.F.W. (1802): Wie der gemeine Menschenverstand die Philosophie nehme, dargestellt an Werken des Herrn Krug. Werke Bd. 2. Frankfurt a.M. 1986, S. 188 - 208.
  • Hegel, G.F.W. (1803): Glaube und Wissen oder Reflexionsphilosophie der Subjektivität in der Vollständigkeit ihrer Formen als Kantische, Jacobinische und Fichtesche Philosophie. Werke Bd. 2. Frankfurt a.M. 1986, S. 287 - 433 (abgekürzt: S. 287-301).
  • Horkheimer, Max (1947): Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Gesammelte Schriften Bd. 6, Frankfurt a. M. 1991, S. 21-186 (v.a. Kapitel »Mittel und Zwecke«, S.27-74).
  • Lukács, Georg (1954): Über den Irrationalismus als internationale Erscheinung in der imperialistischen Periode (Vorwort). In ders.: Die Zerstörung der Vernunft. Werke Bd. 9. Darmstadt und Neuwied 1974, S. 9-35.

Lexikaartikel:

  • Burgio, Alberto: Verstand/Vernunft. In: Sandkühler, Hans Jörg (Hg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaft. Hamburg 1990, S. 709-716.
  • Vernünftig/Wirklich. In: Labica, Georges und Bensussan, Gérard (Hg.): Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Hamburg 1989, S. 1378-1380.
  • Wirklichkeit. In: Labica, Georges und Bensussan, Gérard (Hg.): Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Hamburg 1989, S. 1439-1441.
  • Vernunft/Verstand. In: Ritter, Joachim und Gründer, Karlfried (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel 2001, Sp. 748-863.
  • Vernunft, historische. In: Ritter, Joachim und Gründer, Karlfried (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel 2001, Sp. 863-866.
  • Vernunft, instrumentelle. In: Ritter, Joachim und Gründer, Karlfried (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel 2001, Sp. 866-867.

1 Kommentar zu “NN: Was ist »Vernunft«? Was heißt »vernünftig«? (Referent: Michael Weingarten)”


  1. 1 aus in der vorrunde Trackback am 29. Sep 2007 um 09:30
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